«Ich ärgere mich jedes Mal sehr, wenn ich von solchem Amtsschimmel erfahre», sagt Daniela Schneeberger. Kaum hat die Baselbieter FDP-Nationalrätin in der «Schweiz am Wochenende» gelesen, mit welch bürokratischen Hürden sich Metzger in der Region herumschlagen müssen, ist sie in Bundesbern politisch tätig geworden. Bereits am ersten Tag der gestern gestarteten Herbstsession hat sie beim Bundesrat die Anfrage eingereicht, wie einfach und unbürokratisch eine Lösung gefunden werden kann.

Das Problem: Wegen Bundesvorgaben muss der Arlesheimer Metzger Christoph Jenzer unmittelbar nach der Produktion entscheiden, ob er seine Ware frisch oder gefroren verkaufen will. Hat er etwa für ein Grümpeli zu viel frische Würste produziert, weil es unerwartet geregnet hat, steht er vor einem Berg an Waren. Einfrieren darf er sie nun nicht mehr. Er muss die Ware wegwerfen. Jenzer aber ist gegen Food Waste – im Sinne des Klimaschutzes. Daher versieht er seit Kurzem seine Produkte mit zwei Verfallsdaten: Eines zeigt wie üblich an, bis wann die Ware zu verbrauchen, ein anderes, bis wann es gefroren haltbar ist. Doch: Das widerspricht den Vorschriften zur Etikettierung.

Bundesrat soll generell über die Bücher gehen

Jenzer ist nicht der Einzige, der sich mit diesen Vorgaben herumschlägt. Und selbst die Behörden signalisieren, dass sie mit der geltenden Regelung nicht glücklich sind. Die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion hat Jenzer sogar dazu aufgefordert, Einsprache einzureichen, damit eine saubere juristische Klärung vorgenommen und Rechtssicherheit hergestellt werden kann. Das liess sich Jenzer nicht zweimal sagen: Beim Baselbieter Amt für Lebensmittelsicherheit hat er bereits Beschwerde eingereicht.

Nun stösst Schneeberger auf politischem Weg nach. «Wie kann unbürokratisch und schnell eine Lösung gefunden werden, damit die Doppeletikettierung zum Standard wird?», will sie vom Bundesrat wissen. Denn heute behindere die Bürokratie den Klimaschutz, fördere Food Waste und belaste die Bilanz von KMU-Metzgereien unnötig. «Natürlich erwartet frische Ware, wer zum Metzger geht», sagt Schneeberger, «ist sie aber transparent ausgewiesen, verstehe ich das Problem nicht.» Im Lebensmittelbereich gebe es wohl noch einige solche Fälle. Daher soll der Bundesrat nun generell über die Bücher.