Nach einer kleineren Odyssee in den letzten Monaten hat die Biel-Benkemer Hausärztin Erika Preisig eine definitive Lösung gefunden für ihr Sterbehilfezimmer – neben der Kindertagesklinik an der Oristalstrasse in Liestal. Ende Mai hat sie vom Kanton die definitive Bewilligung erhalten, bereits zwei Monate zuvor hat sie nach Rücksprache mit dem Liestaler Stadtrat die Sterbebegleitung am neuen Ort aufgenommen.

Denn Preisig geriet in eine Notsituation: Das Basler Bauinspektorat entzog ihr nach vier Jahren die Bewilligung für die Sterbebegleitung – Preisig spricht von Freitodbegleitung – in ihrem Elternhaus an der Hegenheimerstrasse auf Ende Februar, weil sich Anwohner beschwert hatten.

Unabhängig davon, was die Anwohner tatsächlich mitbekommen, stelle schon allein das Wissen, dass nebenan Sterbebegleitungen stattfänden, eine psychische Belastung dar, begründete das Bauinspektorat gemäss «Schweiz am Sonntag» seinen Entscheid. Es verglich die Sterbehilfe mit Sexbetrieben; beide könnten negative ideelle Immissionen verursachen.

Sterben neben Maria geht nicht

Preisig kaufte einen Campingbus, um darauf auszuweichen, kam aber nach negativen Reaktionen in den Medien wieder davon ab. Einige von ihren Patienten hätten ihr dann Gästezimmer für die Sterbebegleitung zur Verfügung gestellt, erzählt Preisig. Doch mehr als zwei Freitodbegleitungen seien am selben Ort nicht möglich, weil sie sonst als gewerbsmässig gälten und eine Bewilligung bräuchten. Als in der zweiten März-Hälfte ein Engpass drohte, wollte sie ihren Campingbus in einer von einem Unternehmer zur Verfügung gestellten Halle in Biel-Benken nutzen.

Aber weil die Halle auch von einem Steinmetz mitbenutzt wurde, hätte sie die Sterbebegleitung inmitten von Grabsteinen und einer Maria-Figur mit Jesuskind im Arm vornehmen müssen – und das konnte sie schlicht nicht. Deshalb war Preisig mehr als froh, dass sie vorzeitig nach Liestal ausweichen konnte. Doch auch in der dortigen Gewerbezone herrschte nicht nur eitel Freude. Die Einsprache der Kindertagesklinik habe man aber im Gespräch bereinigen können.

Preisigs Stiftung Eternal Spirit gewährt ausschliesslich Mitgliedern von Lifecircle, einem ebenfalls von ihr präsidiertem Verein, Sterbehilfe. Denn dieser habe das Ziel, alles auszuschöpfen für ein würdevolles Leben, bevor jemand den Antrag auf Sterbehilfe stellen könne. Preisig: «Das Leben ist ein einmaliges Geschenk, das man nicht zu früh wegwerfen darf.»

Preisig leistet rund 80 Sterbebegleitungen pro Jahr, davon je ein Drittel an Krebskranke, an Leute mit neurologischen Beeinträchtigungen wie MS oder Parkinson und an solche mit degenerativen, von starken Schmerzen begleiteten Krankheiten an Rücken oder Gelenken.

Drei Viertel der Sterbewilligen kommen aus dem Ausland. Diese können nicht wie Schweizer in ihrer Wohnung oder – zunehmend akzeptierter – im Pflegeheim in den Tod begleitet werden. Deshalb ist Preisig auf ein Sterbezimmer in der Gewerbezone angewiesen.

Exit, die zweite Organisation, die im Baselbiet ein Sterbezimmer anbietet, betreibt dieses in Binningen in der Zentrumszone, wo Wohnen und mässig störende Betriebe zulässig sind. Exit hat vom Bauinspektorat denn auch die Auflage bekommen, höchstens acht Personen pro Jahr Sterbehilfe zu gewähren. Bauinspektor Andreas Weis sagt: «Bei Sterbezimmern müssen wir wegen der ideellen Immissionen betreffend Zonenkonformität jeden Fall einzeln betrachten.» Die Sterbebegleitung kostet bei Preisig für einen Schweizer 4000, für einen Ausländer 10'000 Franken.