Therwil

Aus der Not eine Tugend: Ein Bettag für alle Weltreligionen

Jedes einzelne der bunten Plakate sieht anders aus. Heute werden sie in ganz Therwil angebracht.

Jedes einzelne der bunten Plakate sieht anders aus. Heute werden sie in ganz Therwil angebracht.

In Therwil sorgt eine ungewöhnliche Plakataktion im Hinblick auf den kommenden Sonntag für Aufsehen. Wegen der Coronapandemie kann der eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag nicht gefeiert werden.

Eigentlich wäre in Therwil für den nächsten Sonntag ein grosser Gottesdienst geplant gewesen, denn an diesem Tag wird der eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag gefeiert. Wegen der Coronapandemie gingen die Veranstalterinnen aber schon seit längerem davon aus, dass der Anlass nicht stattfinden kann. Deshalb haben die römisch-katholische Gemeindeleiterin Elke Kreiselmeyer, die reformierte Pfarrerin Lea Meier und die christkatholische Pfarrerin Liza Zellmeyer beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen. Sie planten eine bunte Plakataktion, die ab Montag im ganzen Dorf sichtbar sein wird.

Für das Konzept setzten sich Vertreterinnen der drei Landeskirchen aus Therwil von neuem mit den Ursprüngen des Feiertags auseinander: Der Bettag ist ein staatlich verordneter Feiertag in der Schweiz. Ursprünglich, um den Frieden zwischen römisch-katholischen und reformierten Kantonen zu fördern.

Da heute in der Schweiz viele Religionsgemeinschaften und Menschen, die sich keiner Religion zuordnen, zusammenleben, haben die Kirchen in Therwil beschlossen, diese Vielfalt visuell darzustellen. Ausserdem wollen sie die staatliche Komponente, die diesen Feiertag ursprünglich kreiert hat, wieder mehr in den Vordergrund rücken. Für die Plakatgestaltung liessen sie sich von den Spektralfarben inspirieren. «So wie das Sonnenlicht sichtbare Spektralfarben hat, sind die weltanschaulichen Gemeinschaften der Schweiz in ihrer Vielfarbigkeit Zeugnis für das eine Licht», schreiben die drei Vertreterinnen in der Medienmitteilung.

Ein wertschätzender Satz für andere Religionen

Kreiselmeyer, Meier und Zellmeyer setzten auf das Motto «Ja zur Vielfalt. Ja zum säkularen Staat». Deshalb baten sie Angehörige unterschiedlicher weltanschaulicher Gruppierungen, zu formulieren, was sie an einer anderen Gemeinschaft fasziniert. Diese Sätze druckten sie dann auf die bunten Plakate. Den Entwürfen ist zu entnehmen, dass dieser Aufforderung sehr rege nachgegangen wurde.

So ist beispielsweise ein Zitat von Mustafa Memeti, dem Imam und Leiter des Muslimischen Vereins Bern zu lesen: «Bei meinen bisherigen Begegnungen mit unseren jüdischen Mitmenschen durfte ich immer wieder feststellen, wie einfach ihnen die Integration in eine Gesellschaft fällt. Mich erstaunte ausserdem ihre kosmopolitische Denkweise und ihr unermüdliches Streben nach Rationalität.» Das Projekt wird ideell und finanziell von der Gemeinde Therwil unterstützt.

Die Vertreterinnen der drei Landeskirchen rufen dazu auf, am kommenden Sonntag, dem eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag, einen Spaziergang durch das Dorf zu machen und über säkulare und religiöse Vorstellungen nachzudenken und die gegenseitige Wertschätzung andersdenkender Gemeinschaften zu entdecken.

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