Sportbar

Aus der schummrigen Sportbar wird ein Bijou

Er hat sich einen Bubentraum erfüllt: Nicolas Manzi in der Farnsburg-Gaststube mit den überraschenden Deckenmalereien. Kenneth Nars

Er hat sich einen Bubentraum erfüllt: Nicolas Manzi in der Farnsburg-Gaststube mit den überraschenden Deckenmalereien. Kenneth Nars

Im November eröffnet das innen völlig erneuerte Restaurant Farnsburg Liestal. Besitzer Nicolas Manzi hat aus der düsteren Kneipe eine einladende Gaststube gemacht. Der bz hat er exklusiv einen Einblick gewährt.

Manch ein Passant staunte, als Arbeiter wochenlang Pflastersteine zurechthämmerten und damit den Vorplatz vor der Farnsburg am untern Eingang ins Liestaler Stedtli kunstvoll auslegten. Und manch einer fragte sich, wie es nach der monatelangen Renovation erst im Innern aussehen muss, wenn schon davor ein solcher Aufwand betrieben wird. Doch ein Blick ins Innenleben blieb wegen der abgedunkelten Fenster versagt. Jetzt hat Nicolas Manzi (57), seit bald drei Jahren Besitzer der Farnsburg, den Schleier für die bz gelüftet und dabei den erhofften Effekt erzielt.

Mythologie prägt Gaststube

Denn Manzi sagt: «Ich habe mein Ziel erreicht, wenn den Leuten beim Eintreten nicht nur ein ‹schön›, sondern ein ‹wow› entfährt.» Unser Überraschungsruf gilt dem Wandel: Aus der einst schummrigen Sportbar ist eine völlig neue, helle und einladende Gaststube aus edlen Materialien und mit drei grossen Deckenmalereien mit Motiven aus der griechischen Mythologie geworden.

Und die aufgefrischte Holzwerkbank aus Grossvaterzeiten an prominenter Stelle ist nicht etwa ein vergessenes Handwerkerutensil, sondern Symbol für Manzis Gastronomiekonzept: Hier schneidet das Servicepersonal in wenigen Wochen – das Restaurant Farnsburg Liestal soll voraussichtlich in der zweiten Novemberhälfte eröffnet werden – ganz nach des Gastes Wunsch bei kleinerem Hunger frisch Käse, Schinken und anderes mehr.

Manzi: «Der Kunde ist nicht auf die Speisekarte mit mediterranen Gerichten beschränkt, sondern kann nach Lust und Laune auswählen. Das auch beim Wein, bei dem er auch von den edlen Tropfen nicht die ganze Flasche bestellen muss. Das ist Piemont und Toskana von der besten Seite.» Überraschen will Manzi seine Gäste auch einen Stock tiefer in der neuen Bar oder im Konzert- und Festsaal im ersten Stock, so etwa mit Live-Jazz. Und überall fällt auf: Hier wurde bei der Renovation nicht gegeizt. Dafür geizt Manzi mit Zahlen. Er sagt nur: «Das Ganze war eine rechte Investition.» Und er erwartet frühestens in zwei Jahren schwarze Zahlen.

Ein Bubentraum erfüllt

Das hängt auch mit dem Konzept zusammen: Manzi will die Farnsburg nicht mehr verpachten, «weil ein Pächter nur aufs Geld schaut und das Haus in zehn Jahren wieder zur Ruine macht». Er trete deshalb selber «auf den Spielplatz» und führe das Restaurant wie einen Fussballclub mit einem Trainer, dem er eine professionelle Mannschaft zur Verfügung stelle. Der Trainer ist ein Kadermann von der Mövenpick-Kette.

Mit der Farnsburg erfüllt sich Manzi einen Bubentraum: «Die Farnsburg gefiel mir schon als Kind, weil sie für mich ein verschlafenes Dornröschen-Schlösschen war», sagt der Hobby-Dichter mit der Tellerwäscher-Karriere. Denn er wuchs in ärmlichen Verhältnissen als Sohn eingewanderter Italiener auf, machte eine Coiffeurlehre, arbeitete sich zum Szenen-Star hoch, wechselte in die Architekturbranche, arbeitete sich auch dort «just by doing» hoch und verdient heute sein Geld in erster Linie mit dem Bau von Radiologie-Zentren. Haus und Hausherr sind also ähnlich illuster, und Liestal darf sich nach dem kürzlich eröffneten Kulturhotel Guggenheim über den zweiten Farbtupfer in unmittelbarer Stedtlinähe freuen.

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