Öffentlicher Verkehr

Ausbau statt Sparmassnahmen: Der Baselbieter ÖV wird umgekrempelt

Das ÖV-Angebot in Pratteln wird angepasst. Unter anderem auf Grund der geplanten Verlängerung der Tramlinie 14 bis Augst.

Das ÖV-Angebot in Pratteln wird angepasst. Unter anderem auf Grund der geplanten Verlängerung der Tramlinie 14 bis Augst.

In den kommenden Jahren soll der öffentliche Verkehr im Baselbiet umgekrempelt werden. Davon besonders betroffen ist das Nachtnetz. Denn wird bis 2023 schrittweise verschwinden.

Alle vier Jahre wird der generelle Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr im Kanton Baselland erneuert. Seit zwei Tagen ist derjenige für die Jahre 2022 bis 2025 nun in der Vernehmlassung – und anstelle von Sparmassnahmen, wie sie in den letzten beiden Leistungsaufträgen hauptsächlich zu finden waren, wird der öffentliche Verkehr im Baselbiet dieses Mal ausgebaut. Das steigert die jährlichen Kosten bis 2025 im Vergleich zu 2021 um 13 auf 59 Millionen.

Das Nachtnetz wird abgeschafft

Besonders Partygänger dürfte die Anpassung des Nachtnetzes interessieren. Dieses wird abgeschafft. Stattdessen werden die Linien des Tagesnetzes künftig auch die Nacht hindurch unterwegs sein. Wie der Medienmitteilung der Bau- und Umweltschutzdirektion zu entnehmen ist, entspricht das 2008 eingeführte Nachtnetz nicht mehr den aktuellen Anforderungen und wurde deshalb grundlegend überarbeitet. «Die Nachfrage in der Nacht ist oft höher als zu gewissen Tageszeiten», erklärt Verkehrsplaner Dominic Wyler.

Dass für die Nachtfahrten ein separates Netz kommuniziert und gepflegt werden muss, macht jedoch – besonders seit der Abschaffung des Nachtzuschlags von 2012 – wenig Sinn. Das Nachtnetz wird deshalb von 2021 bis Ende 2023 schrittweise verschwinden. «Stattdessen verkehren die S-Bahn, Tram und Buslinien an den Wochenenden zusätzlich auch in den Wochenendnächten», so Wyler. Insgesamt werden zwei Bahn-, neun Tram- und 29 Buslinien des Tagesnetzes auch während der Nacht fahren. Dabei bleibt es, wie beim aktuellen Nachtnetz, beim Stundentakt.

Mehrere Veränderungen in Pratteln

Die zweite grössere Veränderung betrifft die Region Pratteln. Dort soll das ÖV-Angebot im Hinblick auf die Entwicklung im Gebiet Salina Raurica, die Verlegung der Rheinstrasse sowie die geplante Verlängerung der Tramlinie 14 bis Augst angepasst werden. Konkret wird die heutige Linie 83 auf den Abschnitt zwischen Rankacker und Kaiseraugst verkürzt, und in den Hauptverkehrszeiten zum 15-Minuten-Takt verdichtet. In Giebenach, Arisdorf und Hersberg hält künftig die neue Linie 74 (Liestal–Arisdorf–Kaiseraugst–Augst) im Halbstundentakt. Die Anschlüsse sind auf die S1 in Kaiseraugst ausgerichtet, wodurch sich die Reisezeit Arisdorf–Basel um rund zehn Minuten verkürzt. Die Linie 84 fährt neu ab Rheinfelden bis Augst statt nur bis Kaiseraugst. Dort entstehen Anschlüsse an die Linie 81 nach Basel und Liestal. Auch das Angebot der Linien 80, 81, 84 und 85 wird verdichtet.

Im mittleren Ergolztal wird das ÖV-Angebot ebenfalls weiterentwickelt. Ab Ende 2022 wird die Linie 76 (Lausen–Liestal) via Munzach nach Frenkendorf verlängert und in den Hauptverkehrszeiten verdichtet. Weiter wird die Linie 78 neu via Fraumattquartier geführt.

Weiter geplant ist die zeitweise Verlängerung der Buslinie 46 (Kleinhüningen–Badischer Bahnhof) via St. Jakob bis Muttenz sowie die Verdichtung zum 7,5-Minuten-Takt der Linie 47 (Bottmingen–Dreispitz–Muttenz). Wegen Bauvorhaben im Bachgraben wird die Linie in den Hauptverkehrszeiten bis Bahnhof St. Johann verlängert.

Buslinie zwischen Muttenz und Dornach verschwindet

Neben den Weiterentwicklungen ist der Medienmitteilung jedoch auch eine negative Meldung zu entnehmen: Die Linie 63 (Dornach-Muttenz) wird gestrichen. «Die Linie 63 weist im stärkst belasteten Teilstück der Linie aktuell durchschnittlich sieben Fahrgäste pro Kurs auf», so Wyler. «Zum Vergleich: Die Sitzplatzkapazität eines Standardbusses liegt bei 30-35 Plätzen.» Wegen der geringen Nachfrage seien durch Ticketeinnahmen lediglich 22 Prozent der Kosten gedeckt worden. «Die übrigen 78 Prozent werden von der öffentlichen Hand finanziert.»

Der Leistungsauftrag, der mit dem ÖV-Programm von Basel-Stadt abgeglichen wurde, muss noch vom Landrat genehmigt werden.

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