Der Kanton Baselland hat sich rauchfreie Spielplätze zum Ziel gesetzt. Selber verbieten kann er das Rauchen auf den Arealen nicht – das ist Sache der Gemeinde. Stattdessen versuchen es jetzt kantonale Stellen mit sanftem Druck.

Die Abteilung Gesundheitsförderung des Amts für Gesundheit will die Gemeinden dazu bewegen, die Spielplätze so zu gestalten, dass die Nutzerinnen und Nutzer nicht mehr zur Zigarette greifen. Das Projekt ist in Ausarbeitung, schreibt die Abteilung Gesundheitsförderung. Nach den Sommerferien würden erste Gemeinden kontaktiert.

Raucher als «falsches Vorbild»

Ganz neu sind solche Verbote nicht. Im Baselbiet haben etwa Liestal und Pratteln bei Spielplätzen das Rauchen untersagt. Die Stadt Chur schloss die Rauchenden bereits 2008 von den Spielplätzen aus, ebenso Lugano. Diesen Beispielen folgen will Dietikon (Kanton Zürich): Ein Verbot ist in Arbeit. Frankreich sorgte bereits 2015 im ganzen Land für frische Luft auf öffentlichen Freiflächen, auf denen Kinder spielen; in Deutschland gingen mehrere Bundesländer und einige Städte wie Berlin und Stuttgart voran.

In Basel hingegen darf zwischen Schaukel, Rutschbahn und Holzhäuschen weiterhin gepafft werden. Ein Verbot sei keines vorgesehen, sagt Christiane Dannenberger, stellvertretende Leiterin der Stadtgärtnerei Basel-Stadt.

Grundlage des Projektes im Landkanton ist eine Bachelorarbeit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Lisa Rüegg hat für ihre Bachelorarbeit im Studiengang Gesundheitsförderung und Prävention 23 Spielplätze in neun Baselbieter Gemeinden untersucht. Dafür arbeitete die Studentin unter anderem mit dem Amt für Gesundheit und der Lungenliga zusammen. «Es gibt mehrere Komponenten, warum Rauchen auf Spielplätzen problematisch ist», sagt Rüegg auf Anfrage der bz.

«Da wäre einmal die Vergiftungsgefahr. Gerade Kleinkinder können Zigarettenstummel vom Boden auflesen und verschlucken. Es geht aber auch um den Schutz vor Rauch.» Es sei erwiesen, dass Passivrauchen auch unter freiem Himmel schädlich sein könne. Kinder, die Rauch ausgesetzt seien, würden häufiger krank. Ebenso seien sie nicht gleich gut entwickelt wie ihre Altersgenossen, die rauchfrei aufwüchsen. Nicht zuletzt sollten Erwachsene eine Vorbildfunktion einnehmen, sagt Rüegg: «Je später Kinder mit Zigaretten und anderen Rauchwaren konfrontiert werden, desto tiefer ist ihr Risiko, einmal selber zur Zigarette zu greifen.»

Rüegg betont, es gehe nicht vorrangig darum, die Raucherinnen und Raucher zu vergraulen und zu vertreiben. Im Fokus stünden Prävention und Aufklärung. «Wir wollen die rauchenden Besucherinnen und Besucher der Spielplätze überzeugen, dass es halt doch besser wäre, an diesem speziellen Ort auf die Zigarette zu verzichten.»

Bei den Bahnhöfen harzt es

Noch bleiben rauchende Mamis und Papis und andere paffende Spielplatzbesucher in Basel unbehelligt. Das dürfte auch noch ein Weilchen so bleiben. Laut Christiane Dannenberger sei das Bedürfnis nach Rauchverboten bislang noch nicht an die Stadtgärtnerei herangetragen worden. «Falls das einem Wunsch entspricht, würden wir das Anliegen selbstverständlich prüfen.» Die Durchsetzung des Verbots stelle sie sich jedoch «nicht ganz einfach» vor. Diese Bedenken teilt auch Lisa Rüegg. «Wir setzen auf das Einsehen und die Vernunft der Raucherinnen und Raucher.»

Beim Rauchverbot auf Bahnarealen nahm Basel eine Pionierrolle ein. Der Bahnhof SBB wurde Ende 2017 als einer der ersten im Land rauchfrei, mit Ausnahme von gekennzeichneten Raucherzonen. Der Verband öffentlicher Verkehr kündigte an, per 1. Juni würden die Glimmstängel aus allen Schweizer Bahnhöfen verbannt. Dieser Termin kann aber nicht eingehalten werden. Der Verband schreibt, die Umsetzung sei voraussichtlich erst Mitte 2020 abgeschlossen.