Arbeitnehmer

Ausländische Arbeitskräfte: Angestellt und allein gelassen

Viele ausländische Arbeitskräfte sind einsam (Symbolbild)

Viele ausländische Arbeitskräfte sind einsam (Symbolbild)

Angehörige von hoch qualifizierten ausländischen Arbeitskräften in der Region kämpfen um Integration. Dieser Kampf gegen die Einsamkeit ist hart und kann bis zu schweren Depressionen führen.

Trotz Skype und Facebook - Partnerinnen und Partner von Expats fühlen sich manchmal ganz schön allein. Auch in der Region Basel, wo rund 36 000 Expats leben. «Es fehlen ihnen die sozialen Kontakte und ein Stück weit auch der Lebenssinn», sagt Psychologin Marcella Ramelli. Das könne bis zu einer Depression führen.

Ein Götti für den Fussballmatch

«Da ist einerseits der Identitätsverlust. Zu Hause sind die Partner von Expats berufstätig. Im Ausland haben sie dagegen Mühe, einen Job zu finden. Sie können die Sprache nicht. Und dazu kommt der Kulturschock, der oft als eigenes Versagen wahrgenommen wird», erklärt Kathy Hartmann-Campbell. Sie kennt das Gefühl aus eigener Erfahrung nur zu gut. Als sie vor 30 Jahren in die Schweiz zog, erging es ihr gleich. «Die Isolation ist das Allerschlimmste», sagt sie heute. Die Erinnerung an ihre Probleme treibt Hartmann-Campbell bei ihrer heutigen Tätigkeit an. Sie ist Kommunikations-Coach mit privaten Klienten oder im Auftrag von Firmen wie Novartis und Roche. Daneben ist sie in der nichtkommerziellen Organisation «BaselConnect» tätig.

Das neueste Projekt startete Anfang Jahr: ein Götti-System. An bisher vier Treffen konnten sich langjährige Expats, Neuankömmlinge und Einheimische kennen lernen. Bereits hätten sich kleine Gruppen zusammengetan, die jetzt gemeinsam Deutsch lernen, sich von Baslern die Stadt und Region zeigen lassen oder kulturelle und sportliche Anlässe besuchen, sagt Hartmann-Campbell. Voraussichtlich im Herbst könnten weitere Treffen stattfinden, schon im Juni wird ein entsprechender Verein gegründet.

Rund ein Jahr ist es her, seit die Kantone Basel-Stadt und Baselland eine Studie zur Thematik veröffentlichten. Aufgrund der Empfehlungen darin habe sich schon Einiges verbessert, sagt Daniel Wiener, Mitverfasser der Studie. Als Beispiel nennt er die Gymnasien, die seit 2011 eine weltweit anerkannte Matura anbieten. «So besuchen mehr Kinder von Expats die staatlichen Schulen. Das entlastet nicht nur das Budget der Expats, sondern hilft bei der Integration», sagt Wiener. Im Bereich Schule sieht Psychologin Ramelli noch weitere Verbesserungsmöglichkeiten. Sinnvoll könnte etwa eine nähere Zusammenarbeit zwischen staatlichen Schulen und internationalen Privatschulen sein.

Immer mehr Expats

Wiener und Hartmann-Campbell sind zudem der Meinung, dass Vereins- und Freiwilligenarbeit einen wichtigen Part bei der Integration von Expats übernehmen könnte. «Viele von ihnen wären froh, wenn sie beispielsweise in einem Vereinsvorstand mitwirken könnten», sagt Wiener. Das gebe ihnen einen Lebenssinn und einen gesellschaftlichen Anknüpfungspunkt.

Die Integration des Expats werde immer wichtiger - auch, weil Studien einen weiteren Zuwachs prophezeien. Und, weil die Expats immer länger in der Region bleiben. Laut der Studie von 2011 bleiben rund zwei Drittel der Expats länger als vier Jahre. Integration und Akzeptanz seien unerlässlich, sagt Wiener.

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