Bei der Kehrichtbeseitigung Laufental-Schwarzbubenland AG (Kelsag) ist man stolz. Seit dem 1. Juli wird der Abfall im gesamten Kelsag-Verbreitungsgebiet mit Elektrofahrzeugen eingesammelt. Gemäss Mitteilung handelt es sich bei den 32 Kelsag-Gemeinden schweizweit um «die grösste Region, in der elektrisch angetriebene Müllwagen fahren». Die Umstellung auf Elektrofahrzeuge darf also durchaus als Pionierprojekt der Kelsag bezeichnet werden.

Die Wahl des Betriebs, der den Kehricht für die Kelsag seit kurzem mit Elektrofahrzeugen auflädt, überrascht. Den Zuschlag hat nicht die bisherige Anbieterin, die Arbeitsgemeinschaft H. Vogelsanger AG und Autogesellschaft Sissach-Eptingen AG erhalten. Diese hatte den Abfall in den 32 Gemeinden im Laufental und Schwarzbubenland in den vergangenen zweieinhalb Jahren aufgesammelt. Zum Handkuss gekommen ist eine alte Bekannte der Kelsag: Die Arbeitsgemeinschaft TIT Imhof AG und Bieli Transport AG.

Zwei Kehrichtfahrzeuge und ein Hakenfahrzeug

Die Firma, die bereits früher jahrelang den Kehricht für die Kelsag transportiert hatte, ging aus einer Submission als Siegerin hervor. Der Zuschlagsentscheid, der dieser Zeitung vorliegt, hinterlässt einen faden Nachgeschmack. Wie die «Schweiz am Wochenende» weiss, erhielt ein Anbieter mit auftragsrelevanten Fahrzeugen den Auftrag nicht. Das unterlegene Unternehmen schickte drei Kehrichtfahrzeuge ins Rennen: zwei elektrische und einen Diesel.

Ausserdem war – das geht aus dem Zuschlagsentscheid hervor – das genannte Angebot eine knappe halbe Million Franken günstiger als dasjenige der Arbeitsgemeinschaft TIT Imhof AG und Bieli Transport AG. Die Ausschreibungssiegerin besitzt zwar drei Elektrofahrzeuge, von denen jedoch nur zwei für das Einsammeln von Kehricht verwendet werden können. Kelsag-Geschäftsführer Edmund Frey-Kuron bestätigt, dass bei der Kelsag zwei Elektrokehrichtfahrzeuge und ein Elektrohakenfahrzeug im Einsatz stehen. Letzteres dient dazu, Container und Mulden aufzuladen.

Preis und Umwelt entschieden über Sieg

Frey-Kuron begründet den Zuschlag für die Arbeitsgemeinschaft TIT Imhof AG und Bieli Transport AG wie folgt: «Die Kriterien der Submission waren einerseits preis- und andererseits umweltrelevant.» Der Preis wurde mit 45 Prozent, die Umwelt mit 45 Prozent und die Erfahrung mit 10 Prozent gewichtet.

«In der Summe aller gewichteten Punkte obsiegte, trotz höherem Preis, die Arbeitsgemeinschaft TIT Imhof AG und Bieli Transport AG.» Man gehe nicht davon aus, dass sich die im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen rund doppelt so hohen Anschaffungskosten für Elektrofahrzeuge in einer kurzfristigen Erhöhung der Sackgebühren niederschlagen werde.

Schon früher gab es Unstimmigkeiten

Dass ausgerechnet die Arbeitsgemeinschaft TIT Imhof AG und Bieli Transport AG den Zuschlag der Kelsag erhielt, erstaunt auch aus anderen Gründen. Noch vor kurzem war das Verhältnis der beiden Unternehmen nicht das allerbeste. Firmengründer Urs Bieli, der seinen Laufner Betrieb an die Thurgauer TIT Imhof AG verkauft hat, focht einen Privatkrieg mit dem Kelsag-Verwaltungsratspräsidenten Germann Wiggli aus. Die Auseinandersetzungen führten die beiden bis vor Gericht.

Auslöser für die Streitigkeiten war ebenfalls eine Submission der Kelsag für den Transport des Abfalls. Ein Kriterium der Ausschreibung war damals, ob die Anbieter bereit wären, einen Teil der Zahlungen der Kelsag in der Parallel-Währung «WIR-Geld» anzunehmen. Hätten sie das bejaht, wäre die Gesamtbewertung besser ausgefallen. Urs Bieli warf Germann Wiggli, der damals gleichzeitig als CEO der WIR-Bank tätig war, öffentlich Filz vor. Bielis Transportunternehmen ging ein lukrativer Auftrag verloren.

Bei den nachfolgenden Submissionen verzichtete die Kelsag zwar auf das kritisierte WIR-Kriterium. Unstimmigkeiten ruft jedoch auch die aktuelle Ausschreibung hervor.