Liestal

Bad Schauenburg soll neuer Standort des Novartis-Ausbildungszentrums werden

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Novartis-Schweiz-Chef Pascal Brenneisen bestätigt, dass das idyllisch gelegene Tagungszentrum in Bad Schauenburg als möglicher Standort für ein Novartis-Ausbildungszentrum für Führungskräfte evaluiert wird. Die Liegenschaft gehört bereits dem Konzern

Es war das Wunschprojekt von Novartis-Ex-Chef Daniel Vasella: Für rund 100 Millionen Franken wollte er just neben seiner Villa in Risch am Zugersee ein «Corporate Learning Center» nach Plänen des Basler Stararchitekten Peter Zumthor bauen lassen. Trotz Protesten aus der Bevölkerung gegen den Bau in idyllischen Seeufer-Landschaften. Jörg Reinhardt, Vasellas Nachfolger als Novartis-Präsident, hat das ehrgeizige Projekt 2013 aus Kostengründen gestoppt. Der Deutsche hat sich gleich selbst auf die Suche nach einem günstigeren Ausbildungszentrum gemacht, das näher beim Hauptsitz in Basel liegt.

Reinhardt ist im Novartis-Immobilien-Portefeuille fündig geworden. Letztes Jahr hat er persönlich das Liestaler Hotel-Restaurant und Tagungszentrum Bad Schauenburg besucht und auf seine Eignung überprüft. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» bestätigt Novartis-Schweiz-Chef Pascal Brenneisen, dass das idyllisch gelegene Tagungszentrum als möglicher Standort für ein Novartis-Ausbildungszentrum für Führungskräfte evaluiert werde. Eine Renovation der Liegenschaften sei so oder so im Gespräch, sagt Brenneisen. Grosser Vorteil der Bad Schauenburg ist, dass sie bereits zum Novartis-Konzern gehört. Die ehemalige J.R. Geigy AG hatte den Badebetrieb 1958 gekauft, um dort Villen für das Direktionskader bauen zu lassen. Die Gemeinde Liestal liess dies jedoch nicht zu und wies das Gebiet in eine Spezialzone. Geigy baute die Anlage danach schrittweise zu einem Erholungs- und Tagungshotel aus.

Alfred Häring, Direktor und Pächter der Bad Schauenburg seit über 30 Jahren, steht den Evaluationsplänen von Novartis positiv gegenüber. Es wäre auch noch Land vorhanden, um das Zentrum auszubauen, wenn dies die Gemeinde bewillige. Da seine Tochter Stéphanie Häring seit 2008 als stellvertretende Direktorin fungiert, wäre auch für Kontinuität gesorgt.

Das Beispiel zeigt, dass mit Reinhardt bei Novartis eine neue Bescheidenheit eingekehrt ist. Grösse ist nicht mehr prioritär. Es gilt, den realen Bedarf an Ausbildungen für das Führungskader auszuloten. Je nachdem eignet sich dafür ein kleines Zentrum wie Bad Schauenburg. Das Liestaler Hotel ist ein beliebter Tagungsort. So nutzt die Basler Regierung den Ort gern für Klausurtagungen. Moritz Suter verhandelte dort mit der Crossair-Pilotengewerkschaft. Im Jahr 1969 wurden im Bad Schauenburg sogar die letzten Entscheide für eine Fusion der Pharmakonzerne Ciba und Geigy gefällt, die sich dann 1996 mit Sandoz zu Novartis vereinigten. Wie die nächste Zukunft aussieht, wird sich laut Direktor Häring zeigen, wenn Novartis den Grundsatzentscheid über das Ausbildungszentrum gefällt hat. Nach Informationen der «Schweiz am Sonntag» haben sich andere Hotels der Region als Standort für das Novartis-Zentrum beworben.

Wenn Novartis Liestal den Segen gibt, handelt es sich um einen geschichtsträchtigen Ort. Unterhalb des Burghügels der alten Schauenburg, die beim Basler Erdbeben von 1356 zerstört wurde, hatten Baselbieter Adlige 1465 ein Kloster gestiftet. Später gehörte das Landgut den Edlen von Schauenburg. 1649 wurde ein Bad eingerichtet. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Hotel teils als Unterkunft für die Armee und für orthodoxe Juden. Allerdings liegt auf diesem Ort auch ein Fluch: So soll der Ritter von Madlen, so die Sage, vor Unwettern als Gespenst mit seinem Schimmel und seinen bellenden Hunden durch den nahen Wald reiten und auf seinem Jagdhorn blasen. Der Ritter hatte den Edlen von Schauenburg auf der Jagd erschlagen, was ihm seit seinem Tod keine Ruhe finden lässt.

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