Dass der Quartierplan Bahnhofcorso (QP) mit neuem Bahnhof und SBB-Hochhaus Liestal bewegt wie kein anderer von den vielen zuvor, wurde am Mittwochabend im Einwohnerrat mehr als deutlich. Obwohl der Rat materiell den QP nur an seine Bau- und Planungskommission (BPK) überwies, äusserten sich alle Fraktionen grundsätzlich zur Bedeutung der Bahnhofplanung.

So sprach Patrick Mägli (SP) von einem «wichtigen Meilenstein» und «einer einmaligen Chance». Zum Pièce de Résistance, dem SBB-Hochhaus, sagte Mägli: «Liestal verträgt ein Hochhaus und es ist gut an diesem zentralen Ort.» Ganz ähnlich äusserte sich auch Anna Ott (Grüne), während es aus dem Munde von Claudio Wyss (CVP) etwas gedämpfter tönte: «Hochhäuser werden unser Stadtbild verändern. Wir müssen uns im Sinne der Verdichtung daran gewöhnen.» Hanspeter Meyer (SVP) zeigte sich erfreut über die Vorlage. Es gebe viel Nachholbedarf beim Bahnhof, aber auch viele Fragen.

Eindringlich appellierte Pascal Porchet (FDP) an den Rat, beim Geschäft in die Tiefe zu gehen und sich nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen. Porchet: «Wir müssen die Votanten für ein Referendum in die BPK einladen und wir dürfen keinen Entscheid fällen, den die Bevölkerung nicht versteht.» Man müsse mit Bauprofilen das Vorhaben aufzeigen, damit man sich das Volumen vorstellen könne. Vielleicht brauche es auch eine ausserordentliche Einwohnerratssitzung für die Behandlung des QP Bahnhofcorso, so Porchet.

«Grammet» geht schlank durch

Stadtrat Franz Kaufmann (SP) machte, was er sonst noch nie gemacht hatte: Er projizierte vor der Debatte Bilder über die ganze Bahnentwicklung in Liestal ab Mitte des 19. Jahrhunderts in den Saal. Zur Vorlage sagte er: «Dieser QP ist ein Gesamtpaket und kein Wunschkonzert, bei dem man sagen kann, das gefällt mir, aber das will ich nicht, das ist mir zu hoch.» Neben der Bahnhofplanung verblasste selbst der bisher grösste Quartierplan Grammet mit seinen 168 Wohnungen, der im Dezember bei der ersten Lesung noch für Kritik sorgte. Am Mittwoch verabschiedete ihn der Rat in zweiter Lesung still und einstimmig.

Im Weitern überwies der Rat mit grossen Mehrheiten zwei Postulate an den Stadtrat, die mit Liestals Wachstum zusammenhängen: Er wünscht sich ein Parkraumkonzept und eine bessere Buserschliessung von verschiedenen Quartieren. Wobei bei den Parkplätzen die Meinungen wie eh und je in Liestal auseinandergehen. Postulant Thomas Eugster (FDP) etwa will wissen, wie der Stadtrat wegfallende Parkplätze wie auf dem Konrad-Peter-Areal kompensieren will, während für Anna Ott feststeht, dass durch jeden neuen unterirdischen Parkplatz ein oberirdischer aufgehoben werden muss.

Nur knapp überwies das Parlament auch ein Postulat zur Optimierung des Busbetriebs während der Zeit, da die Waldenburgerbahn umgebaut wird. Die Bürgerlichen sahen in dem Vorstoss eine Rückenstärkung für den Stadtrat, die Links-Grünen eine unnötige Beschäftigung der Verwaltung, weil der Stadtrat bereits mit Kanton und BLT zusammenarbeitet.