Bottmingen

Banges Warten auf die Ambulanz – dabei stünde eine in Sichtweite

Die Sanität Basel rückt auch zu Einsätzen in den angrenzenden Baselbieter Gemeinden aus.

Die Sanität Basel rückt auch zu Einsätzen in den angrenzenden Baselbieter Gemeinden aus.

Die Rentnerin erlitt nur wenige hundert Meter vom Bruderholzspital auf Bottminger Boden einen Kollaps. Doch geholt wurde sie von der Basler Sanität und in die Stadt ins Spital gefahren.

Marta Blaser* erinnert sich ganz genau an den Vorfall vom Dienstag vergangener Woche: Sie sah eine betagte Frau, die auf dem Stumpf eines abmontierten Billett-Automaten einer Bushaltestelle in Bottmingen sass und sich nicht mehr rührte. «Der geht es aber gar nicht gut», habe sie sich gedacht, erzählt Blaser der bz, und sie angesprochen. «Ich wohne nicht weit», habe diese mit leiser, brüchiger Stimme geantwortet, und: «Es geht dann schon wieder.» Trotzdem rief Blaser die Nummer 144 – eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Die ältere Frau war völlig dehydriert, die Rettungssanitäter nahmen sie zur Beobachtung mit ins Spital.

Die Besatzung der Ambulanz sei äusserst zuvorkommend gewesen, sagt Blaser. Sie hätten die geschwächte Frau «sehr kompetent» behandelt. Was Marta Blaser aber missfiel an jenem Einsatz, war die lange Wartezeit. «Wir befanden uns in Sichtweite des Bruderholzspitals, kaum 500 Meter von diesem entfernt», sagt die Seniorin. «Doch die Sanität rückte aus Basel an, wir mussten sehr lange warten. Das geht doch nicht. Die Notrufzentrale hätte doch den Auftrag an das Bruderholz-Spital weitergeben müssen.» Weil sich mit derartigen Einsätzen Geld verdienen lasse, mutmasst Blaser, habe die Sanität Basel den Auftrag selber erledigen wollen.
Dem widerspricht Martin Schütz, Mediensprecher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements (JSD), dem die Sanität angegliedert ist: «Die Sanität Basel macht derzeit die Sanitätsruf-Entgegennahme für die Bezirke Laufental und Arlesheim, wobei sie in den Gemeinden Allschwil, Schönenbuch, Binningen, Bottmingen, Birsfelden, Muttenz und teilweise Münchenstein die Rettungseinsätze auch ausführt.» Das heisst: Es stand in diesem Fall kein anderer Rettungsdienst zur Wahl, auch nicht ein eigener des Bruderholz-Spitals.

Das Kantonsspital Baselland (KSBL) bestätigt diese Angaben. Der Standort Bruderholz verfüge zwar über ein Ambulanzfahrzeug. «Dieses kommt aber ausschliesslich für Patiententransporte zum Einsatz», sagt Mediensprecherin Anita Kuoni. Der Standort Bruderholz führe keine Rettungsfahrten durch. Für Marta Blaser bleibt aber ein Rätsel, weshalb die Ambulanz «derart lange brauchte», um von der Zentrale der Sanität an der Hebelstrasse nach Bottmingen an den Fiechtweg zu gelangen – trotz Blaulicht und Sirene. Hierzu sagt JSD-Sprecher Martin Schütz, dass die Richtlinie des Interverbands für Rettungswesen für das städtische Gebiet eine Frist von 15 Minuten in 90 Prozent der Notfall-Einsätze vorgebe. «Die Sanität Basel erreicht dies aktuell in 98 Prozent der Notfall-Einsätze.» Das sei eine Spitzenposition. Im besagten Fall aus Bottmingen dauerte es laut Schütz 14 Minuten zwischen Eingang des Notrufs und Eintreffen des Rettungswagens vor Ort.

Nicht in allen Gebieten, in welchen die Sanität Basel die Notrufe entgegen nimmt, führt sie auch selber alle Einsätze aus. Ausser in den engeren Agglomerations-Gemeinden des Bezirks Arlesheim kommen auch Rettungswagen der Firmen Käch und Paramedic zum Einsatz. «Die Sanität Basel», schreibt Schütz, «arbeitet zudem seit langem mit dem Deutschen Roten Kreuz in Lörrach sowie der Sanität Liestal zusammen.» Die Sanität Liestal des KSBL ist für das obere Baselbiet zuständig, dazu gehört auch der Raum Pratteln.

Notrufzentralen werden fusioniert

Vergangene Woche kündigten die Regierungen von Basel-Stadt und Baselland an, die Zusammenlegung der beiden Notrufzentralen Basel und derjenigen des KSBL in Liestal prüfen zu wollen. Ab 1. Juli 2017 sollen die Zentralen in Basel vereint werden. Dieser Entscheid würde jedoch zumindest im Fall Bottmingen nichts an den Zuständigkeiten ändern: An den Fahrdienstleistungen wird – Stand heute – alles beim Alten bleiben.

Trotzdem hätte die Möglichkeit bestanden, dass die dehydrierte Frau im Bruderholz-Spital behandelt wird. Dazu hätte sie aber jemand Privates auf die dortige Notfall-Station transportieren müssen, sagt KSBL-Mediensprecherin Kuoni. «Oder aber, sie hätte sich unmittelbar vor dem Spital befunden, als sie medizinische Hilfe benötigte. Dann wäre sie sicherlich nicht abgewiesen worden.»

* Name der Redaktion bekannt.

Meistgesehen

Artboard 1