Strafgericht Baselland

«Bankomat kaputt!»: So dreist zockten zwei Rumänen Baselbieter Rentner ab

Die Täter lenkten die Rentner bei Bargeldbezug ab. (Symbolbild)

Die Täter lenkten die Rentner bei Bargeldbezug ab. (Symbolbild)

Wegen 26 Trickdiebstählen im Raum Reinach und Sissach stehen zwei Männer vor dem Strafgericht in Muttenz.

Die Trickdiebstahl-Serie begann im Oktober 2018: Kurz vor 9 Uhr morgens wollte eine 85-jährige Frau beim Postomaten in Sissach 800 Euro beziehen. Kaum hatte sie die Karte eingeführt und ihren PIN-Code eingegeben, drängte sich eine junge Rumänin hinzu, legte eine Zeitung über die Tastatur und lenkte die Rentnerin ab. Bald war die Frau wieder weg, der Automat spuckte die Karte aus. Wie sich später herausstellte, hatte die Frau unbemerkt Bargeld bezogen.

Tasten-Reihenfolge auswendig gelernt

Dieser sowie 25 weitere Fälle werden diese Woche vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz verhandelt. Die junge Frau war offenbar nur an den ersten sieben Fällen beteiligt, danach übernahm ein heute 19-jähriger Rumäne aus Dortmund den Part des Trickdiebes.

Ein 21-jähriger Rumäne war an allen 26 Fällen beteiligt, er wartete jeweils wenige Meter entfernt mit dem Auto und sorgte für eine reibungslose Flucht. Beide Männer sind schon wegen ähnlicher Delikte vorbestraft. Die Polizei hatte beide Männer im Dezember 2018 erwischt, seither sitzen sie in Haft.

Die Videoaufnahmen zweier Diebstähle zeigten am Dienstag im Gerichtssaal das dreiste Vorgehen: Jeweils mit perfektem Timing schlich sich der 19-Jährige an die betagten Opfer heran, und gleich nach der Eingabe des PIN-Codes greift er in die Tastatur, lenkt das irritierte und genervte Opfer ab, stellt sich vor den Automaten, diskutiert herum und tippt hinter dem Rücken blind die Tasten beispielsweise für eine Express-Auszahlung von 1000 Franken. Die Männer zogen die Nummer ausschliesslich an Postomaten und Kantonalbank-Bankomaten durch, offenbar lernten sie die jeweils nötige Tastenreihenfolge vorher auswendig.

Laut den Aussagen der Opfer unterschied sich die Vorgehensweise nur minimal: Meistens rief der Mann «Der Automat ist kaputt». Dass die Sache faul war, war den meisten Opfern zwar klar, doch während sie mit dem Mann stritten, aktivierte er die Auszahlung. Bei den Postomaten lag der Schaden aufgrund der Tageslimite jeweils bei 1000 Franken, bei einigen Kantonalbanken allerdings auch bei 3000 Franken. Oft blieb es auch beim Versuch, die Rentner wehrten sich, der Mann flüchtete. Die Trickdiebstähle zogen sich durch die halbe Schweiz.

Im November 2018 funktionierte die Nummer dreimal hintereinander in Arlesheim, Reinach und drei Stunden später in Gelterkinden. Zehn Tage später erleichterten sie eine 77-jährige Frau in Reinach um 1000 Franken. Hier soll der 19-Jährige die Frau gar kräftig zur Seite gestossen haben, was Staatsanwältin Fabienne Rehmann als Raub einstufte. Der 19-Jährige betonte allerdings, er habe nie Gewalt angewendet. Der 21-Jährige sagte, er habe nur im Auto gewartet und auch nichts gesehen. Die Diebstähle geben sie immerhin zu.

Das Geld im Casino wieder verspielt

Im Dezember 2018 tauchten beide Männer erneut in der Region auf, an Bankomaten in Aesch, Sissach und Gelterkinden waren sie zweimal erfolgreich, ein Versuch scheiterte. Danach klickten die Handschellen.

Die Beute beträgt insgesamt rund 34'000 Franken. Das Geld haben die Männer angeblich nicht ihrer Familie geschickt, sondern im Casino verspielt. Das beschlagnahmte Auto haben die Behörden bereits verwertet.

Die Staatsanwältin forderte unbedingte Freiheitsstrafen von 22 und 18 Monaten sowie Landesverweise während fünf Jahren. Das Urteil fällt am Freitag.

Meistgesehen

Artboard 1