Eine von den beiden Trägerkantonen in Auftrag gegebene Studie besagt, dass Basel-Stadt der beste Standort für die juristische und wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni Basel ist. Dies berichtete gestern die «Tageswoche». Von den anderen geprüften Standorten Allschwil Bachgraben, Münchenstein Dreispitz und Liestal schwingt Allschwil obenaus – der Baselbieter Kantonshauptort hingegen schneidet am schlechtesten ab.

Unter anderem wurde die Erreichbarkeit, die Infrastruktur und die Wirtschaftlichkeit der Standorte unter die Lupe genommen. Die Studie wurde in Auftrag gegeben, nachdem Kritik an der Idee durchgesickert war, einen Uni-Standort in Baselland zu eröffnen. Die Allschwiler Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli wertet die Ergebnisse positiv. Überrascht davon, dass die Region Bachgraben für einen Uni-Standort geeignet ist, sei sie indes nicht. «Wir haben hier mittlerweile eine gute Infrastruktur. Die Gegend boomt: Das zeigen die Life Science Firmen wie Actelion. Und die Tatsache, dass bald das Tropeninstitut hierher kommen soll», sagt sie auf Anfrage der bz.

Zweifel an den Kriterien

Unklar ist aber, welche Bedeutung die Studie im Hinblick auf den Standortentscheid haben wird. Weder die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion, welche die Studie gemeinsam mit Basel-Stadt in Auftrag gegeben hatte, noch die Uni wollten Auskunft geben. Gegenüber der «Tageswoche» sagte Marco Greiner, Sprecher der Basler Regierung, dass mit einem Standortentscheid «frühestens» nach den Sommerferien gerechnet werden könne.

Allerdings werden auch Zweifel an der Unabhängigkeit der Studie laut. Insider sagen, die federführende Baselbieter Regierung habe grundsätzlich wenig Interesse an einem Unistandort in Liestal. Dies hätte zur Folge, dass sich der Kanton nicht mehr aus der finanziellen Verantwortung stehlen könne. Ebenfalls in Zweifel zieht der Baselbieter SVP-Präsident Oskar Kämpfer die Ergebnisse der Studie – wenngleich aus anderen Gründen. «Es gibt nichts, was gegen den Standort Liestal spricht.

Die Mietpreise sind sicher tiefer und für die Studenten ist lediglich der Umzug mühsam.» Das Argument, wonach das Stedtli nicht genügend zentral sei, könne er jedenfalls nicht gelten lassen, zumal es mit dem Zug von Basel in acht Minuten zu erreichen sei. «An jedem anderen Unistandort wäre das ‹gleich um die Ecke›.»

In diesem Punkt ist der Liestaler Stadtpräsident Daniel Spinnler (FDP) mit Kämpfer einig. Er selber studierte in neben Basel auch in Lausanne, wo der Campus weit vom Stadtkern entfernt ist. Spinnler hält Liestal weiterhin für einen geeigneten Uni-Standort.

«Hier bietet sich neben modernster Infrastruktur die Möglichkeit, über den Mittag in der
Natur Sport zu treiben, dann zu duschen und wieder in die Vorlesung zu sitzen.» Auch er führt die guten öV-Anschlüsse ins Feld, für viele Professoren mit Aufträgen in der Restschweiz sei Liestal gar näher als Basel. Spinnler ist jedenfalls weiterhin optimistisch, dass Liestal zum Uni-Standort wird. «Das Auswahlverfahren läuft noch.» Die Regierung habe nun die Chance, ein «klares Bekenntnis» zur Uni beider Basel abzugeben.

Andere stehen dem Entscheid pragmatisch gegenüber. SP-Landrat Jan Kirchmayr hegt zwar ebenfalls Sympathien für einen Baselbieter Unistandort, sagt aber auch: «Wenn eine Studie zum Schluss kommt, dass es nicht sinnvoll ist, müssen wir diesen Standort nicht auf Biegen und Brechen durchsetzen.» Eine solche Gelassenheit werden nicht alle an den Tag legen, sollten die Baselbieter bei der Standortfrage leer ausgehen. Kämpfer jedenfalls sagt: «Wenn die Studie nur dazu dient, einen Staatsvertrag zu unterlaufen, kann ich das nicht akzeptieren.» Hier sei festgehalten, dass in beiden Trägerkantonen Fakultäten anzusiedeln seien.