Tierwelt

Basel ist die biberfreundlichste Region in der Schweiz: Ärger macht der putzige Nager kaum

Die schwangere Biberdame Justine in der Reinacherheide. Sie lebt seit 2014 in der Region.

Die schwangere Biberdame Justine in der Reinacherheide. Sie lebt seit 2014 in der Region.

Seit 16 Jahren lebt der Biber wieder im Baselbiet. Im Mai wurde das neue kantonale Biberkonzept verabschiedet. Ziel ist es, das geschützte Nagetier weiter zu verbreiten.

Der Biber erfreut sich seit einigen Jahren wieder grösserer Beliebtheit. Dies vor allem aufgrund seines putzigen Aussehens und seiner entspannten Art im Wasser zu treiben. Auch im Baselbiet versucht man den sympathischen Nager vermehrt anzuwerben – mit stetigem Erfolg. 2008 lebten gerade einmal drei Biber im Kanton, zehn Jahre später waren es über 40. Mittlerweile hat sich der Biber in der Ergholz, in der Birs und im Rhein festgesetzt.

Im Zuge dieser Wiederansiedlungsstrategie wurde Mitte Mai dieses Jahres das neue kantonale Biberkonzept verabschiedet. Dieses strebt eine grossräumig vernetzte Population in der Region an. Das Konzept beschäftigt sich aber auch mit möglichen Konflikten, die das Tier mit sich bringen kann.

Der Kanton zahlt bei Biberschäden

Denn der Biber ist nicht nur süss, sondern gestaltet seinen Lebensraum wie kein anderes Tier. Um den Eingang zu seinem Bau unter Wasser zu halten, baut er Staudämme und passt die Umgebung seinen Vorstellungen an. Das kann schon mal dazu führen, dass ein Baum umfällt, ein Bach über die Ufer tritt oder eine Strasse beschädigt wird. Ein Grund, wieso der Biber nicht bei allen beliebt ist und früher gejagt wurde. Laut dem neuen Konzept sollen deshalb Gefahrenzonen - zum Beispiel Dämme an heiklen Stellen - regelmässig beobachtet werden. Falls mit erheblichen Schäden durch einen Bau gerechnet werden muss, kann der Kanton eingreifen. Abgeschossen werden darf der Biber nicht - er steht seit 1962 unter Schutz. Falls doch Wald oder Landwirtschaft beschädigt wird, kommt das Jagd- und Fischereiwesen des Kantons dafür auf.

Momentan sei die Situation aber entspannt, sagt Astrid Schönenberger, Leiterin der Biberfachstelle Baselland. «Der Biber macht in der Region wenig Ärger». Das bestätigt Daniel Zopfi, Fachspezialist für Jagd und Fischerei Basel-Landschaft: «Soweit ich mich erinnern kann, mussten wir in den letzten Jahren einen Biberschaden in einer unmittelbar am Wasser gelegenen Obstanlage entschädigen».

Diese Zahlen kommen dem Image des Tieres zugute: Laut einer nationalen Umfrage im Jahr 2013 stehen rund 95 Prozent der nordwestschweizer Bevölkerung dem Nager positiv gegenüber. «Das Baselbiet gehört zu den biberfreundlichsten Regionen in der Schweiz», sagt Schönenberger. Biberfreundlich ist auch das neue Konzept des Kantons: Bei allen wasserbaulichen Arbeiten müssen die Bedürfnisse des Nagers mitberücksichtigt werden, heisst es dort.

In den letzten Monaten gab es einen Biberboom

Seit letztem Jahr gibt es im Baselbiet vermehrt Nachwuchs. Im Mai dieses Jahres berichtete die Biberfachstelle unter anderem von zwei Jungen an den Talweihern in Anwil und einem Jungtier an der Ergolz in Liestal. Auch die Biberdame «Justine» wurde im Frühjahr wieder trächtig gesichtet. Sie lebt seit 2014 in der Reinacherheide und ist unter Biberfans in der Region bekannt.

Astrid Schönenberger freuts: «Wir haben lange auf einen Biberboom gewartet». Die aktiven Tiere scheinen sich auch in städtischem Gebiet wohlzufühlen. In Liestal konnten bereits im Sommer 2013 zwei erwachsene, ein junger und zwei kleine Biber beobachtet werden.

Baselland ist topologisch unproblematisch

Je grösser die Population, desto grösser ist aber auch die Gefahr, dass es zu Ärgernissen kommt. Wenn viele grössere Gewässer besiedelt sind, weicht der Biber vermehrt in kleinere Bäche aus. Dort kommt es eher zu Überschwemmungen. Mit grösseren Problemen rechnet Astrid Schönenberger allerdings nicht: «Das Schadenspotenzial in unserer Region ist aus topologischen Gründen eher gering».

Die Gestaltungsfreude des Bibers bringt aber nicht nur Nachteile. Das Tier fördert die Biodiversität, viele andere Tiere und Pflanzen profitieren vom geschaffenen Lebensraum. Dazu gehört etwa der Eisvogel, die Libelle, die Ringelnatter oder der Sanddorn.

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