«Ein krisenresistenter Branchenmix, attraktive Steuersätze, Stabilität - all dies zeichnet den AAA-Standort Baselbiet aus», schreibt der Kanton Baselland im «Investors Guide», mit dem er im Rahmen der Wirtschaftsoffensive Unternehmen überzeugen will, sich im Baselbiet anzusiedeln. Doch das ist vorbei: Baselland hat die begehrte AAA-Einstufung, das «Triple A», verloren. Neu bewertet die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) den Kanton mit AA+.

Sportlich gesehen heisst das: Die Baselbieter Kreditwürdigkeit ist von der Gold- auf die Silbermedaille zurückgestuft worden. «Der Kanton gehört somit weiterhin zu den Schuldnern mit sehr hoher Bonität», betont Finanzdirektor Anton Lauber.

Finanzielle Folgen

Eine tiefere Einstufung heisst, dass man für Kredite höhere Zinsen bezahlt. «Auf dem Schweizer Kapitalmarkt spielt allerdings der Unterschied zwischen AAA und AA+ - anders als auf den internationalen Kapitalmärkten - eine vernachlässigbare Rolle», erläutert Herbert Kumbartzki, Leiter Geschäftsbereich Finanzen der BLKB. In der Schweiz sei es für Staatsanleihen entscheidender, dass diese der aktuellen Nachfrage institutioneller Anleger entsprechen.

Lauber rechnet hingegen mit einer Grössenordnung von 10 bis 20 Basispunkten, also mit einem um 0,1 bis 0,2 Prozent höheren Zins. Er stimmt Kumbartzki zu, dass bei kleineren Beträgen der Verlust des Triple A vernachlässigbar ist. «Die 1,3 Milliarden Franken, die der Kanton für die Ausfinanzierung der Basellandschaftlichen Pensionskasse (BLPK) aufnehmen muss, werden uns voraussichtlich eine durch das Rating verursachte zusätzliche Zinslast von 1 bis 2 Millionen Franken bescheren.» Es sei durchaus möglich, dass man für eine Milliarde auf den europäischen Kapitalmarkt zurückgreifen müsse.

Politische Folgen

Damit spricht Lauber die politischen Folgen an: Er weist vehement darauf hin, nun sei es erst recht nötig, das Entlastungspaket umzusetzen. S&P habe die Verschlechterung des Finanzhaushalts wegen der Ausfinanzierung der BLPK als Grund für die Rückstufung genannt.

Aus diesem Grund müsse zweitens die Gemeindeinitiative abgelehnt werden. Diese fordert, der Kanton solle die BLPK-Sanierungslasten für alle angeschlossenen Arbeitgeber übernehmen. «Würde sie angenommen, müssten wir 2,3 Milliarden aufnehmen.»

Folgen für die Kantonalbank

Die Zurückstufung betrifft auch die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB), denn dass der Kanton überhaupt sich von S&P - einem US-amerikanischen Privatunternehmen - bewerten lässt, hängt mit der Staatsgarantie für die BLKB zusammen. Entsprechend kann die BLKB-Bonität nicht besser sein als jene des Eigentümers und Garanten. Zusätzlich wird die BLKB auch selbstständig bewertet, und zwar weiterhin mit AA-. «Dies ist das beste Stand-alone-Rating, das es für europäische Banken gibt», betont Kumbartzki, «und dieses Stand-alone-Rating ist für uns wichtiger.» Fazit: «Finanziell sind die Folgen der Zurückstufung marginal. Aber fürs Marketing ist es ein Verlust.»

Marketing-Folgen

Damit wären wir wieder beim Standortmarketing der Wirtschaftsoffensive. «Das Tripple A ist eine Visitenkarte für den Standort», meint Lauber. «Natürlich ist ein AAA besser als ein AA+», meint Marc-André Giger, Delegierter des Regierungsrates in der Wirtschaftsförderung Baselland. «Doch die schlechtere Bewertung erfolgt auch aufgrund der nötigen Ausfinanzierung der BLPK. Dies ist ein Einmal-Effekt, der an den anderen Standortvorteilen des Baselbiets nichts ändert.»

Iris Welten, Geschäftsführerin von BaselArea, der Wirtschaftsförderung beider Basel, berichtet: «Für ansiedlungswillige Unternehmen ist das Rating des Kantons kein Entscheidungskriterium.» Trotzdem betont Giger: «Das Ziel muss sein, durch Ausgabendisziplin wieder an die Spitze, also in den Goldmedaillenrang, zurückzukehren. Das Plus hinter den beiden A bedeute ja, dass S&P dies dem Kanton Baselland zutraut.»