Waffenschredder

Baselbiet verzichtet auf Waffenaktion

Mehrere Kantone habe sie durchgeführt, so auch Basel-Stadt.

Waffenabgabetage

Mehrere Kantone habe sie durchgeführt, so auch Basel-Stadt.

Weder in Stadt noch Land gibt es in diesem Jahr eine organisierte Waffenabgabe.

Zuerst der Rachewahnsinn in Lörrach, dann die Familientragödie in Riehen: Es ist noch keinen Monat her, dass sieben Menschen in der Region sterben mussten, weil Waffenbesitzer mit dem Finger am Abzug durchgedreht sind. Bei der Lörracher Amokläuferin Sabine R. war es eine mehrschüssige Sportwaffe, beim Riehener Verzweiflungstäter Claudio S. eine Pistole ausländischer Herkunft, die fatale Folgen bewirkten. Beide hatten ihre Waffen im Privaten aufbewahrt, im Fall von Lörrach hortete die Rechtsanwältin sogar grössere Mengen Munition, um ihren Amoklauf vorzubereiten.

Der Aufschrei der Öffentlichkeit und die Forderung nach strengeren Waffengesetzen waren gerade im Fall von Deutschland absehbar, da sie sich nach jeder vergleichbaren Tat wiederholen. Diesmal gerieten die Schützenvereine in besonders heftiges Kreuzfeuer der Kritik, als bekannt wurde, dass Sabine R. einst Mitglied in einem Schiessklub gewesen war. Noch immer streiten Regierung und Opposition über die Frage, ob Schützenvereine in Deutschland ihre Waffen zentral einlagern sollen.

Keine Diskussion in der Region

In der Schweiz, und insbesondere in der Region Basel, hat eine vergleichbare Diskussion zur privaten Waffenaufbewahrung nur ansatzweise stattgefunden (siehe Box). Noch immer gilt das vom Basler Regierungsrat Hanspeter Gass formulierte Prinzip, dass jede Waffe in Privathänden «eine zu viel ist». Der Stadtkanton ist im vergangenen Jahr auf den Trend der staatlich angebotenen Waffenabgabeaktionen aufgesprungen und hat als fünfter Kanton zwei derartige Sammeltage durchgeführt. Das Ergebnis liess sich sehen: Wurden bei der ersten Aktion im April 2009 insgesamt 799 Waffen und mehrere hundert Kilo Munition im Basler Zeughaus abgegeben, kamen bei der zweiten Aktion im Juni nochmals 322 Waffen und über 300 Kilo Munition zusammen.

Unglücklich über die geschredderten Gewehre und Pistolen waren lediglich gewisse Waffensammler und -händler, die durch ein Polizeiaufgebot von den abgabewilligen Bürgerinnen und Bürgern ferngehalten wurden. Waffen-Auktionator Werner Kessler geisselte damals die organisierten Waffenabgaben als «blinden staatlichen Aktionismus».

Eigentlich wäre 2009 auch im Baselbiet eine solche Waffenverschrottungsaktion vorgesehen gewesen. Doch waren die Verantwortlichen der Sicherheitsdirektion im vergangenen Jahr so sehr mit der Abwehr der Schweinegrippe im kantonalen Krisenstab ausgelastet, dass sie die Waffenabgabe auf 2010 verschoben. Nun steht fest, dass es auch in diesem Jahr nicht mehr zu einem Sammeltag kommen wird, wie Sprecher Dieter Leutwyler von der Baselbieter Sicherheitsdirektion bestätigt.

Er verweist auf den Umstand, dass die private Waffenabgabe an jedem Polizeiposten jederzeit möglich sei und dieses Angebot von den Baselbieterinnen und Baselbietern rege genutzt werde. Bereits 94 Personen haben in diesem Jahr eine oder mehrere Waffen und Munition bei der Baselbieter Polizei abgegeben, weshalb kein Bedarf nach einem staatlich konzertierten Aktionstag bestehe. Diese Meinung teilt auch Polizeisprecher Rolf Wirz: «Solche Abgabeaktionen bringen zwar immer viel Publizität, doch ist für den Bürger die spontane Waffenabgabe auf dem Polizeiposten viel bequemer. Da muss er nicht einmal anstehen.»

In der Stadt Basel entscheiden die Behörden erst 2011, ob und wann die nächste Waffenabgabe stattfinden soll. Mediensprecher Klaus Mannhart: «Jedes Jahr eine entsprechende Aktion wäre etwas übertrieben.»

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