Bauzonen

Baselbieter Bauland-Sünder sind nervös: Kanton will härtere Saiten aufziehen

In Hölstein wird gebaut, andere Lagen im Baselbiet sind jedoch weniger begehrt. Und so liegen viele Parzellen lange brach. Für den Bund ist das ein Problem.

In Hölstein wird gebaut, andere Lagen im Baselbiet sind jedoch weniger begehrt. Und so liegen viele Parzellen lange brach. Für den Bund ist das ein Problem.

Jede dritte Baselbieter Gemeinde hat zu viel Bauland. Ende Jahr schätzt der Kanton die Auslastung neu ein. Jene Gemeinden mit zu vielen Reserven müssen verkleinern. Gelingt das nicht, drohen Enteignungen.

Im Baselbiet tickt die Uhr. Ende Jahr wird abgerechnet – Stichtag ist der 31. Dezember 2020. Dann schätzt der Kanton die Baulandauslastung aller 86 Gemeinden neu ein. Jenen, die zu viel Bauland eingezont haben, bleiben danach eineinhalb Jahre Zeit, um eine Strategie vorzulegen, wie sie die überschüssigen Reserven loswerden wollen.

Im schlimmsten Fall droht den betroffenen Landeigentümern die Enteignung. Diese Massnahme wollen die Gemeinden wenn immer möglich verhindern. Denn damit wäre der Dorffrieden gefährdet. Auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte.

Zu hohe Reserven gibt es in 31 Gemeinden. Sie liegen fast ausnahmslos in ländlichen Kantonsteilen. Das zeigen die neuesten Zahlen des Baselbieter Amts für Raumplanung (siehe Tabelle unten). Der Schwellenwert liegt bei 90 Prozent: Die Gemeinden, die laut Prognose im Jahr 2033 weniger als 90 Prozent ihres Baulands aufgebraucht haben, müssen über die Bücher. Bis im April 2022 will der Kanton Massnahmen sehen – wenn nicht, zieht er härtere Saiten auf.

Bundesrat setzt Druck auf, Bauzonen zu verkleinern

Den tiefsten Wert aller 86 Baselbieter Gemeinden hat Burg im Leimental. Im 277-Einwohner-Ort sind laut den Berechnungen des Kantons bis in 13 Jahren nur 64 Prozent des überbaubaren Landes ausgenutzt – jeder dritte Quadratmetern in der Bauzone müsste folglich wieder ausgezont werden.
Eine gute Strategie zu finden, werde nicht einfach, sagt Gemeindepräsident Dieter Merz: «Viele Reserven liegen verstreut im Siedlungsgebiet, in Gebieten also, wo es sowieso Sinn ergeben würde, Neubauten zu erstellen.»

Der Kanton wird kaum Nachsicht zeigen. Der Druck auf ihn ist gestiegen. Der Bundesrat genehmigte im Mai 2019 den Baselbieter Richtplan nur unter strengen Auflagen. Die Landesregierung tadelte, Baselland käme den Vorgaben nicht nach. Der Wille des Stimmvolks sei klar: Es will der Zersiedelung des Landes einen Riegel schieben. 

Deshalb befürwortete es 2013 die Revision des Raumplanungsgesetzes. Deren Hauptziel: die Siedlungsentwicklung nach innen fördern, dem Flächenverbrauch Einhalt gebieten. Auf den Radar geraten sind vor allem grössere, noch nicht erschlossene Baulandreserven an Rändern von peripher gelegenen Ortschaften.

Im Laufental und Oberbaselbiet liegen Bauzonen brach

Ein Vergleich der unbebauten Bauzonen im Baselbiet zeigt, dass Bauzonen vor allem im Laufental und im Oberbaselbiet brach liegen. Im Bezirk Waldenburg waren 2018 fast 20 Prozent des Baulandes nicht überbaut. Im stadtnahen Bezirk Arlesheim hingegen betrug dieser Wert lediglich 6,3 Prozent.

Den höchsten Siedlungsdruck weisen Binningen, Oberwil, Therwil und Birsfelden auf. Hier übersteigt die prognostizierte Baulandausnutzung im Jahr 2033 teilweise sogar 100 Prozent. Quartierpläne machen das möglich. Mit diesem Instrument können Nutzungsziffern erhöht werden. Das ist etwa dann notwendig, wenn Hochhäuser geplant sind. Generell kann gesagt werden: Die Nachfrage übersteigt das Angebot in der Agglomeration bei Weitem. Das zeigen die Preise deutlich. 

Burg im Leimental hofft auf bauwillige Zuzüger

Der Kanton hat im November 2019 alle betroffenen Gemeinden informiert, auch Wittinsburg. Doch die Gemeinde könnte die 90-Prozent-Hürde schaffen – bei einer prognostizierten Bauzonenauslastung von 87,5 Prozent. Gemeindepräsidentin Caroline Zürcher sagt zur bz, Bauvorhaben könnten die Ausnützungsziffer erhöhen.

So sei etwa ein Mehrgenerationenhaus geplant. Zürchers Amtskollegin in Titterten, Verena Heid, erwähnt eine kürzlich abgeschlossene Baulandumlegung, die sie ebenfalls zuversichtlich stimme. «Ob wir jedoch auf 90 Prozent kommen, ist eine andere Frage.»

Auch in Burg hofft man, dass die Bautätigkeit anzieht. Jeder neu überbaute Quadratmeter helfe, den Überschuss zu verringern, sagt Gemeindepräsident Dietrich Merz: «Nicht zuletzt wollen wir auch lukrative Steuerzahler anziehen.» Die Baulandpreise seien in Burg äusserst attraktiv – gerade im Vergleich zum übrigen Leimental: «Wir haben noch viel Platz!»

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