Eine Gruppe von Jugendlichen steht um eine Traktor-Attrape aus Plastik. Einer sitzt vor dem Lenkrad und steuert den Sattelschlepper, der im Bildschirm davor erscheint. Das animierte Fahrzeug kurvt in hohem Tempo durch eine ländliche Gegend. Immer wieder kommt es von der Strasse ab und rast über grüne Wiesen.

Eine Reihe weiter hinten steht eine grössere Gruppe von Herren im Anzug. Sie sind vom Fahrstil des Jungen angetan – und es ist ihnen anzusehen: Eigentlich würden sie auch mal gerne fahren.

Metzger, Schweizergarde, Laborant

An der Berufsschau der Wirtschaftskammer, die dieses Jahr im Kultur- und Sportzentrum (Kuspo) Pratteln stattfindet, hat aber die Jugend den Vortritt. Gestern öffnete die Wirtschaftskammer gemeinsam mit Bildungsdirektorin Monica Gschwind und dem Prattler Gemeindepräsidenten Beat Stingelin die Tore zur Ausstellung. All jene, die sich schon bald für eine Richtung in ihrer beruflichen Laufbahn entscheiden müssen, haben nun bis Sonntagnachmittag die Möglichkeit, 190 verschiedene Lehrberufe kennenzulernen.

Insbesondere siebte und achte Schulklassen mit ihren Lehrpersonen tummelten sich gestern auf dem Gelände. Die Ausstellung erstreckt sich über 7300 Quadratmeter. Alle möglichen Vertreter aus dem Gewerbe präsentieren sich an ihrem Stand. Vom Metzgermeisterverband über die Schweizergarde bis hin zu den Basler Verkehrsbetrieben.

An jedem der über 130 Stände stehen Berufsleute und Lehrlinge bereit und geben den neugierigen Schülerinnen und Schülern Auskunft über ihre tägliche Arbeit. Den Ausstellern biete sich hier die Möglichkeit, mit ansprechenden Ständen und guten Ideen den teilweise dringend gesuchten Berufsnachwuchs zu rekrutieren, sagte Bildungsdirektorin Monica Gschwind in ihrer Rede zur Eröffnungsfeier.

Tatsächlich gelingt es einigen Ständen mehr als anderen, die Aufmerksamkeit der zukünftigen Arbeitskräfte auf sich zu ziehen. Am Aussenplatz vor dem Eingang etwa steht ein Rettungswagen des Kantonsspitals Baselland. Auf der Bahre im Innern liegt ein Patient aus Kunststoff, der offenbar auf Belebungsmassnahmen wartet. Der Rettungssanitäter gibt einem Jugendlichen Anweisungen: «Die Hände flach auf die Brust. Arme durchstrecken und fest runterdrücken. 30 Stösse und dann beatmen.» Der Junge gerät schon bald ausser Atem. «Das ist strenger als ich dachte», sagt er.

Auch der Chemielaborant, der beim Stand des Ausbildungsverbunds Aprentas mit zwei Schülerinnen der achten Klasse einen Titrations-Wettbewerb durchführt, hat Interesse geweckt. Blaue Natronlauge soll durch tropfenweise Zugabe von Salzsäure gelb werden. Bei nur einem Tropfen zuviel ändert sich die Farbe allerdings in rot, dann hat man verloren. «Wie fest nerven sie sich, wenn ein Versuch im Labor nicht funktioniert?», fragt ein Mädchen. «Das ist nicht so schlimm», sagt der Laborant. «In der Forschung gehen 99 Prozent der Versuche in die Hose.»

Ein Hoch auf die Berufsbildung

Dass die Jugend nicht nur akademische Laufbahnen einschlägt, ist der Regierungsrätin Gschwind ein Anliegen. Dies betonte sie auch gestern in ihrer Rede. Das duale Berufsbildungssystem mit praktischer Ausbildung im Lehrbetrieb und Berufsfachschule sei ein entscheidender Erfolgsfaktor der Schweizer Volkswirtschaft. Deshalb wolle man für die engagierten Betriebe im Baselbiet gute Rahmenbedingungen schaffen. Christoph Buser, Direktor der Wirtschaftskammer lobte daraufhin das im Baselbiet gut funktionierende Zusammenspiel zwischen Kanton, Bildungsverwaltung und Wirtschaft.