Waldwege

Baselbieter Biker kämpfen für freie Fahrt auf allen Pfaden

Die Baselbieter Mountainbiker wollen ihren Sport nicht nur auf Wegen ausüben, die für Lastwagen geeignet sind.

Die Baselbieter Mountainbiker wollen ihren Sport nicht nur auf Wegen ausüben, die für Lastwagen geeignet sind.

Die Regierung lehnt eine Petition, die das Biken auf allen öffentlichen Wegen im Baselbiet erlauben will, ab. Doch die Biker geben nicht auf. Sie wollen freie Fahrt auf allen Pfaden. FDP-Landrat Balz Stückelberger plant einen Vorstoss.

Alle öffentlichen Wege und Pfade im Kanton sollen fürs Biken offen sein. Das forderte eine Petition, die der Schweizerische Radfahrer-Bund vor vier Jahren einreichte. Über 2000 Biker unterschrieben. Vor allem touristischen Kantone kennen eine allgemeine Fahrerlaubnis für Bikes auf allen Wegen. Im Baselbiet ist derzeit aber nur das Benützen von mindestens 2,2 Meter breiten, mit Lastwagen befahrbaren Strassen erlaubt. Zusätzlich sind innerhalb von regionalen Waldentwicklungsplänen Bike-Routen möglich. Vom Gempen herunter existiert in Muttenz bereits eine.

Doch der Wunsch der Radler nach einer vollständigen Öffnung aller Wege dürfte nicht so bald in Erfüllung gehen. Jedenfalls empfehlen sowohl die Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission als auch die Regierung dem Landrat, am 16. Januar die inzwischen zum Postulat umgewandelte Petition abzuschreiben. Allerdings soll den Bikern ein Stück weit entgegengekommen werden. Im Rahmen der Waldentwicklungspläne (WEP) sollen die Bikerouten ausgebaut werden, sodass ein Netz entsteht. WEP regeln die Freizeitnutzung in den Baselbieter Wäldern.

Doch mit dem Vorschlag sind die Biker nur halb zufrieden. «Es wäre schon besser, wenn wir überall durch dürften», findet Andreas Binder, beim Veloclub Reinach verantwortlich für Biker. «Denn die Leute fahren sowieso dort durch, wo sie wollen.»

An den WEP mitgearbeitet hat René Schenker, Ausbilder von Bike-Lehrern und Mitinitiant des Bike Festival Basel auf dem Muttenzer Schänzli. Das Biken werde an vielen Orten toleriert, obwohl es fast überall verboten sei, hat er festgestellt. Was ihn an der heutigen Situation stört, sind die Grauzonen. «Wenn ich eine Gruppe durch einen Weg mit Fahrverbot führe und es geschieht ein Unfall, habe ich ein rechtliches Problem.»

Mittelfristig alle Wege öffnen

In den letzten zwei Jahren hat Schenker positive Erfahrungen mit der Piste am Gempen gemacht, etwa mit Wanderern, Förstern und Reitern. Das wilde Fahren auf improvisierten Trials habe abgenommen. Allerdings seien die Biker in den WEP fast schon gezwungen, eigene Bahnen zu bauen, um die Fahrer zu kanalisieren. «Es gibt aber viele Biker, die nichts anderes wollen als die bereits bestehenden Wege zu benützen.»

Deshalb sind Bike-Routen in den WEP für Schenker nur ein erster Schritt. «Mittelfristig halte ich am Ziel fest, alle öffentlichen Wege zu öffnen.» Das Veloverbot auf weniger als 2,2 Meter breiten Wegen solle fallen. «Das will auch die Regierung, auch wenn sie es noch nicht zugibt», ist Schenker überzeugt. Gespräche mit Politikern seien am laufen.

Einer davon ist FDP-Landrat Balz Stückelberger. «Es geht letztlich um die Frage, wer Anrecht hat auf die Wege», findet er. «Derzeit sind sie exklusiv für die Fussgänger da.» Wenn man gegenseitig Rücksicht gebe, gehe das gut. Im Kanton Graubünden zum Beispiel funktioniere das. Schenker seinerseits verweist auf die Kantone Bern und Solothurn, wo Bikes alle Wege benützen dürfen. «Wenn ich den Blauen auf der Solothurner Seite herunterfahre, darf ich überall durch», hat er festgestellt.

Rücksicht gefordert

Stückelberger schwebt fürs Baselbiet ein Paradigmenwechsel im Waldgesetz vor. Überall, wo es nicht ausdrücklich verboten sei, solle man fahren dürfen. «Eigentlich ist das eine extreme Haltung», ist er sich bewusst. Denn auch er wisse, dass man im Wald aufeinander Rücksicht nehmen müsse. Selbstverständlich solle man nicht überall durchfahren dürfen, etwa wenn das Wild gestört werde. «Aber eigentlich fordern wir Biker nichts anderes als Gleichberechtigung mit den Fussgängern.»

Vorerst wartet Stückelberger ab, was der Landrat aus der Petition macht. Erst danach wird er mit den Bikern der Region das weitere Vorgehen besprechen. Das dürfte ein Vorstoss im Landrat sein. Stückelberger zeigt sich jedenfalls bereit zu Taten, um die Situation für Biker zu verbessern: «Ich stehe bereits in den Startlöchern.»

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