1985 gewann Eveline Glanzmann als erste und letzte Baselbieterin die Miss-Schweiz-Wahl. Die in Oberwil aufgewachsene Ex-Miss-Schweiz legt heute noch grossen Wert auf ihre Wurzeln und räumt ein: «Immer wieder wird Aargau als mein Heimatkanton angegeben. Das ist aber ein Fehler.» 

Sie sind bis heute die einzige Baselbieterin mit dem Miss-Schweiz-Titel. Woran könnte das liegen?

Eveline Glanzmann: Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, woran das liegt. Nach meinem Sieg habe ich acht Jahre ehrenamtlich für die Miss-Schweiz-Wahlen gearbeitet. In dieser Zeit trafen viele Bewerbungen aus Basel und Baselland ein. Es gab auch immer wieder Mädchen aus der Region, die es bei den Wahlen sehr weit geschafft haben. Zum Gewinnen hat es dann einfach nicht gereicht.

Wie sind Sie zur Miss Schweiz Wahl gekommen?

Ich bin zur Miss Schweiz Wahl gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Da meine Schwester ins Modelbusiness wollte, habe ich sie auf ihr Wunsch hin in eine Modelagentur begleitet. Dort nahmen die Dinge ihren Lauf. Der Agenturleiter bestimmte vier Mädchen, die an der Miss Baselland kandidieren durften, unter anderem mich. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich wohl kaum an dieser Miss-Wahl teilgenommen. Aber meine Grossmutter wollte mehr davon wissen und hat mich zur Teilnahme überredet. Schlussendlich habe ich die Wahl gewonnen und war mit dem Sieg automatisch im Miss-Schweiz-Final. Rückblickend bin ich sehr dankbar, dass es so gekommen ist. Das Amtsjahr hat mir sehr viel gebracht, ohne dass ich das effektiv wollte.

Was denn?

Früher hatten die Miss-Schweiz-Wahlen einen karitativen Charakter. Ich durfte also die Welt bereisen und so begegnete ich bereits früh vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten. Mit 19 Jahren ist man noch sehr naiv und plötzlich erlebt man die Polarität von Reich und Arm, von Gut und Böse. Heute bin ich Kosmetikerin und schätze den Kontakt mit Menschen immer noch. Der Titel hatte also einen riesen Einfluss auf mein Leben, vermutlich würde ich ohne ihn etwas ganz anderes machen.

Hat der Miss-Schweiz-Titel heute noch denselben Stellenwert wie vor dreissig Jahren?

Vor dreissig Jahren wurde man als Miss Schweiz wie eine Königin behandelt, so viel steht fest. Heute gibt es viele ähnliche Formate, beispielsweise Germany’s Next Topmodel, die das Publikum vielleicht mehr interessieren. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass der Titel auch heute noch viele Türen öffnet. Wenn die Miss Schweiz einen guten Job macht, hat sie grosse Chancen an die richtigen Menschen zu gelangen. Es kommt also ganz darauf an, was die jeweilige Miss aus ihrem Sieg macht.

Finden Sie, dass die Miss-Schweiz-Wahlen in der heutigen Zeit – gerade auch vor dem Hintergrund der #MeToo-Diskussion – noch angebracht sind? 

Meine Grossmutter war eine Feministin, also wurde ich früh mit solchen Diskussionen konfrontiert und konnte eine eigene Meinung dazu etablieren. Ich sehe das folgendermassen: Seit Beginn der Menschheit wird Weiblichkeit mit Schönheit in Verbindung gebracht, gar gleichgesetzt. Weil Frauen vermehrt feministisch werden und somit die weiblichen Attribute ablehnen, kommt es zu einer entsprechenden Verschiebung, Frauen werden zunehmend männlicher und Männer zunehmend weiblicher. Für mich zeigt diese Entwicklung, dass der Feminismus keine Mitte kennt und zu extrem ist. Ich bin weder für noch gegen den Feminismus. Dennoch denke ich, dass wir die weiblichen Attribute wieder vermehrt anerkennen sollten. Aus diesem Grund sehe ich solche Schönheitswettbewerbe als unproblematisch an.