Liesberg

Baselbieter Familienbetrieb zieht nach Nordafrika

In einem ersten Schritt sollen zwei solche Anlagen – deren grösster Teil befindet sich unter dem Boden – nach Tunesien verschifft werden.

In einem ersten Schritt sollen zwei solche Anlagen – deren grösster Teil befindet sich unter dem Boden – nach Tunesien verschifft werden.

Die Aluminium-Laufen AG investiert in Tunesien. Der Hintergrund dieser Investitionen ist, dass Grossaufträge vor allem an kostengünstigere Konkurrenten aus Osteuropa und Asien verloren gingen. In diese Märkte wollen sie wieder einsteigen.

Die Aluminium-Laufen AG plant, einen Teil der Giess-Anlagen in Liesberg abzubauen und sie nach Tunesien zu verlagern. Dies bestätigt Finanzchef Roger Thomann: «Die entsprechenden Verhandlungen mit einem strategischen Partner sollten Ende dieses Monats zum Abschluss kommen.» Der naheliegende Schluss, dass damit auch Jobs aus Liesberg nach Nordafrika verlagert würden, sei jedoch falsch: «In Liesberg ist kein Abbau von Arbeitsplätzen geplant – vielmehr eine Transformation.»

Massenproduktion in Tunesien

Hintergrund der geplanten Tunesien-Investition ist: Die Aluminium-Laufen hat in den letzten Jahren Giesserei-Grossaufträge an kostengünstigere Konkurrenten aus Osteuropa und Asien verloren.», erklärt Thomann. Es geht zum Beispiel um Gussteile für die Elektrizitätsbranche, die in hoher Stückzahl benötigt werden – beispielsweise für Gehäuse.

Bei den angepeilten Kunden handle es sich um weltweit tätige Konzerne aus Europa. «In diesen sehr interessanten Märkten wollen wir erneut Fuss fassen. Dies ist zu Schweizer Preisen äusserst schwierig, während ein Produktionsstandort in Tunesien strategische Kostenvorteile bietet.»

Vorhandene Anlagen nutzen

Der Maghreb steht im Ruf einer hohen politischen Instabilität. Sind da die Risiken für einen Baselbieter Familienbetrieb tragbar? Thomann erklärt, man habe dies analysiert und gehe vorsichtig vor: Erstens schliesse sich die Aluminium-Laufen AG dafür mit einem Partner aus der Aluminiumbranche zusammen, der bereits vor Ort tätig ist und die Verhältnisse, inklusive die Förderprogramme des tunesischen Staats, kennt. Im gleichen Industriepark sei auch ein Zulieferer der Luftfahrtindustrie tätig. «Wir ziehen also nicht in die Wüste.»

Zweitens investiere man «keine Millionenbeträge». Vielmehr würden eben Anlagen, die hier nicht mehr ausgelastet sind und in der aktuellen Lage der Branche unverkäuflich wären, nach Tunesien transferiert. «Es geht darum, hier nutzlos herumstehende Anlagen und somit das darin steckende Kapital sinnvoll einzusetzen.»

Der Gang nach Tunesien diene nicht zuletzt dazu, den Ausbau in Liesberg abzusichern. So habe die Aluminium-Laufen AG seit Aufhebung der Euro-Untergrenze im Januar 2015 fünf zusätzliche CNC-Fräs-Center gekauft – Maschinen, die computergesteuert von allen Seiten bohren und fräsen. Damit baut das Unternehmen jene Abteilung aus, welche die gegossenen Teile oder gepressten Profile zu fertigen Komponenten weiter verarbeitet.

Spezialisierung in Liesberg

Durch diese Integration komplexerer Produktionsschritte verlängert sich am Liesberger Standort die Wertschöpfungskette. Und der Kunde bekommt ein einbaufertiges Produkt. «Wir zielen auf Neukunden, die höhere Anforderungen an die Präzision stellen und einen höheren Servicegrad verlangen», erklärt Thomann. Dies erfordere aber neben Investitionen in Maschinen vor allem auch solche in die Ausbildung der Belegschaft.

Die Produktion kundenspezifischer Komponenten werde zunehmend ergänzt mit Logistik-Dienstleistungen, beispielsweise auf den Tag genaue Lieferungen montagebereiter Sets sowie Servicedienstleistungen. So sollen Kunden in Zukunft die Möglichkeit bekommen, online zu klären, ob ein bestimmtes Profil machbar ist. Damit verkürze sich die Entwicklungszeit für Neuteile drastisch. «Mit solchen Dienstleistungen wollen wir Vorteile bieten, die uns als Nischenplayer von Konkurrenten abheben, die zu tieferen Kosten produzieren können.»

Die Aluminium-Laufen AG könne auf rund 800 Kunden zählen. Mehr als die Hälfte der in Liesberg von 240 Mitarbeitenden hergestellten Produkte gehen trotz Frankenstärke in den Export.

Autorin

Daniel Haller

Daniel Haller

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