Die neuen Daten von 2013/14 wiesen "tendenziell auf eine leichte Verbesserung des Zustands der Fischfauna hin", teilte das für die Baselbieter Fische zuständige Amt für Wald beider Basel am Montag mit. Bisher erst zwei vergleichbare Studien - die erste war 2002-2007 - reichten indes noch nicht für gesicherte Aussagen.

Fische reagierten sensibel auf Veränderungen und seien daher gute Bioindikatoren für den Zustand der Gewässer. Die gewonnenen Daten dienten zudem als Grundlage für die fischereiliche Bewirtschaftung der Bäche und Flüsse. Die Erhebung erfolge nach Bundes-Standards; die Daten seien demnach auch national vergleichbar.

Sieben gute Stellen mehr

Die selben 43 Gewässerabschnitte wie beim letzten Mal wurden für die Studie ausgewählt - die Pächter durften deswegen dort keine Fische einsetzen. An 23 Stellen wurde nun der ökologische Zustand anhand des aktuellen Fischbestandes als gut (20) oder sehr gut (3) bewertet. Das sind sieben gute Stellen mehr als beim letzten Mal.

Die Hälfte der Stellen gilt nun als mässig, vor allem in Birs und Ergolz . Eine Stelle ist unbefriedigend: der Birsig oberhalb Biel-Benken - schlecht ist auch diesmal keine.

In der Regel fehlten in den untersuchten Bächen jedoch meist eine bis drei Fischarten, die dort normalerweise hingehören würden. In der so genannten "Forellenregion" in kleinen Bächen und Oberläufen fehlten oft typische Begleitfischarten, in der tiefer gelegenen "Aeschenregion" - etwa Birs oder Marchbach - die Leitfischart selbst.

Aeschenregion ohne Aeschen

Die Aesche ist namentlich in der Birs innert zehn Jahren fast überall zurückgegangen oder schon ganz verschwunden. Die Gründe werden in der Wasserqualität, Strukturdefiziten und Krankheiten vermutet. Ebenfalls unter Druck ist dort der Strömer, eine gefährdete Weissfischart. Andernorts sind Schmerlen und Elritzen rar.

Diverse menschliche Einflüsse beeinträchtigen die Gewässer als Fischlebensraum, von Uferverbauungen über Abwasseranlagen und Mischwasserentlastungen bis zu Kraftwerken. Teils schwanken zudem Pegel oder Temperaturen stark, teils fehlen Schatten und Unterstände, und dazu kommen noch Fischkrankheiten.

Die Studie zeigt Bedarf für diverse Verbesserungsmassnahmen auf: "Nach wie vor grosse Bedeutung" hätten dabei Revitalisierungen, die Aufhebung künstlicher Wanderhindernisse und die Vernetzung mit Nebengewässern, hiess es.

Handlungsbedarf

Gute Vernetzung sei wichtig, um Fischen neue Lebensräume zugänglich zu machen, sagte Daniel Zopfi, stellvertretender Leiter des Baselbieter Jagd- und Fischereiwesens. Allerdings gelte es Zielkonflikte abzuwägen, etwa mit der Ausbreitung invasiver Neozoen, nicht zuletzt des Signalkrebses als potenziellem Krebspest-Träger.

Auch die Wasserqualität ist im Fokus, von Strassenentwässerungen oder ARA-Einläufen bis hin zur Landwirtschaft. Gegen überhöhte Wassertemperaturen wird überdies schattenspendende Ufervegetation empfohlen - was wohl teils mit dem Hochwasserschutz kollidiert. Laut Zopfi sind gegen Überhitzung auch Niedrigwasser-Rinnen ein Thema.

Zu fischereilichen Bewirtschaftung wird angeregt, Begleitarten - also kulinarisch weniger attraktive Fische - zu fördern. Teils solle man Groppen, Schmerlen und andere einsetzen, teils müsse die Aesche "unbedingt gefördert werden". Und Krankheiten dürfe man nicht verschleppen, müsse also Fischerzeug und Arbeitsgerät desinfizieren.

Herausforderung Artenvielfalt

Da man Kleinfischarten wie Elritzen nicht einfach kaufen kann, werden solche bei Gelegenheit gefangen, etwa beim Forellen-Laichfischfang. Für eine eigene Raritätenzucht hat der Kanton laut Zopfi weder Geld noch Kapazitäten. Gefangene Fische kommen übrigens vor dem Besatz am neuen Ort erst in eine Quarantäne.

Aeschen waren, obwohl begehrte Speisefische, bisher im Baselbiet wenig eingesetzt worden. Naturverlaichung klappt offensichtlich ungenügend. Nun wird laut Zopfi zusammen mit dem Jura geplant, in der Birs Aeschen anzusiedeln. Dazu braucht es noch Vorbereitungen, unter anderem eine Studie zur Anfälligkeit von Jungfischen auf die Krankheit PKD.