Inertstoffdeponie

Baselbieter Gemeinde fühlt sich vom Kanton übergangen

Solche Inertstoffdeponien hätte der Kanton gerne. Langenbruck würde gerne ihre Deponie ausbauen. (Symbolbild)

Solche Inertstoffdeponien hätte der Kanton gerne. Langenbruck würde gerne ihre Deponie ausbauen. (Symbolbild)

Das Baselbiet sucht Standorte für Inertstoffdeponien - und stösst in den meisten Gemeinden auf Ablehnung. Langenbruck hat bereits eine Deponie und würde diese gerne vergrössern. Doch der Kanton stellt sich quer.

Langenbrucks Gemeindepräsident Hector Herzig war empört, als er gestern die bz las: «Der Kanton sucht Standorte für Inertstoffdeponien, die niemand will; und wir wollen unsere Deponie vergrössern und dürfen nicht.»

Langenbruck hat auf dem Helfenberg am nordwestlichen Ortsrand seit den Sechzigern eine Deponie für unbelasteten Aushub von schätzungsweise 300 000 Kubikmetern. Schon vor einem Jahrzehnt wollte laut Herzig die Bürgergemeinde, die heute Besitzerin des Geländes ist, die Grube erweitern lassen.

Betrieb läuft noch bis Ende 2013

Noch unter Umweltdirektor Jörg Krähenbühl bekam die Gemeinde 2005 die Erlaubnis für weitere 50'000 Kubikmeter, die bis Ende 2013 verfüllt sein müssten. «Dann läuft die Betriebsgenehmigung ab», sagt Herzig. «Wir werden die Grube aufgrund des Wetters in den vergangenen Monaten aber nicht bis dahin auffüllen können.»

Dieses Problem wird wohl eine Verlängerung der Genehmigung lösen können. Die Gemeinde wollte jedoch mehr und die Grube noch weiter vergrössern: «Dazu kam aber noch unter Krähenbühl das definitive Nein.» Herzig ärgert sich, dass der Kanton nun andererseits verkünde, die Suche nach neuen Deponiestandorten gestalte sich schwierig.

Langenbruck wird erst kommendes Jahr berücksichtigt

Der stellvertretende Kantonsplaner Huber beruhigt Langenbruck erst einmal prinzipiell: «Momentan erörtern wir mit Basel-Stadt und Solothurn die Standorte für den westlichen Kantonsteil, das Unterbaselbiet und das Schwarzbubenland.» Den östlichen Kantonsteil, das Oberbaselbiet und das Fricktal, wolle der Kanton zusammen mit dem Aargau ab dem kommenden Jahr untersuchen: «Dann werden wir auch Langenbruck berücksichtigen.»

Allerdings weist Huber schon jetzt darauf hin, dass sich die Grube in einem Naturschutzgebiet befinde, weshalb die Erweiterung damals wohl auch abgelehnt worden sei. Roger Schneider von der Abteilung Naturschutz präzisiert auf Nachfrage: Wegen der wertvollen Trockenwiesen und Hochstammbäume an seinen Hängen sei der Helfenberg eine kommunale Naturschutzzone.

«Grube verbessert Ökologie sogar»

Das weiss Gemeindepräsident Herzig natürlich: «Das ist aber ein Problem des Zentralismus, weil wir Gemeinden nicht frei planen können.» Er ist vielmehr davon überzeugt, dass eine grössere Grube nach Abschluss eine ökologische Aufwertung hinterliesse. Erstens sei es ökologischer, eine bestehende Grube zu erweitern, statt eine komplett neue zu graben; zweitens könne eine aufgeschüttete ebene Fläche gerade als Trockenwiese besser durch die Landwirte bewirtschaftet werden; drittens würden die Hänge des Helfenbergs auch optisch schöner, wenn man noch etwas Gelände aufschütten könne. Die Deponie sei kanalisiert; es sei also problemlos möglich, dort Bauaushub oder auch Bauschutt zu lagern.

Auch Alexander Gysin aus Hölstein hat Interesse daran, die Deponie zu vergrössern. Er ist nicht nur Inhaber der Tiefbau AG selbigen Namens und bringt seinen Aushub zur Helfenberggrube; seine Firma bewirtschaftet die Grube auch seit knapp zehn Jahren. Gysin ist froh um die nahe Grube: «Sonst müsste ich das Material über den Hauenstein ins Mittelland fahren.» Momentan habe die Helfenberggrube noch ein Restvolumen von 20 000 Kubikmetern. «Das ist nicht viel», konstatiert Gysin. Deshalb ist es auch ihm ein Anliegen, beim Kanton vorzusprechen. Dazu will er bald Kontakt mit der Gemeinde Langenbruck aufnehmen.

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