Raubtier

Baselbieter Jagd- und Fischereiverwalter über den Wolf bei uns: «Wir sind gut vorbereitet»

So strich der Wolf Ende Februar in einer Waldpartie bei Erlinsbach umher.

So strich der Wolf Ende Februar in einer Waldpartie bei Erlinsbach umher.

In einem Waldstück bei Erlinsbach ist vor einem Monat ein Wolf von einer Fotofalle im Bild festgehalten worden. Ist das Raubtier bald auch in hiesigen Wäldern anzutreffen? Der Baselbieter Jagd- und Fischereiverwalter, Holger Stockhaus, antwortet.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie vom Wolf hörten, der Ende Februar am helllichten Tag in Erlinsbach in eine Fotofalle getappt war?

Holger Stockhaus: Es war davon auszugehen, dass es früher oder später eine bestätigte Wolfsichtung in der näheren Region geben würde. Überraschend ist es also nicht.

Von woher könnte er ins Mittelland gezogen sein?

Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass er aus dem Jura kam. Er kann aber auch aus dem Calanda gekommen sein. Wölfe können auf der Suche nach Partner oder Revier sehr weite Strecken zurücklegen.

Dies ist der erste Fotobeweis, nachdem es zuvor schon vereinzelt Hinweise gegeben hat, der Wolf sei im Mittelland gesichtet worden. Sind Sie über diesen Beweis erfreut oder besorgt?

Es ist einfach so, dass der Wolf als Teil der heimischen Fauna auch den Weg in unsere Region findet. Nach bisher vereinzelten ungesicherten Hinweisen ist dies der erste belastbare Nachweis. Das schafft eine andere Basis für die Aufgabenerfüllung im Wildtiermanagement.

Erlinsbach liegt nahe an der Grenze zum Oberbaselbiet. Könnte der Wolf auch bald bei uns herumstreifen?

Selbstverständlich, davon sind wir immer ausgegangen. Vielleicht war dies bereits der Fall. Allerdings ist es so, dass trotz zahlreicher Fotofallenmonitorings, zum Beispiel für Luchs oder Wildkatze, noch nie ein Wolf dokumentiert werden konnte.

Wären Baselbieter Wälder ein geeigneter Lebensraum für den Wolf?

Er würde sich vermutlich nicht im Baselbiet ansiedeln. Die Kleinstrukturiertheit und die hohe Bevölkerungsdichte würden ihm wahrscheinlich nicht ausreichend Rückzugsraum lassen. Zumindest gehen wir nach heutigem Stand davon aus.

Sind besondere Vorkehrungen nötig?

Grundsätzlich ist das Konfliktpotenzial im Baselbiet sicher geringer als in den Sömmerungsgebieten in den Alpen. Die Nutztiere sind hier in der Regel durch Zäune geschützt. Gegebenenfalls gibt es noch etwas Anpassungsbedarf. Dem Menschen geht der Wolf ohnehin grundsätzlich aus dem Weg. Wir sind insgesamt gut vorbereitet, unter anderem mit einem Herdenschutzbeauftragten, der bei Bedarf schnell Unterstützung leisten kann. Ausserdem wird es einen Informationsdienst für Nutztierhalter geben.

Hatten Sie diesbezüglich bereits Kontakt zu Ihren Amtskollegen aus den Kantonen Aargau und Solothurn?

Wir sind ohnehin regelmässig in Kontakt. Natürlich tauschen wir uns insbesondere in Bezug auf Wildarten mit grossen Streifgebieten aus, welche die Kantonsgrenzen regelmässig überschreiten oder überschreiten können. Das gilt auch für die Grossraubtiere. Deswegen stehen wir auch jetzt in Kontakt.

Der Kanton Aargau hat den Fotobeweis nicht aktiv kommuniziert, weil der Wolf keine Schäden angerichtet hat. Würden Sie in einem solchen Fall gleich handeln?

Solche Entscheide werden immer situationsbedingt gefällt. Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein Wolf kann leicht 30 bis 50 Kilometer am Tag wandern. Das heisst: Ein Wolf, der heute bei uns gesichtet würde, wird am nächsten Tag sehr wahrscheinlich schon wieder ganz woanders sein.

   

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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