Ständeratswahlen

Baselbieter Juso lehnen sich gegen Mutterpartei auf

Zumindest einen Teil der Baselbieter Juso konnte die Grüne Maya Graf davon überzeugen, dass sie die richtige Nachfolgerin von SP-Ständerat Claude Janiak wäre.

Achtungserfolg für Maya Graf

Zumindest einen Teil der Baselbieter Juso konnte die Grüne Maya Graf davon überzeugen, dass sie die richtige Nachfolgerin von SP-Ständerat Claude Janiak wäre.

Die Baselbieter Jungsozialisten wollen sich nicht hinter die von der Mutterpartei beschlossene Männerkandidatur für den Ständerat stellen. In der Auswahl zwischen den beiden linken Kandidierenden Eric Nussbaumer (SP) und Maya Graf (Grüne) entscheiden sie sich für die Stimmfreigabe.

Irgendwie roch es schon im Vorfeld nach einer Überraschung: Am Mittwochabend luden die Baselbieter Juso die beiden linken Kandidierenden für den frei werdenden Ständeratssitz zu einem Hearing ins Liestaler Regierungsgebäude ein. Ob sie ihre offizielle Unterstützung im Wahlkampf dem «eigenen» SP-Nationalrat Eric Nussbaumer (Liestal) oder der Grünen-Nationalrätin Maya Graf (Sissach) geben, wollte die Jungpartei erst nach einem je halbstündigen Kreuzverhör entscheiden.

Dass die progressiv-feministischen Jungpolitikerinnen und -politiker Grafs Frauenkandidatur den Vorzug geben könnten, liess sich vor diesem Termin zumindest nicht ausschliessen. Alleine die Tatsache, dass die Juso überhaupt so ein Hearing durchführten, sorgte bei manch einem gestandenen Baselbieter SP-Mitglied für Stirnrunzeln.

Inhaltliche Differenzen

Nun, der Aufstand gegen die Männerkandidatur der eigenen Mutterpartei und den Genossen Nussbaumer fand nur zur Hälfte statt. Nach längeren Beratungen beschlossen die Juso-Mitglieder die Stimmfreigabe. «Die fehlende Vertretung von Frauen in Machtpositionen ist ein kleiner, aber einflussreicher Baustein in einer patriarchalen Gesellschaft. Angesichts dieser Umstände einen männlichen Kandidaten zu unterstützen, ist für die Juso als feministische Bewegung kaum vertretbar», liess sich Präsidentin Anna Holm anschliessend in einer Medienmitteilung zitieren. Andererseits wollten sich die Juso auch nicht vollständig hinter die ehemalige Nationalratspräsidentin stellen. Hierfür bestünden in gewissen ihrer politischen Ansichten zu grosse Differenzen zur eigenen Parteilinie; insbesondere bei Grafs «Positionierung zur Verteilungsgerechtigkeit durch die Vergesellschaftung der Produktionsgüter».

Die Stimmfreigabe fusse daher «auf einem überlegten Abwägen zwischen der Forderung nach angemessener Repräsentation von Frauen in der politischen Landschaft und dem Anspruch an eine klare, linke Kraft im Ständerat, mit der die Juso politische Utopien teilt», hiess es in der Medienmitteilung weiter.

Maya Graf nahm den Juso-Entscheid am späten Abend gleichwohl mit Genugtuung zur Kenntnis: «Ich hatte mich bereits über die Einladung gefreut. Nun freue ich mich auch über die Stimmfreigabe, weil ich sicher bei einem Teil der Juso das Vertrauen in meine Kandidatur gewinnen konnte», sagte die Sissacherin zur bz.

Für die Nachfolge des abtretenden Baselbieter SP-Ständerats Claude Janiak haben sich bisher vier Personen offiziell beworben. Neben Maya Graf, FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger und alt Landratspräsidentin Elisabeth Augstburger (EVP) ist Eric Nussbaumer der einzige männliche Kandidierende.

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