Der Film spielt im August vor neun Jahren. Zwei Polizisten verfolgen einen Raser, der mit seinem Plymouth Barracuda, Baujahr 1971, auf der Autobahn H 18 angetrunken und mit nacktem Oberkörper in Richtung Laufental blocht. Bei der Ausfahrt Angenstein lässt sich der Raser von der Zivilstreife ausbremsen, es folgt eine Verhaftung, die in der Beschreibung Slapstick-artig anmutet: Der Raser weigert sich, sein Cabrio zu verlassen, klammert sich ans Lenkrad, lässt sich, weiter angegurtet, nicht aus dem Wagen zerren. Beim Gerangel rutscht einem Polizisten die Waffe aus dem Halfter, sie fällt zwischen Fahrersitz und Türschwelle. Der Raser greift danach.

Drei Schüsse fallen, bis sich der Polizist der Waffe wieder bemächtigt. Wessen Finger am Abzug ist, kann auch die Spurensicherung nicht feststellen. Dem Polizeikollegen fällt nun auch noch sein Pfefferspray in den Wagen und dem Raser in die Hände. Es wird gewürgt, getreten, gesprayt. Der Polizist im Rang eines Feldweibels kümmert sich um seine wiedergewonnene Waffe, als sein Kollege noch mehr in die Bredouille gerät. Der Feldweibel glaubt, eine Notlage zu erkennen und schiesst dem Raser ins Bein. Die Aktion findet erst ein erstes Ende, als ein zufällig vorbeifahrender Ortspolizist dazustösst.

Über die rechtliche Würdigung des Vorfalls streiten seither die Baselbieter Sicherheitsbehörden; auf der einen Seite vereint Polizei und Staatsanwaltschaft, auf der anderen Seite im Gleichschritt das Baselbieter Straf- und Kantonsgericht. Die Sicherheitsinstanzen bieten nicht minder wildwestartige Szenen, wie nun erneut aus einem Urteil des Bundesgerichts hervorgeht. Doch der Reihe nach.

Mildes Urteil für den Raser...

Für Polizei und Staatsanwaltschaft ist von Anfang an klar, der Raser habe versucht, auf die Polizisten zu schiessen, während sich diese korrekt verhalten hätten. Die Staatsanwaltschaft klagt den Raser deshalb wegen versuchter vorsätzlicher Tötung an. Das Strafgericht will jedoch keine Absicht, sondern bloss eine mehrfache Gefährdung des Lebens erkennen. Zusammen mit weiteren Delikten erhält der zuvor unbescholtene Raser eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Die Polizisten, getragen vom Korps, sind erbost über das milde Urteil. Der Feldweibel legt Beschwerde beim Kantonsgericht ein. Dieses bestätigt jedoch das Urteil des Strafgerichts und brummt ihm für den verlorenen Prozess Kosten von 15 000 Franken auf. Auch beim Bundesgericht blitzt er ab und erhält eine weitere Rechnung über 3000 Franken. Es sollte für ihn noch ärger kommen.

Wegen der Schussabgabe hat der Raser auch den Polizisten angezeigt. Ohne Vorwarnung und Not habe dieser geschossen und ihm damit einen bleibenden Schaden verursacht. Die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren jedoch ein, der Polizist habe sich korrekt verhalten. Gegen den Einstellungsbeschluss legt der Raser Beschwerde ein.

Nun folgt ein Hickhack zwischen den Gerichten und den Ermittlern. Die Staatsanwaltschaft wird angewiesen, das Verfahren wieder aufzunehmen und den Fall vor Gericht zu bringen. In der Anklageschrift plädiert die Staatswaltschaft auf Freispruch. Diese ist jedoch so lausig formuliert, dass das Strafgericht eine Konkretisierung verlangt. Diese Aufbesserung fällt minimalistisch aus. Statt die Anklage ein zweites Mal zurückzuweisen, findet der Prozess statt. Der Polizist wird darin der fahrlässigen Körperverletzung für schuldig erklärt und zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen verurteilt.

...und ein schuldiger Polizist

Die Verurteilung ihres Kollegen empört das Baselbieter Polizeikorps. Der Polizeisprecher erklärt vorschnell, man werde eine «finanzielle Lösung» finden, damit dieser das Urteil anfechten könne. Das Kantonsgericht, das wie schon im Verfahren gegen den Raser von Richter Enrico Rosa präsidiert wird, stützt jedoch vollumfänglich die erste Instanz. Es stellt dem Polizisten zudem eine Rechnung von über 10 000 Franken für die Verfahrenskosten. Erneut wird das Bundesgericht bemüht. Dies hat nun sein Urteil gesprochen – und ein vernichtendes Verdikt über die Baselbieter Justiz gefällt.

Gravierende Vorwürfe richtet das Bundesgericht an die Baselbieter Staatsanwaltschaft. Ihr Vorgehen erwecke den Anschein, dass sie darauf abzielte, mittels einer mangelhaften Anklage einen Freispruch zu erwirken. Mehr noch: Es «weist wiederholte Mängel auf, die in ihrer Summierung objektiv geeignet sind, Zweifel an ihrer Unabhängigkeit zu wecken und das Vertrauen in ihre Unabhängigkeit zu erschüttern.»

Vordergründig gibt das oberste Gericht dem Polizisten recht: Seine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung wird aufgehoben. Doch Grund dafür ist ein kaum verständlicher Verfahrensfehler, den das Strafgericht begangen und das Kantonsgericht unbesehen übernommen habe. Denn auch die modifizierte Anklageschrift enthalte nicht die konkreten Vorwürfe, weswegen der Polizist verurteilt wurde. Das Strafgericht habe sich bei seinem Urteil auf Passagen in der Anklage berufen, die es so nicht gebe. Das Kantonsgericht habe diese dann übernommen und gegenüber dem Bundesgericht versucht, weiszumachen, es gebe zwei Versionen, was aber nicht korrekt sei.

Über die Schuld oder Unschuld des Polizisten hat das Bundesgericht damit nichts gesagt – das Verfahren muss im Kanton neu geführt werden.