Auch wenn es bei den aktuellen Temperaturen verlockend ist: Nicht in allen Baselbieter Bächen und Flüssen kann bedenkenlos gebadet werden. Bei einigen Gewässern riskiert man sogar gesundheitliche Folgen. Dies verdeutlichte die erste Untersuchung zur Badewasserqualität von Fliessgewässern des Kantons Baselland.

Unterdessen hat der Kanton zwei weitere Messungen zur Wasserqualität vorgenommen und die entsprechenden Resultate veröffentlicht. Kantonschemiker Peter Wenk erläutert im Interview, was es mit den Bakterien im Badewasser auf sich hat.

Doch vorerst möchte der Kantonschemiker eines klar stellen: «Es ist etwas Tolles, in Flüssen zu baden. Jedoch bringt das auch immer gewisse Risiken mit sich. Wer also sicher gehen will, muss in der Badi schwimmen gehen.»

Während der Badesaison testet der Kanton regelmässig die Wasserqualität ausgewählter Bäche und Flüsse. Gibt es bestimmte Kriterien, nach denen die Fliessgewässer für die Untersuchungen ausgesucht werden?

Peter Wenk: Wir schauen die Stellen an, die beliebt zum Baden sind, beziehungsweise die Stellen, die zum Baden zugänglich sind. So ist zum Beispiel der Giessen-Wasserfall in Kilchberg sehr beliebt für Schulausflüge. Wir erhalten immer wieder Anfragen von Schulen, ob man dort baden kann.

Bei den Untersuchungen geht es im Wesentlichen darum herauszufinden, ob die Gewässer mit Darmbakterien belastet sind. Wie gelangen die Bakterien ins Wasser?

Im Prinzip sind Darmbakterien harmlos. Jeder von uns trägt Millionen dieser Bakterien im Körper. Kommen aber Darmbakterien in Gewässern vor, sind sie für uns ein Indikator, dass es eine fäkale Verunreinigung durch den Menschen oder durch Tiere gibt. So kann man sagen, dass die Ursachenquelle der Darmbakterien einerseits Kläranlagen sind – denn diese können das Wasser nicht komplett säubern, sprich es kommt kein Trinkwasser heraus –, anderseits gelangen die Bakterien durch die Landwirtschaft ins Wasser.

Bleiben wir beim Thema Bakterien. Was sind die schlimmstmöglichen Beschwerden, die auftreten können, wenn man zum Beispiel das Wasser aus dem Marchbach bei Oberwil – der bei allen drei Untersuchungen in die schlechteste Qualitätsklasse fällt – schluckt oder es in die Augen gelangt?

Im Normalfall, wenn man das Wasser schluckt und etwas passiert, sind Magendarmprobleme die schlimmstmöglichen Beschwerden. Gelangt das verdreckte Wasser in die Augen oder Ohren, können auch Augenentzündungen oder Mittelohrentzündungen auftreten. Ob und zu welchen gesundheitlichen Folgen es tatsächlich kommt, hängt aber von vielen Faktoren ab. So haben der eigene Gesundheitszustand, die Wassermenge, die man schluckt, sowie welche Bakterien oder Viren in welcher Konzentration vorhanden sind einen entscheidenden Einfluss darauf.

Das Wetter spielt dabei eine enorme Rolle, wie viele Bakterien in den Gewässern vorhanden sind, oder?

Wenn es lange schön ist, ist das Wasser generell weniger verunreinigt, denn UV-Strahlen töten Bakterien im Wasser ab. Nach Regen hat es entsprechend mehr Bakterien im Wasser. So kann es bei starken Niederschlägen zu Überläufen der Kläranlagen kommen, wobei das verdreckte Wasser direkt in die Fliessgewässer gelangt. Das sind aber nur Tendenzen. Man kann nicht sagen, dass es zurzeit weniger Bakterien in den Baselbietern Fliessgewässern hat, weil es lange schön war. Denn die Gewässer haben sehr wenig Wasser und so ist der Verdünnungseffekt ziemlich gering.

Unabhängig vom Wetter sind einige Gewässer schmutziger als andere. Wie kann man die Resultate erklären?

Die Stellen beim Giessen-Wasserfall sowie beim Marchbach liegen in unmittelbarer Nähe einer Kläranlage. Das hat einen Einfluss auf die Badewasserqualität. Zudem gibt es bei grösseren Gewässern wie etwa beim Rhein einen viel höheren Verdünnungseffekt. Aus diesem Grund sind grössere Fliessgewässer meistens weniger belastet als kleinere. Bei kleineren Bächen spielt es ausserdem eine Rolle, wenn oberhalb von ihnen Landwirtschaft betrieben wird oder eine Kläranlage angesiedelt ist. Dies ist im Baselbiet meistens der Fall. Die Birs wies beispielsweise lange eine sehr schlechte Wasserqualität auf. Unterdessen wurde ein Kanal gebaut, sodass die Kläranlage direkt in den Rhein läuft. Seit dann hat sich die Qualität des Wassers bedeutend verbessert.

Vergleicht man die drei Untersuchungen zur Badewasserqualität, zeigen sich sowohl Übereinstimmungen wie auch Veränderungen der Resultate. Können anhand von diesen Messungen allgemeine Aussagen – im Sinne von dieser Bach ist schmutziger als dieser – gemacht werden, oder handelt es sich lediglich um Momentaufnahmen?

Wir messen schon jahrelang die Badewasserqualität der Baselbieter Gewässer. Darum lassen sich allgemeine Tendenzen erkennen. Dennoch müssen die einzelnen Messungen als Momentaufnahmen angeschaut werden.

Im Birsig zeigt sich beispielsweise eine kleine Veränderung. Wie kann die Schwankung zwischen den Klassen C und D erklärt werden?

Man muss bedenken, dass es sich bei den Gewässern um Fliessgewässer handelt, die sich ständig verändern. So sind also Schwankungen zwischen den Qualitätsklassen gut möglich. Und sowieso geht es nicht darum, genau zu bestimmen, welche Gewässer gut oder schlecht sind. Vielmehr versuchen wir mit den Untersuchungen Tendenzen herauszuarbeiten.

Noch stärker ist eine Schwankung bei der Lüssel zu erkennen. Gilt hier dasselbe?

Ja, auch hier gilt: Bei den Gewässern handelt es sich um Fliessgewässer, diese variieren sehr stark. Weiter können wir nicht immer wissen wie gut die Kläranlagen arbeiten. Diese sind nicht immer genau gleich. Auch die Wasserbelastung, die in die Kläranlage läuft, ist nicht immer dieselbe.