Und es fällt wieder, das Wort «Empörung». Nachdem es schon die Pastoralkonferenz Baselland und das Dekanat der katholischen Kirche Basel-Stadt verwendet haben, machen dies nun auch verschiedene Kirchgemeindepräsidenten, die von der bz auf die jüngste Aufregung in der katholischen Kirche der beiden Basel angesprochen wurden: die Kündigung des Vertrags betreffend der bikantonalen Fachstelle Katholisch BL.BS durch den Landeskirchenrat Baselland. «Dass man so einen Entscheid einfach fällt, ohne erst das Gespräch mit der Fachstelle, deren Steuergruppe oder den Kirchgemeinden zu suchen, ist nicht die Art des feinen Mannes», sagt etwa der Therwiler Kirchgemeindepräsident Ruedi Baltisberger.

Auch mit Bischofsvikar Christoph Sterkman als Vertreter des Bischofs in den Kantonen Aargau, Baselland und Basel-Stadt hatte niemand gesprochen. «Ich wurde von diesem Entscheid überrascht», sagt er. Als er gefällt wurde, war Sterkman gerade auf Pilgerreise in Israel. Normalerweise wohnt auch er den Sitzungen des Landeskirchenrats als Gast bei. So will es auch die Erklärung des Landeskirchenrats und der Bistumsregionalleitung über die Zusammenarbeit. Hinter vorgehaltener Hand heisst es, man habe seine Abwesenheit extra ausgenutzt, um den Entscheid durchzubringen.

«Im Bereich von Mutmassungen»

Zu solchen Vorwürfen möchte Sterkman selber keine Stellung nehmen. Allgemein möchte er sich zurzeit nicht ausführlich zu der ganzen Angelegenheit äussern. «Es stehen noch viele Sitzungen mit den verschiedenen betroffenen Gremien an», begründet er. Diese wolle er erst noch abwarten. «Bis wir Klarheit haben über die Umstände dieses Entscheids, bewegen wir uns im Bereich von Mutmassungen.» Eines sagt er dann aber doch: «Natürlich hätte ich mir ein anderes Vorgehen gewünscht.»

Ähnlich sieht dies auch Synoden-Präsident Pascal Ryf. «Über die Auflösung der Fachstelle Katholisch BL.BS kann man geteilter Meinung sein», gibt er sich diplomatisch. Sie sei immer wieder Thema gewesen und teilweise auch kritisiert worden. «Aber die Kommunikation ist auf jeden Fall verbesserungswürdig.» Die Synode hatte als Parlament der Landeskirche den Vertrag über die Fachstelle einst abgesegnet, beim Kündigungsentscheid allerdings kein Wort mitgeredet. Das sei allerdings rechtens, versichert nicht nur Ryf. Als Unterzeichner des Vertrags und Zuständiger für strukturelle Entscheide liege die Vertragskündigung im Ermessen des Landeskirchenrats.

Präzedenzfall befürchtet

Doch Vertreter des Pastorals wenden teilweise ein, dass dieser Entscheid auch Auswirkungen auf ihre Arbeit habe. Damit könne ein Präzedenzfall geschaffen werden: Wenn der Landeskirchenrat mit solchen Handlungen einfach durchkomme, könnte er künftig auch andere Verträge kündigen oder Gelder streichen, welche für die pastorale Arbeit wichtig seien, und so Einfluss nehmen.

Siegfried Bantle lacht bei der Frage, ob auch er dies befürchte. «Das Wort Präzedenzfall impliziert, dass es sich um die erste solche Handlung handelt», sagt der Liestaler Kirchgemeinderatspräsident und deutet damit an, dass die pastoralen Gremien vom Landeskirchenrat schon öfter übergangen wurden. Ähnlich äusserte sich auch die mittlerweile zurückgetretenen Landeskirchenrätin Esther Sartoretti letzte Woche in der bz. Konkreter wollten beide nicht werden.

Sterkman kann solche Vorwürfe nicht nachvollziehen. «Mein Eindruck ist ein ganz anderer», betont er. Die Beziehung zwischen Landeskirchenrat und Bistum sei in den letzten Jahren immer besser geworden. «Natürlich gibt es auch Unstimmigkeiten, aber grundsätzlich ist es ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis.» Deshalb sei das Verhalten rund um die Fachstelle Katholisch BL.BS für ihn auch aus heiterem Himmel gekommen. Einen Präzedenzfall sieht er darin jedoch nicht. «Von einem einzigen Fall sollte man nicht auf weitere schliessen.»

Bantle hingegen mahnt zur Vorsicht. «Dieses Beispiel zeigt, dass ausführlich geklärt werden muss, wie Staatskirche und Bistum zusammenarbeiten. Es geht hier nicht nur um den Stil, sondern auch um institutionelle Fragen.» Eine Erklärung über die Zusammenarbeit von Bistum und Landeskirchenrat existiert seit 2011. Sie hält unter anderem fest, dass die andere Seite jeweils offen und rechtzeitig informiert und ein partnerschaftliches Miteinander gepflegt werden soll. Über die Auslegung solcher Formulierungen lässt sich aber offenbar streiten.