Zum ersten Mal überhaupt wurden gestern Abend die Kulturpreise des Kantons Basel-Landschaft öffentlich verliehen: «Die Menschen sollen sehen, direkt erleben, was gefördert wird», sagte Esther Roth, Leiterin kulturelles.bl, am Rand der Veranstaltung.

Man merkte ihr an, dass es ganz gut tun musste, all die anstehenden Budgetdiskussionen mal zu vergessen und die Kultur zu feiern.

250 Gäste sahen das genau gleich und machten im Prattler Z7 ihre Aufwartung. Konzertveranstalter Norbert Mandel, selber vor sechs Jahren für sein Wirken ausgezeichnet, stellte seine Halle zur Verfügung. Da lag also Rock ’n’ Roll in der Luft, als Regierungsrätin Monica Gschwind das gut gehütete Geheimnis lüftete, wer sich in diesem Jahr besonders glücklich schätzen kann.

Die Antwort lautet: Samuel Leuenberger. 43 Jahre alt, in Birsfelden aufgewachsen. Wer ist dieser 22. Kulturpreisträger in der Geschichte des Kantons Basel-Landschaft?
Einer, der als Teenager loszog, um in den USA Kunst zu studieren und sich in London weiterbildete. Leuenberger erwarb den Master am Sotheby’s Institute. Und, vor allem: Er lernte die Trends und das Geschäft kennen.

So arbeitete er sich in der Galerienszene zum Manager hoch, erlebte die Boomjahre britischer Kunst, der «Young British Artists» wie Damien Hirst, hautnah mit. Und realisierte dabei, dass ihn die Ermöglichung von Kunst, das Ausstellen und die Vernetzung, zunehmend stärker reizte.

Ein Off-Space in Birsfelden

Anfang Jahrtausend kehrte Leuenberger in die Schweiz zurück, zunächst nach Zürich, wo er fürs Auktionshaus Christie’s und die Kunsthalle tätig war.

Vor knapp zehn Jahren liess er sich wieder in Birsfelden nieder, lebte im stillgelegten Familienbetrieb, einer alten Metzgerei. Und entdeckte dabei den Spielraum, den ihm die Hinterhofsituation bot: ein Areal für junge Kunst, ein Off-Space: «Vielen Künstlern, die ich kannte, fehlte es an Möglichkeiten und an Platz, um ihre Werke zu zeigen. Also gab ich ihnen Raum für Ausstellungen.»

«Salts» taufte er den Art-Salon, der bald auch die Aufmerksamkeit prominenter Vertreter der Basler Kunstszene auf sich zog, darunter Sam Keller, Direktor der Fondation Beyeler. Das führte 2014 zum Projekt «14 Rooms», einer Kollaboration von Theater, Art Basel und Fondation Beyeler. Hatte Leuenberger sein Geld jahrelang als Berater verdient, so stand für ihn von nun an fest: «Ich möchte nur noch Ausstellungen und Projekte realisieren.»
Mit seinem internationalen Netzwerk empfiehlt er sich seither für Aussergewöhnliches. Davon kann man sich im kommenden Juni selber überzeugen: Zum zweiten Mal kuratiert er den Basler Art Parcours. Einen Kunstrundgang im öffentlichen Raum, der jeweils die grosse Kunstmesse flankiert.

Daneben ist er an einer Schau in Rom und an der Biennale Venedig involviert, wie er verrät.
Und was wird er mit den 25 000 Franken machen? Flugmeilen kaufen? «Ich werde mir etwas gönnen und Kunst kaufen», sagt der Vermittler, ganz Förderer. Und, ja, für eine Reise im Sommer könne er auch noch ein bisschen Geld brauchen.

Spartenpreise in Film und Kunst

Leuenberger war nicht der einzige, der gestern Abend geehrt wurde. Bereits bekannt war, dass die Künstlerin Andrea Wolfensberger (Waldenburg) und der Filmemacher Frank Matter (Sissach) mit Spartenpreisen geehrt werden (je 20 000 Franken).

Vierter glücklicher Preisträger war an diesem Abend Dominik Muheim. Er erhielt den mit 15 000 Franken dotierten Förderpreis. Dem 25-jährigen Reigoldswiler dürfte das Jahr 2017 in ganz besonderer Erinnerung bleiben, sahnte er doch erst vor wenigen Wochen doppelt ab: Bei den Schweizermeisterschaften in der Slam Poetry. Von seiner kabarettistischen Qualität kann man sich am 18. und 19. Mai im Palazzo Liestal überzeugen.