Öffentlicher Verkehr

Baselbieter Politiker solidarisieren sich mit dem Läufelfingerli

Baselbieter Nationalrätinnen werden Vorstösse gegen die dreimonatige Einstellung des Läufelfingerli in Bundesbern einreichen.

Baselbieter Nationalrätinnen werden Vorstösse gegen die dreimonatige Einstellung des Läufelfingerli in Bundesbern einreichen.

Die dreimonatige Einstellung des Läufelfingerli war gestern auch ein Thema im Landrat. Die Baselbieter Politiker schütteln über den Entscheid der SBB den Kopf. Nun werden die Nationalrätinnen Vorstösse in Bundesbern einreichen.

Die Hiobsbotschaft der SBB hat im politischen Baselbiet eingeschlagen wie eine Bombe: Der akute Lokführermangel veranlasst den Staatsbetrieb dazu, das Läufelfingerli vorübergehend einzustellen. Während dreier Monate wird der Regionalzug S9 durch Busse ersetzt. Kantonale und nationale Parlamentarier sind verärgert und werden tätig.

Kurz nachdem die Pläne am Mittwoch bekannt worden waren, reagierten die Baselbieter Sozialdemokraten mit einer Mitteilung, in der sie Unverständnis äusserten. In der gestrigen Sitzung des Landrats wurde eine Interpellation der Buckter SP-Parlamentarierin Sandra Strüby für dringlich erklärt und gleich von Regierungsrat Isaac Reber (Grüne) beantwortet.

Seine Bau- und Umweltschutzdirektion hatte sich zuvor in einer Stellungnahme ungewöhnlich geharnischt zum Entscheid der SBB geäussert. Man teilte mit, dass man die dreimonatige Umstellung auf Busbetrieb nicht akzeptiere. Der Kanton sei nicht in die Entscheidungsfindung miteinbezogen worden.

Isaac Reber spricht mit SBB-CEO über die S9

In eine ähnliche Richtung gingen die Ausführungen von Isaac Reber in der Landratssitzung. Es wurde deutlich, dass der Kanton Baselland kurzfristig von den Massnahmen erfahren hat. «Bei einem Treffen mit dem neuen SBB-CEO Vincent Ducrot werde ich mich dafür einsetzen, dass die Umstellung tatsächlich nur drei Monate dauert», sagte der Verkehrsdirektor. Der Busersatz soll laut dem Transportunternehmen vom 7. September bis zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember gelten.

Isaac Reber bestätigte, was Sandra Strüby in der Interpellation schrieb: Die S9 ist «unverhältnismässig oft betroffen, wenn die SBB Personalmangel haben oder Störungen auf dem Streckennetz der SBB eintreten». Im Oktober kam es schon einmal während eines Tages zum Einsatz von Ersatzbussen. Damals war erst in der Freitagsnacht bekanntgegeben worden, dass wenige Stunden später am Samstag das Läufelfingerli nicht fahren wird.

Das Läufelfingerli wird zum Thema im Nationalrat

Ist die vorübergehende Umstellung auf Busse im Baselbieter Landrat bereits behandelt worden, wird sie im Nationalrat noch zum Thema. Gleich drei Baselbieter Bundesparlamentarierinnen kündigen an, das Läufelfingerli in Bern aufs Tapet zu bringen: Daniela Schneeberger (FDP), Samira Marti (SP) und Florence Brenzikofer (Grüne).

Schneeberger und Marti bereiten Vorstösse vor, die sie in der Herbstsession einreichen. Brenzikofer nutzt hingegen die Fragestunde, um Fragen zu den Schwierigkeiten bei der Ausbildung von Lokführern und zu neuen Anreizen in der Umschulung zu stellen.

Daniela Schneeberger, Baselbieter FDP-Nationalrätin

«So geht man nicht mit einem Kanton um.»

«So geht man nicht mit einem Kanton um.»

Für Daniela Schneeberger war schnell klar, dass sie eine Interpellation einreicht. «So geht man nicht mit einem Kanton um», ärgert sich die Freisinnige. Vom Bundesrat möchte sie unter anderem wissen, wie die finanziellen Konsequenzen für die SBB aussehen.

Zumindest hier kann das Bundesamt für Verkehr, das zusammen mit den Kantonen Baselland und Solothurn das Läufelfingerli bestellt, schon vorgreifen. Auf Anfrage schreibt Mediensprecher Michael Müller: «Die SBB dürfen Leistungen, die sie nicht erbringen, nicht in Rechnung stellen. Auch die Bus-Ersatzkurse müssen sie selber bezahlen.»

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