Dienstwaffen

Baselbieter Polizei braucht neue Pistolen – bevor es für die Polizisten gefährlich wird

Die P30 von Heckler & Koch, eine beliebte Polizeiwaffe in der Schweiz.

Nach über zehn Jahren müssen neue Schusswaffen her. In der neuen Budgetplanung des Kantons Baselland sind 900'000 Franken für den Kauf von neuen Dienstwaffen für die Polizei vorgesehen. Die Regierung begründet den Kostenpunkt damit, dass die aktuellen Pistolen ein Risiko für Polizistinnen und Polizisten darstellen könnten.

Tatsächlich ist den begleitenden Erklärungen zum Budget zu entnehmen, dass die sogenannte Funktionsgewährleistungsgarantie der Schusswaffen zehn Jahre und 10'000 Schüsse hält.
Beim Baselbieter Auslaufmodell handelt es sich um die Pistole P30 des bekannten deutschen Waffenherstellers Heckler & Koch. Die Waffen sind seit Anfang 2008 in Gebrauch und wurden gemäss Budget auch mehr als 10'000 Mal benutzt – fast ausnahmslos im Schiesskeller.

Alte Waffen stellen eine Gefahr für Polizisten dar

Bisher gab es gemäss der Baselbieter Polizei allerdings noch keine konkreten Fälle von Fehlfunktionen oder gefährlichen Situationen. Die aktuellen Pistolen sollen trotzdem 2021 ersetzt werden. Der Personalverband der Baselbieter Polizei begrüsst diese Entscheidung: «Uns ist es wichtig, dass unsere Polizisten mit korrekt funktionierenden Waffen ausgestattet sind», hält der Verband in einer Stellungnahme fest. Gleichzeitig bescheinigt die Polizeigewerkschaft ihrem Arbeitgeber, die Polizisten korrekt auszurüsten. Noch vor der Pistole soll eine neue Uniform eingeführt werden. Im Budget 2020 sind dafür 2,16 Millionen Franken eingestellt.

Gemäss der Medienstelle der Polizei sei dieser Ersatz ein üblicher Vorgang. Solche Erneuerungen passierten regelmässig, je nach Waffentyp und Gebrauch in Schritten von 10 bis 15 Jahren. Gleichwohl gibt es da unterschiedliche Sichtweisen. Bei der Kantonspolizei Basel-Stadt zumindest war die SIG Sauer P228 von 1991 bis 2017/2018 im Einsatz, also während 26 Jahren. Die Waffe wurde danach durch das aktuelle Modell von Heckler & Koch SFP9 ersetzt. Der frühere Aargauer Polizeikommandant Stephan Reinhardt sagte einst zu dieser Zeitung: «Die Lebensdauer einer Dienstwaffe beträgt ungefähr 20 Jahre.» Unabhängig von der Frage der Lebensdauer: Welche Waffe die Baselbieter Sicherheitsbehörden für die Zukunft auswählen werden, ist noch nicht klar. Die Polizei teilt mit, dass eine genaue Evaluierung erst noch stattfinden muss.

In der Schweiz sind neben der Grenzwacht acht Polizeikorps mit der P30 ausgerüstet – darunter die Baselbieter Nachbarkantone Aargau und Solothurn. Bei der Einführung 2011 im Kanton Aargau war die Waffe noch umstritten, da es kurz zuvor im Kanton Zürich mit der P30 zu drei Unfällen gekommen war. In zwei Fällen löste sich beim Verstauen der Waffe ein Schuss. Die Zürcher Polizei entschied daraufhin, die Holster auszuwechseln.

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