Kriminalstatistik 2019

Baselbieter Polizei ist Opfer des eigenen Erfolgs – und eines Gerichtsurteils

Solche Kontrollen schrecken Einbrecher ab. Doch die Zeiten, in denen der Polizei Serientäter in die Hände gerieten, ist wohl vorbei.

Solche Kontrollen schrecken Einbrecher ab. Doch die Zeiten, in denen der Polizei Serientäter in die Hände gerieten, ist wohl vorbei.

Einbrecher mögen das Baselbiet nicht mehr. Die Zahl der Einbrüche ist auf einem Zwanzig-Jahre-Tiefstand. Doch die Aufklärungsquote sinkt ebenfalls. Dafür gibt es zwei Gründe.

Das sass. Im März 2012 war es. Das Bundesamt für Statistik hatte gerade die Aufklärungsraten der kantonalen Polizeikorps für 2010 publiziert. Im Landkanton wurde in jenem Jahr im Schnitt jede fünfte Straftat aufgeklärt. Noch weniger waren es nur im Waadtland. Die «Basler Zeitung» kürte die Baselbieter Polizei prompt zur «zweitschlechtesten Polizei der Schweiz.»

Die Verantwortlichen erklärten die 22 Prozent Aufklärungsrate mit den vielen Einbruchdiebstählen. Die seien schwer zu verfolgen und plagten den Landkanton besonders stark, mit seiner langen grünen Grenze zu Frankreich. Doch man liess auch durchblicken, andere Kantone nähmen es mit ihren Zahlen wohl nicht immer so genau.

Jetzt unter dem landesweiten Durchschnitt

Die Zeiten, in denen das Baselbiet als Einbrecherparadies galt, sind aber endgültig vorbei. Die Einbruchszahlen sind auf das tiefste Niveau der letzten 20 Jahre gesunken, die Belastung liegt unter dem nationalen Schnitt. Das zeigt die am Donnerstag publizierte Kriminalstatistik 2019 (siehe bz vom Freitag und Spalte rechts). Im vergangenen Jahr kam es zu 874 Einbrüchen. Ein Bruchteil des Rekords des letzten Jahrzehnts im Jahr 2014: Damals wurde im Landkanton 2362-mal in Einfamilienhäuser, Wohnungen, Büros und Läden eingestiegen.

Schon zuvor hatten Polizei und Politik Gegensteuer gegeben. 2013 schickte der damalige Sicherheitsdirektor Isaac Reber sogar die Militärpolizei auf Patrouille. Der einzige Tolggen im Reinheft: Die Polizei klärte wieder weniger Einbrüche auf als im vergangenen Jahr, 16 Prozent (2018: 22 Prozent).
«Das fuchst uns ein wenig», sagt Martin Grob, Chef der Kriminalpolizei, zur bz. Man sei wohl nicht zuletzt Opfer des eigenen Erfolgs geworden: «In der Vergangenheit hatten wir häufig Einbruchsserien. Wenn es uns gelang, die Täter zu fassen, konnten wir ihnen nicht selten gleich ein Dutzend Einbrüche nachweisen.» Heute habe man die Mittel, solche Serien im frühen Stadium zu stoppen. «Wir können Serien rasch lokalisieren, sind dann im betroffenen Gebiet noch stärker präsent. Das schreckt ab und spricht sich herum.»

Denn sie wissen nicht, was sie mit Smartphones tun

Den Fahnderinnen und Fahndern kommt noch etwas anderes in die Quere. 2014 verschärfte das Bundesgericht die Kriterien zum Anlegen von DNA-Profilen. «Die DNA-Datenbank des Bundes hat immer weniger Einträge. So gibt es weniger Hits», sagt Grob. Er prophezeite 2018 in der bz, die Aufklärungsquote bei Einbruchdiebstählen könne «wegen dieser restriktiven Handhabung zusammenfallen». Er hat Recht behalten.

Sorgen bereiten der Baselbieter Polizei die Jugendlichen. Bei Tatverdächtigen unter 18 Jahren nimmt das Delikt «Pornografie» stark zu. Waren es 2017 noch 3 Fälle, zählte man im vergangenen Jahr 22. Ebenso steigend: Gewaltdarstellungen. Erfasste die Polizei 2017 keinen einzigen Fall, waren es 2019 schon 7. Eine naheliegende Vermutung: Das Smartphone ist «schuld». Mit ihnen ist es ein Kinderspiel, Bilder und Videos zu teilen und herzustellen. Baselland ist keine Ausnahme. Basel-Stadt präsentierte seine Kriminalstatistik am Dienstag. Die Straftaten gegen die sexuelle Integrität bei Jugendlichen stieg innerhalb eines Jahres von 21 auf 39 (siehe bz vom Mittwoch).

Martin Grob sagt: «Bei Jugendlichen und Pornografie wollen wir vor allem mit Prävention ansetzen. Etwa mit dem Jugenddienst, der in die Schule geht und ganz einfach mal erklärt: Was ist eigentlich erlaubt – und vor allem: was nicht?»

Häufig bestehe grosses Unwissen. Man könnte es auch mit einem Filmtitel sagen: «Denn sie wissen nicht, was sie tun».

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