Die Wirtschaftsförderung des Kantons Schaffhausen gilt als Vorbild: Vor 15Jahren stand der Kanton mit dem Rücken zur Wand, hat mit einem Wirtschaftsförderungsgesetz reagiert und erreichte seither die Ansiedlung von 400Firmen, die nach Angaben von Wirtschaftsförderer Thomas Holenstein 2500 bis 3000 Jobs geschaffen haben. Deshalb hat ihn die Baselbieter Regierung eingeladen. Sein Referat hinterliess Spuren im Konzept für die Baselbieter Wirtschaftsoffensive – dem programmatischen Hauptpunkt der laufenden Legislaturperiode. Holenstein führt mit seiner Generis AG die Wirtschaftsförderung im Auftrag des Kantons Schaffhausen. Dieser hat das Mandat 2012 zum dritten Mal ausgeschrieben. Es ging erneut an Generis, die sich als Einzige darum bewarb.

Umfassende Standortförderung

Neben der Ansiedlungspolitik ist Generis auch für die Bestandespflege, das Clustermanagement, die Regional- und Standortentwicklung, das Wohnortmarketing und die Verwaltung der Gelder der Neuen Regionalpolitik des Bundes zuständig. Für dieses Gesamtpaket stellt Schaffhausen jährlich 3,2Millionen Franken zur Verfügung. Durch die Breite dieser vom Kanton ausgelagerten Aufgaben hat Generis grosse Gestaltungsmöglichkeiten in der Region, die sie vermarktet. So erfolgte die Gründung einer englischsprachigen internationalen Schule unter intensiver Mitarbeit der Wirtschaftsförderung. Auch habe man mit vereinten Kräften den Bahnanschluss des Kantons an den Flughafen erkämpft. Weiter hat die Wirtschaftsförderungsstelle die Kompetenz, beim Kanton die Förderbeiträge für zuziehende Firmen zu beantragen.

Andere Situation, andere Ziele

Baselland und Schaffhausen sind nicht eins zu eins vergleichbar: Die dortige damals «grosse Not» herrscht hier nicht. Attraktive Grundstücke wie die Industriebrachen, die in Schaffhausen immer noch nicht wieder gefüllt sind, sind im Baselbiet rar, hier möchte man die knappen Flächen nur an möglichst wertschöpfungsstarke Firmen vergeben.

In Schaffhausen hatte man zwar auch Wünsche, zum Beispiel industrielle Produktion anzusiedeln. Man hatte damit aber gemäss Sandra Egger, die im Schaffhauser Wirtschaftsamt das Scharnier zur Wirtschaftsförderung bildet, nur mässigen Erfolg, da man mit dieser Absicht in Konkurrenz zu Standorten in Asien steht. Die Politik ist zudem gemäss Gesetz auf eine «ausgewogene Branchendiversifikation» ausgerichtet – da wirkt die bittere Erfahrung mit dem industriellen Klumpenrisiko nach, als die vormaligen Hauptarbeitgeber Georg Fischer und SIG in kurzer Zeit Tausende von Jobs abbauten. Schaffhausen hat sich in den letzten Jahren vor allem auf die Ansiedlung von Headquarterfunktionen spezialisiert.

Ein Unterschied ist, dass man in Schaffhausen die Wirtschaftsförderung als Daueraufgabe versteht. Im Baselbiet geht es um ein auf die vier Jahre 2013 bis 2017 begrenztes Projekt mit einem vergleichsweise ambitionierteren Ziel.

Schaffhausen bietet ein Vorbild

Was ist also bei allen Unterschieden von der Schaffhauser Erfahrung in die Baselbieter Wirtschaftsoffensive eingeflossen? «Da wir am Anfang stehen, haben wir zum Projektstart das damalige Vorgehen der Schaffhauser als Vorbild genommen», erklärt Michael Köhn, Generalsekretär der Bau- und Umweltschutzdirektion. Damals erarbeitete Holenstein auf der Basis der Analyse, welche die von Verbänden angestossene Projektgruppe «Wirtschaftsentwicklung Region Schaffhausen» geliefert hatte, in wenigen Monaten das Projekt und den Gesetzesentwurf. Auf dieser Basis wurde die operative Führung der Wirtschaftsförderungsstelle öffentlich ausgeschrieben. Holensteins Gemeris AG erhielt den Zuschlag.

«Wir haben dieses Schaffhauser Zweiphasenmodell übernommen», berichtet Köhn. Die provisorische Projektleitung, die noch vor den Fasnachtsferien eingesetzt werde, soll die Grundlagen erarbeiten, auf deren Basis im Sommer nach einer öffentlichen Ausschreibung die definitive Leitung der Wirtschaftsoffensive im Mandatsverhältnis vergeben wird. In der ersten Phase seien vor allem Kompetenzen in Projektmanagement, in der zweiten dann in Marketing gefordert.

In einem weiteren Punkt hat die Baselbieter Regierung rheinaufwärts geschielt: In der Landratsvorlage erklärt sie, nach Schaffhauser Vorbild werde man einen Leitfaden für Steuerfragen verfassen.