Energie

Baselbieter Regierung will kantonale Fernwärmenetze privatisieren

Bauarbeiten für Fernwärmenetz (Symbolbild)

Bauarbeiten für Fernwärmenetz (Symbolbild)

Die Baselbieter Regierung will die kantonalen Fernwärmenetze verkaufen. Denn grössere Netze seien wirtschaftlicher, Fernwärme jedoch keine Staatsaufgabe. Per Einladungsverfahren sollen Anlagen und Netze samt Kundenstamm veräussert werden.

Ziel des Verkaufs, den die Regierung nun dem Landrat vorlegt, sei eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Anlagen. Die dazu nötige Expansion wäre jedoch nur durch Verdrängung oder Übernahme der umgebenden privaten Netze möglich - beides komme "aus ordnungspolitischen Gründen nicht in Frage".

"Die Wärmeversorgung stellt in der Schweiz keine öffentliche Aufgabe dar", hält die Regierung fest. in der Vorlage verweist sie auf die vom Kanton zwecks Umweltschutz geleistete Pionier-Vorarbeit, doch heute könnten Private diese Dienstleistung "mindestens gleich gut", aber "sicher wirtschaftlicher" anbieten.

51'000 Kilowatt Gesamt-Wärmeleistung

Abstossen will die Regierung die beiden Netze in Liestal und Umgebung sowie in Muttenz: In Liestal wird Wärme mit gegen 39'000 kW thermischer Leistung aus Gas (63%) und Holz (37%) produziert. In Muttenz nutzt man für die Wärmeproduktion mit gegen 12'000 kW Leistung Abwärme der Firma Florin (53%) plus Strom (18%) und Gas (13%).

Der Verkauf soll in einem Dialogverfahren auf Einladung an einen oder mehrere Bieter mit dem nachhaltigsten Angebot erfolgen. Auch Gemeinden können mitbieten. Trifft kein akzeptables Angebot ein, soll nicht verkauft werden. Die Bieter müssten die Nachhaltigkeit von ökologischen und ökonomischen Synergieeffekten nachweisen.

Den aktuellen Wert der Anlagen mag ein Sprecher der Bau- und Umweltschutzdirektion auf Anfrage nicht beziffern, dies aus taktischen Gründen: Der Kanton lasse diesen erst schätzen und warte dann die Offerten ab.

Tarife noch gut fünf Jahre fix

Die bis 2020 laufenden Lieferverträge und das Personal - insgesamt rund sechs Vollstellen - müsste ein Käufer übernehmen. So sind die Wärmetarife bis dahin gesichert, obwohl die Anlage in Liestal heute ein tiefes sechsstelliges Defizit einfährt, ohne Aussicht auf grosse Besserung. Muttenz ist derweil rentabel, mit abnehmender Tendenz.

Grund für die roten Zahlen in Liestal ist der Anteil des Holzofens: Aus ökologischen Gründen war anfangs der 90er-Jahre entschieden worden, einheimisches Holz statt Öl zu verbrennen, obwohl so ein Defizit absehbar war. Schwarze Zahlen winken so nur mit mehr Kundschaft, womit die Kosten besser verteilt würden.

Das Fernwärmenetz Liestal hat heute 137 private Kunden, die 52 Prozent des Absatzes ausmachen. Zu den öffentlichen Kunden zählen das Spital - das eine besondere Versorgungssicherheit erfordert - und die Kantonsverwaltung. In Muttenz entfallen auf fünf private Kunden 43 Prozent des Energieabsatzes; zu den öffentlichen zählt die Fachhochschule.

28 Millionen Investitionsbedarf

Für beide Netze sieht die Vorlage durchaus Ausbaupotenzial, indes auch anstehende Investitionen von rund 28 Mio. Franken. Ein Verkauf - den die Regierung als beste von verschiedenen geprüften Szenarien vorschlägt - würde dem Kanton die Abwicklung dieser Ausgaben ersparen; finanziert würden sie ohnehin über die Wärmetarife.

Weil einige technischen Erneuerungen dringend sind, will der Kanton nach dem noch 2014 erhofften grünen Licht vom Landrat so rasch wie möglich verkaufen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1