Erzählen und Schreiben

Baselbieter Schreibgruppe geht Corona-Schicksalen auf den Grund

Aus den unterschiedlichen Corona-Schicksalen soll ein Buch entstehen.

Aus den unterschiedlichen Corona-Schicksalen soll ein Buch entstehen.

Die Coronakrise trifft sämtliche Menschen auf unterschiedliche Art und Weise. Ein ehrenamtliches Team ist daran, Erlebnisse und Schicksale von Betroffenen aus dem Kanton Baselland zu sammeln.

«Ich möchte den Menschen eine Möglichkeit geben, ihre Geschichte zu erzählen», erklärt Karin Viscardi, Co-Leiterin der Schreibgruppe aus Gelterkinden. Neben einem jährlichen Projekt, bei dem ganze Lebensgeschichten erzählt und niedergeschrieben werden, gründete Viscardi gemeinsam mit Blogger Remo Schraner dieses Frühjahr das ehrenamtliche Projekt «Corona-Geschichten». Dabei erzählen Baselbieter, wie die Coronazeit ihr Leben geprägt hat, während Freiwillige die Geschichten zu Papier bringen.

Mit den Gesprächen geben die beiden den Teilnehmenden die Möglichkeit, die aussergewöhnliche Zeit aufzuarbeiten. Bei diesem Projekt ist Karin Viscardi das erste Mal nicht nur als Projektleiterin, sondern auch als Schreiberin mit dabei.

Überrascht habe sie, wie schnell das Vertrauen habe hergestellt werden können. Für gewisse Erzählende sei das Lesen ihrer eigenen Geschichte eine ganz neue Art der Selbstreflexion, die auch helfe, das Erlebte zu verarbeiten.

Geschichten sollen zu einem Buch werden

Ähnlich empfand das Gerti Frey aus Gelterkinden, die als Erzählende am Projekt teilnahm. Sie und ihre Familie beschlossen, ihre Geschichte zu teilen. «Die Situation war sehr entspannt», beschreibt Frey das erste Treffen mit der Schreibenden, welche zur Familie nach Hause gekommen ist. «Es hat gut getan zu erzählen, was man durchmachte», sagt Frey, «und es war eine gute Verarbeitung des Erlebten.»

«Die Leute hatten ein starkes Bedürfnis zu erzählen», sagt Karin Viscardi. «Nicht einer hat unsere Anfrage abgelehnt.» Derzeit werden sechs Geschichten von vier Schreibenden verfasst. Geplant wären aber zehn verschiedene Corona-Schicksale, die voraussichtlich im kommenden März in einem Buch veröffentlicht werden sollen.

Nicht nur interessiert an negativen Schicksalen

Die bisher zusammengetragenen Geschichten reichen von einem Paar, dessen langgeplante Geschäftseröffnung verhindert wird, bis zu einer Tochter, die sich von ihrer an Corona sterbenden Mutter per Telefon verabschieden muss. Aber sie erzählen ebenfalls von der stillen Not einer Schulleiterin, die unter der enormen Zusatzbelastung durch Corona leidet.

Karin Viscardi betont, dass es ihr nicht um Sensation gehe, «sondern darum festzuhalten, wie es den Menschen während dieser Zeit ging». Dabei seien sie gar nicht ausschliesslich auf der Suche nach negativ geprägten Geschichten oder aussergewöhnlichen Schicksalsschlägen: «Falls jemand dank der Coronakrise etwas Positives erlebt hat, interessiert uns diese Geschichte genauso.» Ihnen gehe es darum «alle Aspekte zu beleuchten», meint Co-Leiterin Viscardi.

Falls jemand im Baselbiet gerne noch in das Projekt einsteigen möchte und die Chance nutzen will, seine persönliche Corona-Geschichte zu erzählen, so ist dies momentan noch möglich.

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