Bewegung

Baselbieter Schulen: Wo die Klimadebatte höchstens lau ist

Das Gymnasium in Oberwil. (Archiv)

Im Baselbiet sind die Schülerinnen und Schüler in der Klimafrage so ruhig, dass die SP eingesprungen ist. Brodelt es an den Baselbieter Schulen leise oder überhaupt nicht?

Die Basler Klimabewegung konnte letzte Woche einen grossen symbolischen Erfolg verbuchen: Der Stadtkanton rief den Klimanotstand aus. Auch an den Basler Schulen tut sich etwas: Das Gymnasium Leonhard etwa teilte mit, dass bei Abschlussreisen künftig nicht mehr das Flugzeug benutzt wird. Die Klimabewegung ist im Kanton Basel-Stadt so laut und dominant, dass sie Parteien kaum Platz lässt, sich über das Thema zu profilieren.

Im Baselbiet hingegen kommen die Forderungen zur Thematik klassisch von den Parteien, von Schülerinnen und Schülern ist nichts zu hören. Erst forderten die Jungsozialisten und Jungsozialistinnen die Ausrufung des Notstandes und radikale Massnahmen, später zog die SP gemässigter nach.

Was brodelt und wie laut?

Aus den Baselbieter Schulen ist bislang nichts Ähnliches zu hören. Brodelt es an den Baselbieter Schulen leiser oder überhaupt nicht? Die bz hat bei einigen Schulrektoraten nachgefragt.

«Wer am Klimastreik teilnimmt, soll auch das eigene Verhalten hinterfragen und ändern.» So lautet eine oft wiederholte Forderung im Bezug auf die Klimabewegung. Demselben Denkmuster folgte eine Lehrperson des Gymnasiums Oberwil.

Wer Teil des Klimastreiks sein wolle, könne daran teilnehmen. Die Konsequenz sei aber, dass die Abschlussreise der Klasse nicht per Flugzeug durchgeführt werde. Wie ein Vater einer Schülerin der betreffenden Klasse erzählt, seien im Dezember mehrere Schülerinnen und Schüler an die Klimademonstration in Basel gegangen.Ob deswegen die ganze Klasse ein Flugverbot verhängt bekommt, werde aktuell diskutiert.

Flugverbot wird diskutiert

Doch nicht nur die betroffene Klasse redet über das Thema Flugverbot, sondern die ganze Schule. Zur Debatte steht ein Flugverbot mit Ausnahmen sowie andere Massnahmen, wie die Einführung eines vegetarischen Tages in der Kantine.

Anders am Gymnasium in Laufen: Der Klimastreik sei kein Thema gewesen. Eine einzige Absenz gab es am Streiktag. Der betroffene Schüler musste dafür einen seiner Halbtage, die er freinehmen kann, abgeben. Alle diesjährigen Maturandinnen und Maturanden werden im Flugzeug auf Abschlussreise gehen und auch ansonsten werden keine Massnahmen diskutiert.
Undenkbar wäre dieses Szenario im Gymnasium Muttenz. Seit über zwanzig Jahren sind Flugreisen hier verboten. Seither wurde das Modell mehrmals infrage gestellt, es blieb beim Verbot.

Schüler und Schülerinnen, die am Klimastreik teilnehmen wollten, mussten auch in Muttenz einen ihnen zustehenden Halbtag opfern. Allerdings handhabte das Gymnasium die Fristen zur Eingabe flexibler.

Schülerorganisation gegen Streik

Wenig Interesse an der Absenzenregelung betreffend Klimastreik dürften Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in Münchenstein gehabt haben. Gemäss Rektorat bezog die Schülerinnen- und Schülerorganisation sogar Stellung gegen den Klimastreik. Erst im Dezember verbot der Lehrerinnen- und Lehrerkonvent unabhängig von der Klimabewegung die Flugreisen. In Liestal wiederum bewegte der Klimastreik die Gemüter. Wer streiken wollte, musste ebenfalls einen freien Halbtag eingeben. Aktuell werde am Gymnasium über ein Flugreiseverbot diskutiert.

Bei der Berufsfachschule Gesundheit Baselland sieht es anders aus. Hier sind Abschlussreisen im grossen Stil während der Schulzeit nicht üblich. Deswegen gibt es auch keine klimabezogenen Diskussionen oder Schulreglemente über allfällige Flugreisen.

Zudem: Wer von Vorgesetzten an der Demonstration statt in der Schule gesehen wird, muss wohl eher mit Problemen rechnen als jemand am Gymnasium.

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