Nachdem das Baselbieter Stimmvolk am Sonntag das Läufelfingerli vor dem Todesstoss gerettet hat, setzen Linke nun alles daran, die Attraktivität der S-Bahn-Linie 9 zu steigern. Einer von vielen Vorschlägen, welche die SP zu diesem Zweck im Landrat einreichen wird, sieht vor, dass auch Thürnen einen Bahnhof erhalten soll. Tatsächlich fährt das Läufelfingerli schon heute durch die Gemeinde, die am Sonntag zu über 77 Prozent Nein zur Stilllegung sagte. Einen Stopp hat die S 9 dort jedoch nicht, während sie in allen anderen Gemeinden des Tals hält.

«Bereits gut angebunden»

So ein Bahnhof würde die Thürner und Thürnerinnen also freuen, würde man meinen. Doch Gemeindepräsident Alfred Hofer zeigt sich nicht begeistert. «Für mich ist das eigentlich keine Option», sagt er. Dafür gebe es mehrere Gründe. «Zum einen könnte dieser Bahnhof nur am falschen Ort sein. Entweder er wäre gleich beim Bahnübergang bei Sissach, dann wäre die eine Hälfte des Dorfs ausgeschlossen. Oder er wird auf Höhe des Altersheims nahe der Grenze zu Diepflingen gebaut, dann ist die andere Hälfte ausgeschlossen.»

Ausserdem sei Thürnen bereits mit dem Bus gut angebunden, so Hofer. Dieser habe drei Stopps im Dorf, binde also die gesamte Bevölkerung ein, und sei gut auf die Züge am Bahnhof Sissach abgestimmt. «Gehen wir davon aus, dass der Fahrplan beim Läufelfingerli gleich bleibt und der Bahnhof einen Abbau beim Bus zur Folge hätte, wäre er also eine Verschlechterung des Angebots in Thürnen, keine Verbesserung.»

Kanton soll trotzdem prüfen

«Das nehme ich so zur Kenntnis», sagt Jan Kirchmayr, SP-Landrat und Urheber des Postulats zum Bahnhof in Thürnen. «Aber wir sind überzeugt, dass man alle Optionen, welche die Attraktivität des Läufelfingerli steigern könnten, prüfen muss.» Der Vorstoss sei nicht mit dem Thürner Gemeindepräsidenten abgesprochen.

Wenn die Anbindung dort bereits zufriedenstellend sei, könne er nachvollziehen, weshalb der Vorschlag eines Bahnhofs beim Gemeindepräsidenten nicht auf Begeisterung stosse, so Kirchmayr. «Aber man sollte jeden Vorschlag genau anschauen und nicht von Anfang an ablehnen.» Deshalb würde er gerne auch die Einschätzung des Kantons hören. «Natürlich sind aber auch wir dagegen, einfach einen Bahnhof zu bauen, damit ein Bahnhof gebaut ist. Er muss schon Vorteile für die Thürner und Thürnerinnen sowie für den Kostendeckungsgrad bringen.»

Das Läufelfingerli-Vorstosspaket der SP enthält auch ein Postulat zur Durchbindung der S 9 bis Basel. Dieses soll nun am Donnerstag dringlich eingereicht werden. Denn die Durchbindung würde bauliche Massnahmen nötig machen und der Kanton habe nur noch bis März Zeit für eine Vernehmlassungsantwort zum Bundesbeschluss Step 2030/2035. Deshalb dränge die Zeit.