Baselland

Baselbieter SP-Landrat Roman Brunner will Pendler auf das Velo und in den ÖV locken

Pendler sollen mehr Tram, Bus und Velo fahren, findet Roman Brunner

Pendler sollen mehr Tram, Bus und Velo fahren, findet Roman Brunner

Der Muttenzer ist neuer Präsident der SP-Fraktion im Landrat. Er räumt der Bekämpfung der negativen Coronaeffekte höchste Priorität ein.

Es gäbe ruhigere Zeiten, die grösste Fraktion im Landrat zu übernehmen. Ende Oktober übergab Miriam Locher an ihrer letzten Sitzung als Präsidentin der SP-Fraktion das Amt an Roman Brunner. «Sie wollte mir zwei Bücher schenken», sagt Brunner. «Aber weil es Lieferschwierigkeiten gegeben hatte, waren die noch nicht da.»

Auch er weiss: Corona wird ihm noch ganz andere Probleme bereiten. Seit dem 1. November präsidiert Roman Brunner die SP im Baselbieter Kantonsparlament. Der Muttenzer hat die Coronakrise zuoberst auf die Prioritätenliste gesetzt. Heute Donnerstag, an Brunners erster Landratssitzung in neuer Funktion, wird er einen Vorstoss einreichen, mit dem die Folgen der Krise für prekär Verdienende abgeschwächt werden sollen. Per Postulat fordert der Lehrer, dass Bezüger des kantonal gewährten Coronaerwerbsersatzes nicht unter einen Monatslohn von 4000 Franken fallen.

Fordert 4000 Franken als Coronamindestlohn

Derzeit orientiert sich der Berechnungsschlüssel am «normalen» Erwerbsersatz, was bedeutet: Die betroffenen erhalten 80 Prozent des AHV-pflichtigen Lohns (siehe bz vom Dienstag). «Bei denjenigen, die, hochgerechnet auf eine Vollzeitstelle, weniger als 4000 Franken verdienen, wirkt sich die Lücke von 20 Prozent oder einem Fünftel stärker aus als bei höheren Einkommen», gibt Brunner zu Bedenken. «Ein Beispiel: Hat jemand vor Corona 2500 Franken verdient und kann nicht arbeiten, so muss diese Person mit 2000 Franken auskommen.»

Auch beim Verkehr müsse wieder Gegensteuer gegeben werden, sagt der 40-Jährige, der 2015 in den Landrat gewählt wurde. Viele Pendler seien wegen Corona aufs Auto umgestiegen: «Wir müssen dafür sorgen, dass der öV und der Langsamverkehr attraktiv bleiben. Dazu gehören zum Beispiel neue Velo-Schnellrouten.»

Kann sich selbst mit der SVP Kooperationen vorstellen

Brunner ist selbst Velopendler. Er unterrichtet am Basler Kirschgarten-Gymnasium Sport und Geschichte. Wegen des Fraktionspräsidiums wird er sein Pensum reduzieren.

Bei Verkehrsthemen kann er auf die Unterstützung der Grünen zählen. Mit Blick auf Basel-Stadt, wo nach den Wahlen vom 25. Oktober bei Rot-Grün Risse sichtbar wurden, sagt Brunner: «Wenn jemand unser Partner ist, dann die Grünen.»

Mit 22 Vertretern stellt die SP-Fraktion rund ein Viertel der Landratsmitglieder. Doch selbst mit der Grünen-Fraktion komme keine Mehrheit zustande, gibt Brunner zu Bedenken. Je nach Geschäft sei es deshalb notwendig, auch im bürgerlichen Lager Allianzen zu schmieden. «Es gibt durchaus Vorlagen, bei denen wir mit der SVP gleicher Meinung sind. Das ist das Spannende an der Politik: Man muss Mehrheiten beschaffen.»

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