Die Baselbieter SP steigt mit hohen Zielen in den Wahlkampf 2019. Nicht nur will sie mit Eric Nussbaumer den Sitz des abtretenden Claude Janiak im Ständerat verteidigen und ihre beiden bisherigen Nationalratssitze halten. Sie strebt auch einen Stimmenanteil von 24,5 Prozent an. Dies entspräche ungefähr dem Stand der «Fukushima-Wahl» im Herbst 2011.

An der Medienkonferenz am Dienstagvormittag im Liestaler Regierungsgebäude gab Kantonalpräsident Adil Koller die Parole durch. Wie im Frühling im Baselbiet müsse am 20. Oktober auf eidgenössischer Ebene «die rechte Mehrheit» gebrochen werden, um beim Klimaschutz, den Krankenkassenprämien und der Gleichstellung wirksame Verbesserungen zu erreichen.

Die SP gibt sich zuversichtlich, im Herbst an den kantonalen Erfolg vom Frühjahr anschliessen zu können, als sie mit 22,84 Prozent Stimmenanteil und einem Sitzgewinn die SVP als stärkste Partei im Landrat ablöste. Die SP-Kampagne läuft unter dem Titel «#Linksrutsch: Nationale Wahlen 2019».

Am meisten beschäftigen die Krankenkassenprämien

Die Genossinnen und Genossen fühlen sich in ihrem Optimismus durch Quartierumfragen bestärkt, die sie vor einigen Monaten im ganzen Kantonsgebiet durchgeführt haben. Laut Koller bestätigen die Antworten, dass die von der SP besonders bewirtschafteten Themen in der Bevölkerung gut ankommen. So hätten 44 Prozent der 1500 Befragten angegeben, Krankenkassenprämien und Gesundheitsfragen würden sie am stärksten beschäftigen. Für weitere 30 Prozent ist es der Klimawandel. Wie im Frühjahr will die SP viel Aufwand für eine direkte Mobilisierung ihrer Wählerschaft betreiben und bis zum 20. Oktober 10‘000 Telefongespräche mit potenziellen Wählerinnen und Wählern führen.

Die Kosten für den Wahlkampf beziffert SP-Präsident Adil Koller mit 217‘000 Franken. Den grössten Posten mit 51‘000 Franken machen die Personalkosten für zusätzliche Stellenprozente aus.

Doppelrolle von Eric Nussbaumer

Im Personenwahlkampf kommt Nationalrat Eric Nussbaumer (Liestal) eine Doppelrolle zu. Nicht nur soll er sich im Ringen um den Ständeratssitz gegen die starken Konkurrentinnen Maya Graf (Grüne), Daniela Schneeberger (FDP) und Elisabeth Augstburger (EVP) durchsetzen, sondern auch als Stimmenlieferant für die beiden Nationalratssitze dienen. Die Stichworte für seinen persönlichen Wahlkampf lauten «schnelle Umsetzung von guten Verkehrsanbindungen», «Exportsicherheit dank EU-Rahmenabkommen», «Bildungspolitik» und «weniger Ressourcenverbrauch dank gezielter Clusterbildung in der Wirtschaftsförderung». Für Adil Koller ist klar, dass in einem zweiten Wahlgang in der Ständeratswahl die Linke mit jener Person antreten wird, die im ersten mehr Stimmen gemacht hat. Natürlich hofft Koller, dass dies Nussbaumer und nicht die Grüne Graf sein wird.

Die Bisherige Samira Marti (Ziefen) will ihren von Susanne Leutenegger Oberholzer übernommenen Nationalratssitz mit einem auf die Klimapolitik ausgerichteten Wahlkampf verteidigen. Sie verweist dabei auf ihre Vorstösse, die sie bereits zum Thema Klimaschutz im Nationalrat lanciert hat.

Chancen auch für die hinteren Listenplätze

Anders als 2015, als das SP-Bisherigen-Trio mit Janiak, Nussbaumer und Leutenegger Oberholzer für die Wiederwahl gesetzt war, können sich diesmal auch die weiteren fünf SP-Kandidierenden reale Chancen ausrechnen. Dabei ist es schwierig, eine klare Favoritin oder einen Favoriten zu benennen, welche Nussbaumers Nationalratssitz erben könnte, sollte dieser Ständerat werden.

Für die Laufner Stadträtin Sabine Asprion, die einzige Nicht-Landrätin in diesem Quintett, steigt die Chance auf eine zweite SP-Nationalrätin alleine schon durch die Tatsache, dass mit dem Allschwiler SP-Landrat Andreas Bammatter nur noch ein weiterer Mann auf der SP-Liste steht. «Mich jedenfalls motiviert im Wahlkampf die Aussicht sehr, nicht nur als Stimmenzuträgerin zu dienen, sondern selber eine Wahlchance zu besitzen», sagt Asprion. Dafür wirft sie ihre Expertise in der naturschonenden Raumplanung in die Waagschale. Bammatter seinerseits setzt seinen politischen Schwerpunkt auf das generationenübergreifende Zusammenleben und die bessere Anerkennung von Freiwilligenarbeit.

Für Miriam Locher (Münchenstein), die SP-Fraktionschefin im Landrat, steht eindeutig die Gleichstellungspolitik im Vordergrund. Die Birsfelder Landrätin Desirée Jaun hat sich auf die Auswirkungen der steigenden Krankenkassenprämien und Gesundheitskosten spezialisiert. Landrätin Sandra Strüby-Schaub (Buckten) schliesslich setzt sich besonders für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein. Mit diesem Kandidaten-Septet hofft die Baselbieter SP, nicht nur alle Wahlkampfthemen, sondern auch alle Wahlregionen ideal abgedeckt zu haben.