Standesgemäss mit einem «Buure-Zmorge» eröffnet die Baselbieter SVP am Sonntag ihren Wahlkampf für die Nationalratswahlen. Bewirtet werden die Gäste auf dem Hof von Landrätin Susanne Strub in Häfelfingen von den Kandidierenden selbst. Caroline Mall etwa brät die Spiegeleier, Patrick Schäfli den Speck, Dominik Straumann und Jacqueline Wunderer kümmern sich abwechselnd um die Rösti. Hanspeter Weibel – als Präsident der landrätlichen Geschäftsprüfungskommission sonst eher das Führen und Delegieren gewohnt – reicht den Kaffee. Die Stimmung auf dem Hof ist sonntäglich locker, das Ziel aber klar und die Mission ernst.

Parteipräsident Oskar Kämpfer gibt an der Medienkonferenz vor dem Zmorge die Parole durch: «Wir brauchen bei den National- und Ständeratswahlen eine Ablösung der rot-grünen Mehrheit in Bundesbern – und das Baselbiet soll Trendsetter dieser Ablösung sein.» Die Auswirkungen der Masseneinwanderung auf die Sozialwerke seien «dramatisch», das schreie nach einem politischen Kurswechsel. Rot-grüne Mehrheit in Bundesbern? Hat sich Kämpfer beim Zusammenzählen der Mandate verrechnet? Nein, nein, fügt Kämpfer an und erklärt: Teile der CVP seien klar nicht dem bürgerlichen Lager zuzuordnen.

«Kein unrealistisches Ziel»

Die Baselbieter SVP will ihren Wähleranteil am 18. Oktober nochmals steigern, von 26,9 Prozent 2011 auf über 30 Prozent. Bei einem Stimmenzuwachs von drei bis fünf Prozentpunkten käme die wählerstärkste Partei im Landkanton in die Nähe eines dritten Sitzes in der Grossen Kammer. «Das ist gewiss ein sehr ambitioniertes Ziel», sagt Kämpfer. «Doch unrealistisch ist es nicht.» Jedenfalls sei die SVP näher am dritten Sitz als die FDP am zweiten.

Weil SVP-Nationalrat Christian Miesch abtritt, kann die Partei Mitte Oktober sicher einen Sitz, allenfalls gar einen zweiten personell neu besetzen. Entsprechend gross ist das Gedränge auf der SVP-Liste. Die interne Konkurrenz sei riesig, betont Kämpfer. Die Parteitreue ist bei den SVP-Wählern gross, der Grossteil legt unveränderte Listen ein. Entscheidend wird also sein, welche Kandidierenden von Zusatzstimmen von Wählern anderer Parteien sowie doppelten Nennungen profitieren.

Kämpfer mag sich nicht auf Spekulationen einlassen, wer hinter dem gesetzt scheinenden Bisherigen Thomas de Courten die begehrten Plätze zwei und drei belegen wird. Er stellt aber klar: «Es gibt keine interne Stallorder.» Gemäss – einer freilich nicht repräsentativen Umfrage – unter anwesenden Parteigängern und Beobachtern könnte die Rangliste am 18. Oktober so aussehen: 1. Thomas de Courten, 2. Dominik Straumann (Fraktionschef im Landrat und Muttenzer Gemeinderat), 3. Sandra Sollberger (Landrätin und Bubendörfer Gemeinderätin). Aussenseiterchancen werden Landrätin Caroline Mall eingeräumt, die aufgrund ihrer Positionen in der Bildungspolitik vom Komitee Starke Schule Baselland unterstützt wird.

Franz statt Schneider-Schneiter?

Und dann äussert sich Kämpfer nochmals zur CVP – eine Beziehung, die schon manche Schlagzeile geliefert hat. «Wir gehen nicht auf Distanz zur CVP», sagt Kämpfer in Häfelfingen. «Die bürgerliche CVP steht uns sehr wohl.» Den Sitz der CVP sieht er nicht derart gefährdet wie andere, auch weil er dem rechtsbürgerlichen Kandidaten Remo Franz «zutraut, den Wähleranteil der Partei zu steigern».

Über die amtierende CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter sagt Kämpfer folgendes: «Ich erinnere daran, dass sie vor Jahresfrist an vorderster Front bei jenen dabei war, die unseren Kanton abschaffen wollten.» Das liest sich wie eine offizielle Aufforderung an die CVP-Wähler, den Namen Franz doppelt auf den Wahlzettel zu schreiben – und jenen von Schneider-Schneiter zu streichen. «Das ist Ihre Interpretation», sagt Kämpfer zum bohrenden Journalisten. Zur Erinnerung: Die SVP unterstützt gemeinsam mit der CVP den freisinnigen Ständeratskandidaten Christoph Buser; bei den Nationalratswahlen besteht indes «nur» eine Listenverbindung mit der FDP. Die CVP spannt derweil mit den Mitteparteien zusammen.