Weinjahr 2019

Baselbieter Weinjahrgang: Zu wenig Trauben, aber sehr gute Qualität

Die Baselbieter Winzer erwarten eine unterdurchschnittliche Ernte, aber von guter Qualität. (Symbolbild)

Die Baselbieter Winzer erwarten eine unterdurchschnittliche Ernte, aber von guter Qualität. (Symbolbild)

Die Qualität stimmt, die Menge liegt unter dem Durchschnitt. Das Wetter stellte die Baselbieter Weinbauern 2019 vor Herausforderungen.

Thomas Engel, der Liestaler Siebe-Dupf-Kellermeister, schenkt bereits einen Riesling x Silvaner Jahrgang 2019 direkt aus dem Tank aus. Der Tropfen mundet, wie aus den fachmännischen Gesichtern der Kollegen des Verbands der Weinproduzenten Region Basel/Solothurn abzulesen ist. Unter den optimalen Bedingungen in den modernen Weinkellern, in denen die Temperaturen in den Kesseln exakt geregelt werden können, gären die Weine heute schneller als früher. Nur deshalb war der erste Schluck anlässlich der gestrigen Berichterstattung über das Weinjahr 2019 überhaupt möglich.

Die Qualität 2019, betonen unisono Thomas Engel, Urs Jauslin (Muttenz), Ueli Bänninger (Tschäpperliweine Aesch) und der Baselbieter Rebbaukommissär Andreas Buser, sei grundsätzlich sehr gut. Leicht enttäuscht zeigen sie sich über die geerntete Menge. Zwar haben noch nicht alle Kellereien ihre Mengen verbucht, doch schon jetzt zeichne sich eine unterdurchschnittliche Ernte ab. «Bis jetzt sind 650 Tonnen notiert. Wir rechnen damit, dass es am Ende rund 700 Tonnen sein werden», erklärt Buser. Im Super-Weinjahr 2018 war die Ernte mit einer Menge von 1000 Tonnen aussergewöhnlich gross. Im Zehnjahres-Durchschnitt ernten die Baselbieter Weinbauern jeweils 795 Tonnen.

Frostschäden gabs «nur» in einzelnen Gemeinden

Grund für die unterdurchschnittliche Menge ist die Witterung. Die wechselnden Temperaturen und Niederschlagsmengen machten aber auch die Qualitätssicherung zur grossen Herausforderung. «Es war ein Weinjahr mit vielen Höhen und Tiefen», beschreibt Ueli Bänninger. Ein mit Ausnahme des Dezembers trockener Winter, ein verhältnismässig kühler Frühling mit zwei Frostmorgen anfangs Mai und zwei Hitzeperioden Ende Juni und Ende Juli setzten den Trauben zu. «Die schnellen Wechsel von kalt zu warm und umgekehrt von nass zu trocken bedeuteten für die Trauben Stress», erklärt Bänninger. Im Gegensatz zu 2017 setzte der Frost den Trauben aber nicht grossflächig, sondern nur lokal ertragsmässig zu, unter anderem in Zwingen, Ettingen, Oberwil, Sissach und Gelterkinden. Bei den Hitzeperioden wirkte sich vor allem jene im Juli aus, als es je nach Sorte und kleinlokaler Witterung Sonnenbrandschäden an den Trauben gab.

Die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Weinbauern sei dieses Jahr wegen der schwierigen Rahmenbedingungen grösser als auch schon, ist Bänninger überzeugt. «Jene, die den Arbeiten im Weinberg gezielt nachgegangen sind, haben jetzt eine gute Traubenqualität im Keller.» Die Oechslegrade seien mit 95 beim Blauburgunder und 81 beim Riesling x Silvaner hoch und optimal, berichtet Buser. Doch die Oechslegrade alleine mache noch keine Qualität aus. «Auch aromatisch und von der Farbe her machen die Trauben einen guten Eindruck.»

Schwierigkeiten beim Pflanzenschutz

Gemäss Andreas Buser war in diesem Jahr auch der Pflanzenschutz gegen Pilzkrankheiten aufwendig. «Es gab nie Phasen ohne Druck beim Falschen und Echten Mehltau.» Alternativstrategien mit reduziertem und umweltverträglicherem Pflanzenschutz bekamen die Grenzen aufgezeigt. Da müsse noch viel gelernt werden. Die Befallshäufigkeit und Stärke sei grösser gewesen als auch schon, betonte der Rebbaukommissär beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain – inklusive Seitenhieb an die die neuen politischen Machtverhältnisse in Bundesbern.

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