Digitalisierung

Baselland bestellt 12'000 iPads – droht jetzt die grosse Ablenkung?

Ab Sommer 2020 werden sämtliche Sekundarschulen aufgerüstet – alle Schüler erhalten ein Gerät. (Symbolbild)

Ab Sommer 2020 werden sämtliche Sekundarschulen aufgerüstet – alle Schüler erhalten ein Gerät.

Meilenstein, Leuchtturm, Entwicklungsschritt des Jahrzehnts: Die Kantonsinformatik überhäuft ihr aktuelles Projekt gerade mit Superlativen. Zugegeben, es ist auch ziemlich umfangreich. Der Regierungsrat hat vergangenen Dienstag beschlossen, die Sekundarschulen des Kantons flächendeckend mit Tablets auszurüsten. Das heisst: Sämtliche Sekschülerinnen und -schüler erhalten ein persönliches Tablet für den Unterricht, kostenlos.

Dem Entscheid ging eine rund zweijährige Evaluation voraus, darüber setzte der Stab Informatik, der für den Informatikausbau an den Baselbieter Schulen verantwortlich ist, gestern die Medien in Kenntnis. Klassen an 14 Sekundarschulstandorten testeten unterschiedliche Gerätetypen und Betriebssysteme, danach schlug der mit der Ausarbeitung betraute Stab Informatik der Regierung zwei Geräte vor.

Der Regierungsrat entschied sich für das Betriebssystem iOS, das Rennen machten also die iPads von Apple. Weil sie stabil laufen und den schulischen Ansprüchen am ehesten entsprechen. Die Einführung der iPads verläuft gestaffelt, gestartet wird nach den Sommerferien im kommenden Jahr per Schuljahr 2020/2021 mit den 1. Sekundarschulklassen. «Wir können nicht alle Schülerinnen und Schüler auf einen Schlag ausrüsten», sagt Christoph Straumann, Leiter Stab Informatik und selbst einst Lehrer. «Das würde unsere finanziellen Möglichkeiten sprengen.»

Er rechnet mit Anschaffungskosten von 1,8 Millionen Franken jährlich, wovon zwei Drittel auf die iPads fallen, kalkuliert sind 500 Franken pro Gerät. Die restlichen 600'000 Franken sind für die Ausstattung der Lehrpersonen sowie des Verwaltungspersonals vorgesehen. Auch sie werden mit neuen Geräten ausgestattet, allerdings auf Windows-Basis. Die Finanzierung erfolgt über bestehende Betriebsmittel des Stabs Informatik.

Im Endausbau sollen zwischen 11'000 und 12'000 Geräte an den Sekundarschulen im Einsatz sein, 8500 davon Schüler-iPads. Der Stab Informatik wird sie von seiner Zentrale am Liestaler Bahnhof aus managen und warten. Der nächste Schritt ist nun die öffentliche Ausschreibung. Teil davon ist der Rücknahmepreis. Die Geräte sollen nach den drei Schuljahren in den Secondhand-Markt gelangen – die Schüler werden sie nicht übernehmen können.

Droht die grosse Ablenkung?

Der Kanton begeht mit seinem Entscheid relativ neues Terrain: In keinem anderen Kanton, so Straumann, werde ähnlich flächendeckend ausgestattet: «Wir spielen damit in einer Liga mit den grossen Städten.» Er ist überzeugt, dass die Tablets das Lernen vielfältiger und den Schulsack leichter machen werden.

Die iPads, auf denen lediglich eine Auswahl an schulspezifischen Apps freigeschaltet sein wird, sollen digitale Lernbegleiter sein und als alltägliche Werkzeuge dienen. «Es geht nicht darum, den Schulunterricht völlig umzukrempeln», erklärt er. Vielmehr stehe eine Erweiterung der didaktischen Möglichkeiten im Vordergrund. Ausserdem sei es natürlich nicht verboten, auch in Zukunft Bücher zur Hand zu nehmen. «Die iPads ersetzen Bleistift und Gummi nicht», so Straumann. «Sie ergänzen sie mit Kamera und Mikrofon.»

Vieles spricht gegen elektronische Helferlein im Unterricht: der Entertainment-Faktor des Internets, die damit einhergehende Ablenkung, die droht, schliesslich: noch mehr Zeit vor Monitoren. Für Christoph Straumann überwiegen die Vorteile allerdings bei Weitem. Man schaffe neue Kompetenzen, fördere die Kreativität und vermittle den Schülern Skills, die auch im Sinne des Wirtschaftsstandorts seien.

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