Darmkrebs-Vorsorge

Baselland hält an Nein zur Brustkrebs-Vorsorge fest – dafür will man beim Darmkrebs nachziehen

Am «Darmtag» Ende Juni stellte das KSBL einen 20 Meter langen begehbaren Darm auf.

Das Kantonsspital Baselland will auch im Baselbiet Darmspiegelungen für alle zwischen 50 und 69, wie es Basel-Stadt und Solothurn schon bewilligt haben. Der Kanton will aber erst den Willen des Landrats abholen. Dieser hatte 2014 Mammografie-Screenings abgelehnt.

Der öffentliche Aufschrei war gross, als das Baselbieter Parlament vor fünf Jahren das zusammen mit Basel-Stadt geplante Programm zur Früherkennung von Brustkrebs abschoss. Deshalb führte der Nachbar die Mammografie-Screenings alleine ein – und zeigt sich in einem aktuellen Bericht zufrieden mit den Resultaten. Der Vertrag hätte per Ende 2018 gekündigt werden können, wurde aber bis 2023 verlängert.

Nun macht Basel-Stadt bereits beim nächsten Krebsleiden vorwärts: Vergangene Woche sprach der Grosse Rat 1,1 Millionen Franken, um ein Programm zur Dickdarmkrebs-Vorsorge bei Menschen im Alter zwischen 50 und 69 umzusetzen, das vorerst bis 2023 laufen soll. Der Kantonsrat in Solothurn bewilligte dasselbe Anliegen sogar schon vergangenen Herbst. Dass Baselland auch hier bis jetzt Aussen vor blieb, erstaunt umso mehr, da das Screening-Programm in Zusammenarbeit mit der Krebshilfe beider Basel geplant wurde.

In Basel erkranken pro Jahr rund 100 Personen

Dabei ist die Wirksamkeit der Früherkennungs-Untersuchungen mit Blut-im-Stuhl-Tests und Darmspiegelungen wissenschaftlich belegt – deutlich besser etwa als bei Mammografie-Screenings. Und Darmkrebs gehört neben Lungen-, Prostata- und Brustkrebs zu den häufigsten Tumor-Arten, die zum Tod führen können. In Basel erkranken jährlich rund 100 Personen daran, etwa 40 Prozent sterben, heisst es in der Vorlage an den Grossen Rat.

Doch nun kommt auch im Baselbiet Bewegung in die Sache. Im März reichte FDP-Landrätin Andrea Kaufmann ein Postulat ein, das die Einführung eines Darmkrebs-Vorsorgeprogramms prüfen lassen will. Und wie die bz weiss, wurde das Kantonsspital Baselland (KSBL) beim Amt für Gesundheit mit demselben Anliegen vorstellig. «Vorsorge ist bei Darmkrebs enorm wichtig», sagt Robert Rosenberg, Chefarzt Chirurgie und Leiter des Darmkrebszentrums. Das KSBL wolle gerne mit seiner Expertise den Aufbau eines Screening-Programms unterstützen. Und er betont: «Es wäre gut, vorwärtszumachen und die politische Diskussion kurz zu halten.»

Mammografie-Screenings in Baselland vom Tisch

Beim Leiter des Baselbieter Amts für Gesundheit, Jürg Sommer, stossen die Vorschläge grundsätzlich auf offene Ohren: «Bei der Dickdarmkrebs-Vorsorge sehen wir tatsächlich nur Vorteile.» Ein Baselbieter Programm müsste allerdings regional koordiniert werden. Die Kantonsärztin Monika Hänggi sei neben dem KSBL auch noch mit der Krebsliga beider Basel sowie Basel-Stadt und Solothurn im Gespräch.

Am Ende kommt es aber auf den Landrat an. Eine Vorlage ist zwingend. Denn gratis ist das Screening nicht zu haben, weiss auch Sommer. Er rechnet mit ähnlichen oder wegen der grösseren Bevölkerungszahl leicht höheren Kosten als Basel-Stadt. Dort kostet das erste Jahr gut 300'000 und jedes weitere Jahr 200 000 Franken. Dabei zahlt der Kanton vor allem die Infrastruktur, Informations- und Werbekosten. Die Kosten der Darmspiegelungen würden gemäss Bundesentscheid von der Grundversicherung getragen – und das franchisebefreit.

Sommer hofft, dass Baselland das Dickdarmkrebs-Screening 2020 starten kann. Wenig Hoffnung macht er aber jenen, die sich auch Mammografie-Screenings wünschen: «Wir haben nicht vor, dieses Thema nochmals aufzunehmen. Dafür sind die Signale von Medizinern zu widersprüchlich.»

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