Er gilt nicht erst seit dem letzten schweren Unfall von Ende September als der gefährlichste Übergang der Waldenburgerbahn (WB): Die Kreuzung Bennwilerstrasse/Hauptstrasse in Niederdorf. Immer wieder kommt es dort zu schweren Unfällen (bz berichtete). Oft auch nur zu kleineren, die kaum Verspätungen oder einen Einsatz der Blaulichtorganisationen benötigen.

Bis Ende 2014 müssen alle noch unsicheren Bahnübergänge gesichert werden – so will es der Bund. Doch bei der gefährlichsten Kreuzung der WB-Strecke stellt sich die Frage: weshalb nicht per sofort schliessen? Denn: Nur etwa 300 Meter entfernt ist Niederdorfs zweiter, bereits sicherer Bahnübergang für den motorisierten Verkehr. Beim Bahnübergang Hauptstrasse/Holdenweg können Automobilisten das WB-Trassee sicher passieren. Wäre der Risiko-Übergang geschlossen, würden nicht nur Unfälle vermieden, sondern Kanton und WB könnten die Kosten für die Sicherungsarbeiten einsparen – immerhin fast eine Million Franken.

Eingeschränkte Sicht

Warum ist der Übergang Bennwilerstrasse so gefährlich? Wer auf die Hauptstrasse einbiegen will, hat nur eine eingeschränkte Sicht. Kommt die WB von Liestal her, sieht der Autofahrer den Zug, der auf dieser Strecke etwa 60 Kilometer pro Stunde fährt, erst sehr spät. Das liegt daran, dass die WB dort eine Linkskurve fährt und Bäume und Gestrüpp die Sicht zusätzlich versperren. Die Blinklichter, die vor dem nahenden Zug warnen, sieht man je nach Sonneneinstrahlung nicht. Eine Bahnschranke gibt es noch nicht.

Die WB selbst hat vor ein paar Jahren die Schliessung des gefährlichen Bahnübergangs aufs Tapet gebracht. Dagegen war und ist Andreas Buser, der Gemeindepräsident von Niederdorf. «Wir haben nur zwei Übergänge für Autos und Lastwagen. Aus Sicherheitsgründen soll das so bleiben», sagt Buser. Er befürchtet, dass das Dorf gelähmt wäre, wenn es bei nur einem Übergang einen Unfall gäbe. «Die Feuerwehr müsste beispielsweise einen Umweg über ein Nachbardorf fahren. Zudem würde sich der Verkehr beim einzigen Übergang stauen, was auch ein Sicherheitsproblem sein kann», meint Buser.

Kanton setzt auf Sicherung

Beim Kanton hat man eine Schliessung geprüft, sich jedoch dagegen entschieden – auch wegen des Mehrverkehrs durch die Quartiere, der bei nur einem Übergang entstehen würde. Der Projektleiter für die Bahnübergänge im Baselbiet, Daniel Schoop, nennt weitere Aspekte, die gegen eine Schliessung der gefährlichen Kreuzung sprechen: Das sogenannte Lichtraumprofil zwischen WB und Hauptstrasse ist zu schmal. Das heisst, der Abstand zwischen Strasse und Schiene ist zu gering.

Ob man den Übergang schliesst oder nicht, man müsste so oder so das bestehende Lichtraumprofil baulich korrigieren. Zudem ist der Übergang zusammen mit einem Fussgängerübergang Teil des Schulweges. Darum will der Kanton lieber absichern statt schliessen. Dies hat, so Schoop, viele Vorteile: Mehr Sicherheit für Fahr- und Fussverkehr, keine Umwege und Mehrverkehr, einen direkten Schulweg durchs verkehrsberuhigte Quartier.

Insgesamt werden in Niederdorf 2,5 Millionen Franken in die Sicherheit investiert. Der Bund übernimmt rund einen Sechstel der Kosten. Netto werden Kanton und Bahn also zwei Millionen Franken ausgeben.