Corona-Hilfen

Baselland knausert bei Hilfe für Kultur: Kommt es jetzt zur Pleitewelle?

Zum Beispiel Tension Festival, Münchenstein-St. Jakob: Die Ausgabe 2020 fällt Corona zum Opfer. Ob der Veranstalter, eine GmbH, für den Ausfall vom Kanton Baselland entschädigt wird, ist stark zu bezweifeln.

Zum Beispiel Tension Festival, Münchenstein-St. Jakob: Die Ausgabe 2020 fällt Corona zum Opfer. Ob der Veranstalter, eine GmbH, für den Ausfall vom Kanton Baselland entschädigt wird, ist stark zu bezweifeln.

Schon im April kündigte Baselland grosszügige Entschädigungen für ausgefallene Kulturveranstaltungen an. Doch jetzt, nach Ablauf der ersten Frist für Gesuche, zeigt sich: Anspruchberechtigt ist wohl nur ein kleiner Teil der Anbieter.

In der Baselbieter Kultur- und Eventbranche macht sich Verzweiflung breit. «Wir fühlen uns im Stich gelassen», sagt Edgar P. Lehmann, Inhaber der Plan B Entertainment GmbH in Reinach: «Die Firmen sind auf Hilfe angewiesen, wir werden aber nur vertröstet.»

Martin Ditzler, Geschäftsleiter der Eventis AG in Muttenz, sagt: «Jetzt geht es ans Lebendige. Wir mussten den Corona-Überbrückungskredit anzapfen. Es kommt einem vor, als würden die beim Kanton darauf hoffen, dass ein paar hopsgehen, damit sie nicht mehr zuständig sind.»

Grund für den Unmut: Die Kulturbetriebe im Landkanton wissen noch immer nicht, ob und wann sie für untersagte Anlässe Gelder erhalten. Schon Mitte April hatten Bund und Kanton Ausfallentschädigungen in Aussicht gestellt, um der gebeutelten Kulturbranche unter die Arme zu greifen. Bis zu 80 Prozent der entfallenen Einnahmen könnten so ausbezahlt werden.

Viele Gesuchstellende erfüllen Kriterien nicht

Die Frist für die Einreichung von Gesuchen lief am 20. Juni ab. Am 22. Juni teilte die Abteilung Kulturelles.bl allen Gesuchstellenden mit, sie hätten sich nochmals zu gedulden: «Da während der Sommerferien keine Regierungsratssitzungen stattfinden, wird ein Entscheid für Ausfallentschädigungen (...) vor Ende August nicht möglich sein.»

Für Martin Ditzler, dessen Fünf-Personen-Betrieb unter anderem den früheren FC-Basel-Goalie Pascal Zuberbühler und Komikerin Stéphanie Berger unter Vertrag hat, ein Hohn. «Da hat man mehr als drei Monate Zeit, auf die Gesuche einzugehen, und dann verreist der Regierungsrat erst mal in die Ferien. Ich bin völlig frustriert.»

Die bz hat die Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) angefragt, wann mit ersten Entscheiden zu rechnen ist. Die Antwort von Mediensprecherin Fabienne Romanens dürfte nicht wenige Gesuchstellende schockieren: «Gemäss den geltenden Richtlinien des Kantons Basel-Landschaft zur Umsetzung der Covid-19-Verordnung Kultur sind gewinnorientierte Unternehmen mit Unternehmens-Identifikationsnummer (UID) (...) nicht anspruchsberechtigt.»

Der Regierungsrat könne in Härtefällen ausnahmsweise auch Gelder an Kulturunternehmen mit UID sprechen – aber nur, wenn ein «besonderes kulturpolitisches Interesse» bestehe. Weiter sei der Regierungsrat sehr wohl beschlussfähig und die Bearbeitung der Gesuche im Gang, schreibt Romanens. Die Formulierung mit den Ferien sei «bedauerlicherweise ein wenig missverständlich».

Kurzarbeit ist möglich, hilft aber nur bedingt

Entschädigungen erhalten folglich wohl lediglich Vereine und Laiengruppen mit ehrenamtlich Tätigen, nicht jedoch AG und GmbH, die kommerziell tätig sind. Grade diese Betriebe dürften jedoch die grössten Einnahmeverluste erleiden.

Der Bundesrat gab am 1. Juli bekannt, die Kurzarbeitsentschädigung zu verlängern, ebenso könnten Selbstständigerwerbende neu bis zum 16. September Erwerbsersatz beziehen, weiter auch «die in ihrer eigenen Firma angestellten Personen im Veranstaltungsbereich». Das dürfte jedoch ebenfalls nur ein schwacher Trost sein für die Eventfirmen, die auf ihren Verlusten sitzen bleiben – Löhne machen häufig nur einen geringen Teil ihrer Kosten aus.

Gesuche übersteigen Geld schon jetzt ums Doppelte

Hinzu kommt, dass vielen Antragsstellenden gar nicht klar ist, ob sie als gewinnorientiert gelten oder nicht. So auch Plan B Entertainment und Eventis. Die Konnex GmbH in Allschwil hingegen schreibt der bz, sie falle laut ihren Informationen unter die Härtefallregelung. Die Veranstaltungstechnikfirma ist unter anderem beim Festival «Im Fluss» in Basel engagiert.

Selbst wenn Baselland grosszügig Entschädigungen gutheisst, entspannt sich die Lage kaum. Laut BKSD haben die 128 Gesuchstellenden 16 Millionen Franken an Ausfällen geltend gemacht. Im Hilfstopf befindet sich jedoch nur halb soviel Geld: rund 8,1 Millionen Franken.

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