Es war wohl als Zückerchen gedacht – das Dumme ist nur: Die Empfänger wollen es nicht schlucken. Sabine Pegoraro verspricht, dass die geplante Teil-Umfahrung von Reinach unter den Boden kommt (siehe Karte). Als Tunnel beeinträchtige die neue Strasse die Ebene zwischen Reinach und Aesch nur minimal, liess die Baselbieter Baudirektorin an einer Informationsveranstaltung zur Südumfahrung am Donnerstagabend in Reinach verlauten. Die Gegner der Strasse lassen sich damit jedoch nicht zufrieden stellen: Sie glauben, dass die Planer beim Kanton viel Grösseres im Sinne haben.

Die wahre Absicht sei es, durch ein Hintertürchen die Südumfahrung zu bauen, die eigentlich tot geglaubte Schnellstrasse durchs Birs- und Leimental. Nicht in der ursprünglichen Grösse, sondern als «Light»-Version, und auch nicht in einem Stück, sondern in Abschnitten. Einer dieser Abschnitte: die Reinacher Teilumfahrung.

«Die Salamitaktik der Baudirektion muss aufhören», schreibt Klaus Kirchmayr der bz. Der Grünen-Landrat ist Vorstandsmitglied der «IG Südumfahrung Nein». Der Aescher ist sich sicher: Der Kanton will zuerst nur einige Teile der Südumfahrung bauen. Wenn jedoch das Verkehrsaufkommen zunehme, wachse auch der Druck, die Lücken zu schliessen. Neben der Reinacher Umfahrung zählt Kirchmayr zur Südumfahrung «Light» auch den Ausbau der Langmattstrasse in Oberwil-Therwil und den Anschluss Allschwil. Kirchmayr schreibt: «Das ist eine Südumfahrung auf kaltem Weg.»

Skeptische Landeigentümer

Die IG Südumfahrung Nein führt auch das Volks-Nein zu Elba (Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil) ins Feld. 2015 habe die Stimmbevölkerung der Elba-Variante Ausbau eine klare Abfuhr erteilt. Die Pläne für die Südumfahrung sind mittlerweile ein halbes Jahrhundert alt. Ende der 1960er-Jahre hiess das Projekt noch «T 18»: Eine vierspurige Autobahn hätte von Aesch nach Allschwil geführt. 2009 gab der Kanton die Pläne für die Schnellstrasse auf – unter anderem, weil sich betroffene Landeigentümer wie die Christoph-Merian-Stiftung (ihr gehört der Schlatthof, der in der Ebene zwischen Reinach und Aesch liegt) wehrten. Die Reinacher Südumfahrung tauchte dann erstmals in einem Entwurf für die Anpassung 2017 des Kantonalen Richtplans (Krip) auf.

Rückendeckung erhielt Pegoraro an der Info-Veranstaltung im Reinacher Gemeindehaus von Melchior Buchs. Der Reinacher Gemeindepräsident stellte die Teilumfahrung als Bedingung für eine neue Tramlinie dar: Die Strasse schaffe im Ortszentrum Platz für eine Verbindung zwischen Reinach und Dornach.

Skeptisch gegenüber der Teilumfahrung zeigt sich die Christoph-Merian-Stiftung. Sie schreibt: Sollte das Projekt ähnliche Auswirkungen haben wie das vergangene, würde sie sich erneut «dezidiert dagegen aussprechen».