Coronavirus

Baselland vertagt die Maskenpflicht trotz steigender Fallzahlen

«Mit dem Virus leben lernen»: Gesundheitsdirektor Thomas Weber.

«Mit dem Virus leben lernen»: Gesundheitsdirektor Thomas Weber.

Die Baselbieter Regierung will keinen Maskentragezwang in Läden – doch die Verfügung liegt schon in der Schublade.

Der Kanton Baselland führt vorerst keine generelle Maskentragepflicht in öffentlich zugänglichen Innenräumen – sprich: in Läden – ein. Doch die Massnahme könnte innert kurzer Frist umgesetzt werden, falls sich die Situation ändert.

Das ist die wichtigste Neuigkeit aus der Medienkonferenz der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) gestern in Liestal. Zwei Bedingungen müssten erfüllt sein, damit eine Maskenpflicht und eine erneute Homeoffice-Weisung an Unternehmen komme, führte Gesundheitsdirektor Thomas Weber (SVP) aus: Hohe Fallzahlen und eine starke Auslastung der Spitäler.

Der Maskentragezwang und Homeoffice geniessen jedoch nur zweite Priorität bei der weiteren Pandemiebekämpfung. Zuvor würde die Sektorengrösse bei Anlässen auf 50 Personen beschränkt und somit gegenüber heute halbiert. Bei privaten Anlässen wie etwa Geburtstagsfeiern könnte die Gästezahl auf 30 beschränkt werden, jene in Bars, Clubs und Discos auf 100.

Aargau und Baselland als Masken-Inseln

Wer im Baselbiet einkaufen geht, muss somit weiterhin keine Maske tragen – im Gegensatz etwa zu den Nachbarn Basel-Stadt und Solothurn. Man sei sich dieser Abweichung bewusst, sagte Weber. Gerade in Basel sei die Ausgangslage jedoch anders. Dort seien die Menschenansammlungen grösser, etwa auf der Passerelle am Bahnhof SBB.

Doch Weber wurde auch grundsätzlich. Man habe innerhalb des Regierungsrats intensive Diskussionen geführt: «Wir setzen stark auf Eigenverantwortung, auf das Einsehen und die Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger. Einfach anordnen, befehlen und mit Bussen drohen, das alleine hilft sicher nicht.» Er erwähnte eine Beobachtung: «Wir sehen zum Beispiel Leute, die im Zug und im Bus brav ihre Maske tragen. Sobald sie aber auf dem Perron sind, nehmen sie den Schutz ab und umarmen Freunde oder Verwandte – als wäre nichts.»

Weber ging auch auf die Ansteckungsquellen ein. Bei fast der Hälfte der Baselbieterinnen und Baselbieter, die sich während der vergangenen Woche mit Corona infiziert hätten, war nicht klar, wo das geschah. «Es gibt jedoch keine signifikanten Hinweise darauf», sagte Weber, «dass sich Leute beim Einkaufen angesteckt hätten.»

Neue Regeln könnten innert 24 Stunden in Kraft treten

Bei den Fallzahlen ist laut VGD die 14-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner entscheidend. Liegt sie mehrere Tage über 60, rücken die Verschärfungen in Griffweite. Gestern lag die 14-Tage-Inzidenz in Baselland bei 73,9 (siehe Kasten). Bei den Spitälern ist die Auslastung der Intensiv-Pflegestationen (IPS) massgeblich. Laut Weber liegen aktuell vier Covid-19-Erkrankte im Spital, sie bräuchten aber keine Intensivpflege.

Ab einer Belegung von 18 IPS-Betten komme man an Grenzen. Falls sich die Situation verschlimmere, könne man rasch reagieren, sagte Weber. Die Verfügungen lägen parat.
Ebenso an den Anschlag kämen die rund zwanzig Mitarbeitenden des Contact-Tracing, sagte Kantonsarzt Samuel Erny: «Wir planen jedoch einen Ausbau und stehen bereits in Kontakt mit externen Partnern.»

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