AAGL/BLT

Baselland vollzieht überraschende Wende – neue Ausschreibung trotz Verhandlungen

Regierung meldet beim Bund Ausschreibung von 18 Oberbaselbieter Buslinien an – mitten in den Verhandlungen mit AAGL und BLT. (Archiv)

Regierung meldet beim Bund Ausschreibung von 18 Oberbaselbieter Buslinien an – mitten in den Verhandlungen mit AAGL und BLT. (Archiv)

Am Montagabend machte die Autobus AG Liestal (AAGL) in einer Mitteilung publik, dass die Baselbieter Regierung nun doch zehn Buslinien der AAGL und acht der Baselland Transport AG (BLT) beim Bund zur Neuausschreibung angemeldet hat.

An der Generalversammlung der Autobus AG Liestal (AAGL) im vergangenen Sommer schienen das Busunternehmen und die kantonale Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) das Kriegsbeil nach struben Jahren begraben zu haben. BUD-Chefin Sabine Pegoraro teilte den Aktionären damals mit, dass die AAGL auf ihren zehn und die Baselland Transport AG (BLT) auf ihren acht Oberbaselbieter Buslinien ab 2020 zusammen jährlich zwei Millionen Franken sparen müssen. Die Details sollten mit Zielvereinbarungen festgelegt und die Buslinien bei Einigung nicht wie früher angedroht ausgeschrieben werden.

Und jetzt das: Ende letzte Woche teilte Pegoraro AAGL und BLT per Schreiben mit, dass die Regierung am 31. Januar beschlossen habe, die 18 Buslinien beim Bundesamt für Verkehr per Dezember 2023 zur Ausschreibung anzumelden. Dies sei terminlich so nötig gewesen, weil die Konzessionen ausliefen. Gleichzeitig, so schob die Regierung per Stellungnahme nach, seien den beiden Transportunternehmen die jeweiligen Zielvereinbarungen für ihre Oberbaselbieter Buslinien sowie der BLT zusätzlich jene für die Linien in der Agglomeration zur Unterschrift zugestellt worden.

AAGL und BLT wurden überrascht

Die Transportunternehmen reagierten unterschiedlich auf die brisante Post. BLT-Chef Andreas Büttiker gab sich wortkarg: «Ich war überrascht über den Brief. Wir sind im Gespräch mit der BUD.» Und solange diese Verhandlungen liefen, sage er nicht mehr, so Büttiker. Ganz anders die AAGL: Sie reagierte mit einer Medienmitteilung und machte damit das Ganze publik.

Gleichzeitig liess sie ihr grosses Unverständnis durchblicken: «Die AAGL ist über den Zeitpunkt des Regierungsratsbeschlusses überrascht, sind doch aktuell – wie Ende 2017 von der Regierung beschlossen – die Gespräche über eine Zielvereinbarung im Gang. Mit dem aktuellen Beschluss vollzieht die Regierung eine Kehrtwende.»

Auf Nachfrage ergänzt Simon Dürrenberger, bei der AAGL Leiter Markt, dass die BUD im letzten November die Gespräche über die Zielvereinbarungen mit AAGL und BLT separat aufgenommen und beiden Unternehmen einen ersten Vorschlag vorgelegt habe. AAGL und BUD hätten sich in der Folge weitgehend geeinigt mit noch ein paar Differenzen. Man habe auf einen zweiten Vorschlag seitens der BUD gewartet, anstelle dieses Vorschlags sei nun der Brief von Regierungsrätin Pegoraro gekommen. Dürrenberger: «Wir sind ziemlich konsterniert, dass der Ausschreibungsentscheid mitten in den Verhandlungen zu den Zielvereinbarungen gekommen ist.»

Seltsame Kommunikation

Das ganze sei eine grosse Herausforderung für sein Unternehmen, sagt Dürrenberger. Der AAGL-Verwaltungsrat will nun an seiner Sitzung von heute Abend das weitere Vorgehen besprechen. Gleichzeitig betont die AAGL in ihrem Communiqué, dass sie sich «den Herausforderungen einer Ausschreibung selbstverständlich stellen wird». Sie weist auf die guten Werte ihrer Linien im Benchmark-Vergleich, das heisst im Vergleich mit Kosten und Leistungen von andern Busunternehmen.

Bei der BUD waren bis Datum keine Auskünfte zu erhalten. Ihr Sprecher verwies auf die Landeskanzlei, da es sich beim Ausschreibungsentscheid um einen Beschluss der ganzen Regierung handle. Und dort verschickte Regierungssprecher Nic Kaufmann am Montagabend als Reaktion auf das AAGL-Communiqué die erwähnte Stellungnahme der Regierung.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

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