Besorgte Bürger sollen sich gemäss einem Bericht der «Schweiz am Sonntag» an die Stelle wenden können, wenn sie bemerken, dass sich Mitarbeiter, Vereinskollegen oder Nachbarn fundamentalistisch äussern oder sich radikalisieren. Wie die bz weiss, soll diese Anlaufstelle auch für Baselbieter offenstehen. Es mache wenig Sinn, in der Region eine solche Institution doppelt zu führen, heisst es aus Verwaltungskreisen. Offiziell bestätigen will das noch niemand. Nach den Sommerferien wird die Basler Regierung über ihre Pläne für ein solches Frühwarnsystem im Kampf gegen den Dschihadismus informieren.

Eine gemeinsame Anlaufstelle würde gut zu den bisherigen Bemühungen der beiden Basel passen: Sie führen bereits eine überregionale Arbeitsgruppe gegen Extremismus, der auch die Kantone Aargau und Solothurn angehören. Diese Arbeitsgruppe tage bei Bedarf und tausche sich nicht regelmässig aus, betont Melanie Imhof, Sprecherin des Basler Präsidialdepartements. Im vergangenen Frühjahr kam die Arbeitsgruppe zum Thema religiöser Radikalismus zuletzt zusammen.

Keine Winterthurer Verhältnisse

Doch braucht es eine solche Anlaufstelle für besorgte Bürger überhaupt? Die tatsächlichen Probleme seien relativ klein, die Verunsicherung in der Bevölkerung allerdings gross, sagte Imhof in der «Schweiz am Sonntag.» Der Nachrichtendienst des Bundes hat seit 2001 insgesamt 76 Dschihad-Reisende gezählt. Die Bundesanwaltschaft publiziert – etwa zu Verstössen gegen das IS- und Al-Qaida-Verbotsgesetz – keine nach Kantonen aufgeschlüsselten Statistiken.

Anfang 2015 sprach der Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber von einer «tiefen einstelligen Zahl Dschihadisten» im Landkanton. Ihm seien keine aktuelleren Erhebungen bekannt, sagt auf Anfrage nun Adrian Baumgartner, Sprecher von Rebers Sicherheitsdirektion. «Von Winterthurer Verhältnissen sind wir hier weit entfernt», stellt Baumgartner klar. Winterthur ist wegen Dschihad-Reisender in die Schlagzeilen geraten – und hat erst kürzlich ebenfalls angekündigt, eine solche Fachstelle für Extremismus und Gewaltprävention zu schaffen.