Händedruck-Zwang

Basler Muslim-Sprecher Karatekin: «Solche Massnahmen kennen wir aus rückständigen Staaten»

Serhad Karatekin hält nicht viel davon, dass Baselbieter Schüler mit einer Busse rechnen müssen, wenn sie Lehrkräften den Händedruck verweigern. (zVg)

Serhad Karatekin hält nicht viel davon, dass Baselbieter Schüler mit einer Busse rechnen müssen, wenn sie Lehrkräften den Händedruck verweigern. (zVg)

Der Sprecher der Basler Muslim Kommission (BMK), dem Dachverband der muslimischen Organisationen der Region, kritisiert die von der Therwiler Schule eingeführten Zwangsmassnahmen.

Herr Karatekin, der Entscheid des Kantons Baselland, künftig den Schulen zu ermöglichen, den Händedruck zu erzwingen, sorgte für Aufsehen. Nur die Basler Muslim Kommission als Dachverband nahm noch nicht Stellung. Wie stehen Sie zum Händedruck-Zwang?

Serhad Karatekin: Wir sagen Ja zum Handschlag, aber Nein zu Zwangsmassnahmen. Unter Integrationsaspekten gesehen ist eine Zwangsmassnahme für eine solche Lappalie nicht zielführend. Das Zusammenleben wird erschwert, wenn jede unwichtige Normabweichung als Integrationsverweigerung skandalisiert wird.

Überrascht Sie die harte Haltung des Kantons?

Unter dem Aspekt des massiv öffentlich aufgebauten Drucks war eine solche Entscheidung leider zu erwarten. Für uns war von Anfang an klar, dass es eine politisch motivierte Entscheidung geben wird, die sich juristisch gesehen auf sehr dünnes Eis begibt.

Glaubt die BMK, dass sich der Händedruck-Zwang auch wirklich im Schulalltag durchsetzen lässt?

Das wird die Zukunft zeigen.

Was halten Sie davon, dass nun auch Bussen bis 5000 Franken ausgesprochen werden dürfen?

Dass Gewissenskonflikte kriminalisiert werden, kennen wir aus rückständigen Staaten. Solche Massnahmen sind der Schweiz nicht würdig.

Und was halten Sie von der Verknüpfung mit dem Amt für Migration, also dass ein verweigerter Händedruck auch die Aufnahme- oder Einbürgerungschancen verringern könnte?

Das ist ein massives staatliches Druckmittel, das in diesem Fall unverhältnismässig zur Anwendung kommt.

Würden Sie es unterstützen, wenn gegen diese Regel geklagt wird bis vors Bundesgericht oder weiter?

In einem Rechtsstaat hat jeder Mensch, der sich ungerecht behandelt fühlt, das Recht, sich juristisch zu wehren. Wir hätten uns gewünscht, dass man diese Angelegenheit in einem viel kleineren Rahmen behandelt hätte.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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